Editorial - OUP 04/2026

Editorial

Wenn Schulterchirurgie scheitert

Revisionseingriffe zwischen Analyse, Rekonstruktion und Neubeginn

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk unseres Körpers. Sie ist weniger ein Kraftgelenk als vielmehr ein Positionierungsgelenk für die Hand. Bildlich gesprochen ist sie der Kran, der unser wichtigstes Werkzeug an nahezu jede Stelle des dreidimensionalen Arbeitsraums bringt. Ist dieser „Kran“ gestört, verliert selbst eine gesunde Hand einen erheblichen Teil ihres praktischen Nutzens.

Der daraus resultierende Funktionsverlust ist häufig größer, als es die anatomische Größe des Gelenks vermuten lässt. Schultererkrankungen beeinträchtigen Alltag, Berufsleben und das mentale Befinden unserer Patientinnen und Patienten in einem besonderem Maße. Auch gesundheitsökonomisch haben Schultererkrankungen eine erhebliche Bedeutung. Sie zählen zu den kostenintensiven Störungen des Bewegungsapparats, nicht zuletzt aufgrund der beträchtlichen indirekten Kosten durch Arbeitsausfall und Produktivitätsverlust.

Vor diesem Hintergrund kommt der chirurgischen Versorgung von Schultererkrankungen und -verletzungen eine medizinisch wie gesellschaftlich besondere Bedeutung zu. Arthroskopische Rekonstruktionen der Rotatorenmanschette, die operative Versorgung von Frakturen sowie anatomische und inverse Schulterprothesen gehören heute zum festen Repertoire der modernen Schulterchirurgie. Viele dieser Eingriffe sind standardisiert, wissenschaftlich gut untersucht und zählen in erfahrenen Händen zur täglichen Routine.

Gerade deshalb lohnt es sich, den Blick bewusst auf das Scheitern zu richten. Das vorliegende Themenheft fragt nach den Ursachen fehlgeschlagener Eingriffe, nach den Möglichkeiten rekonstruktiver Korrektur und nach den Lehren, die sich daraus für die Primärversorgung ziehen lassen. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie misslungene Behandlungen erfolgreich korrigiert und die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden können.

Die Autoren dieses Themenheftes nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Wir starten mit Wegen zur operativen Versorgung komplexer Glenoiddefekte nach gescheiterter inverser Prothese dar – ein Thema, das angesichts zunehmender Revisionszahlen leider unaufhaltsam weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Peter Raab, Sebastian Siebenlist und Lucca Lacheta aus München widmen sich mit der Rotatorenmanschettennaht einem weiteren häufigen Eingriff in der Schulterchirurgie. Sie erläutern, warum eine Naht misslingen kann, und stellen Strategien für deren Revision vor.

Jörn Kircher analysiert die Gründe für das Scheitern anatomischer Schulterprothesen und zeigt zugleich, wie Implantationsfehler vermieden werden können.

Thorsten Gühring und Luis Navas befassen sich mit gescheiterten Fraktur-
osteosynthesen – häufig sehr anspruchsvollen Revisionseingriffen mit hoher praktischer Relevanz.

Schließlich widmen wir uns der sehr häufigen sekundären Schultersteife. Meist findet sich dies nach diversen arthroskopischen und offenen Operationen, aber auch in Folge von Verletzungen oder im Rahmen einer zugrunde liegenden Erkrankung. Hat man die Vielzahl an individuellen Konzepten zur Hand, finden sich meist sehr gute Ergebnisse.

Die Beiträge verdeutlichen, dass operative Eingriffe in der Schulterchirurgie nicht allein deshalb zum Erfolg führen, weil sie häufig durchgeführt werden oder ihre Methoden standardisiert sind. Entscheidend bleiben eine präzise Diagnostik, eine sorgfältige Indikationsstellung und eine individualisierte, vor allem aber maßvolle operative Therapie. Dieses Themenheft soll dazu beitragen, das Bewusstsein für die besonderen Anforderungen der Revisionschirurgie des Schultergelenks zu schärfen und die Versorgung nachhaltig zu verbessern.

Wir danken den Autoren für ihre wertvollen Beiträge und wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

 

Robert Hudek & Lars Victor von Engelhardt

Priv.-Doz. Dr. med. Robert Hudek

Sektion Schulter- und

Ellenbogenchirurgie

ATOS Klinik Fleetinsel Hamburg

Prof. Dr. med.
Lars Victor von Engelhardt

Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sportmedizin am Klinikum Peine &

Universität Witten/Herdecke

Hauptschriftleiter OUP

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