Zusammenfassung: Ein Kompartmentsyndrom des Fußes ist ein chirurgischer Notfall, meist im Rahmen von high energy-Verletzungen mit Mittelfuß- und Calcaneusfrakturen vergesellschaftet und sollte nicht übersehen werden. Die klinischen Zeichen sind variabel – Schmerzen, Schwellung, eine gespannte, glänzende Haut, im weiteren Verlauf Spannungsblasen und sensomotorische Defizite bei meist erhaltenen peripheren Pulsen. Die klinische Diagnose kann durch eine Messung des intrakompartimentellen Druckes ergänzt werden, die Indikation zur Dermatofasziotomie sollte großzügig gestellt werden, ab 25 mmHg oder Differenz des Kompartmentdruckes 10–30mmHg zum diastolischen Blutdruckwert aufgrund der geringen Toleranz der kurzen Fußbinnenmuskulatur gegenüber einem erhöhten Druck. Eine frühzeitige Fasziotomie kann im Verlauf zu einer geringeren Morbidität und besserem Outcome führen. An Folgen können neurologische Defizite und Fehlstellungen auftreten.
Abstract: A compartment syndrome of the foot is a surgical emergency and should not be overlooked, most often associated with high-energy injuries involving midfoot and calcaneal fractures, Clinical signs are variable and include pain, swelling, tense and shiny skin, and in later stages, tense blisters and sensorimotor deficits, usually with preserved peripheral pulses. The clinical diagnosis can be supplemented by measurement of intracompartmental pressure. The indication for dermatofasciotomy should be made liberally – at pressures of 25mmHg or a compartment pressure difference of 10–30 mmHg compared to diastolic blood pressure – due to the low tolerance of the short intrinsic foot muscles to increased pressure. Early fasciotomy can lead to lower morbidity and better outcomes. Possible consequences of delayed treatment include neurological deficits and deformities.
Zusammenfassung: Lisfranc-Verletzungen, also Läsionen mit Instabilität im Bereich der tarsometatarsalen Gelenklinie, stellen in vielerlei Hinsicht eine große Herausforderung dar. Sie treten vergleichsweise selten auf und reichen von isolierten Bandverletzungen im Rahmen von niedrig energetischen Traumen, welche initial leicht übersehen werden können, bis hin zu hochkomplexen offenen Luxationsfrakturen mit Begleitverletzungen nach Hochrasanztrauma. Um Lisfranc-Verletzungen adäquat erkennen und eine geeignete Therapiestrategie entwickeln zu können, ist ein differenziertes diagnostisches Vorgehen erforderlich. Die meisten Lisfranc-Verletzungen müssen operativ behandelt werden, wobei die frühzeitige Diagnosesicherung und anatomische Reposition der Verletzung entscheidend für die Prognose sind.
Summary: Lisfranc injuries, referring to lesions in the tarsometatarsal joint line, present a significant challenge in many respects. They are relatively rare and range from isolated ligament injuries from low-energy trauma, which are initially easily overlooked, to highly complex open dislocation fractures with accompanying injuries due to high-energy trauma. To adequately recognize Lisfranc injuries and develop an appropriate treatment strategy, a differentiated diagnostic approach is required. Most of these injuries necessitate surgical intervention, with early diagnosis and anatomical reduction being crucial for the prognosis.
Zusammenfassung:Das funktionelle Kompartmentsyndrom (FKS) gilt als seltene, aber relevante Ursache belastungsabhängiger Schmerzen, insbesondere bei sportlich aktiven jungen Menschen. Es betrifft meist die Unterschenkel, seltener die Unterarme oder Oberschenkel. Besonders gefährdet sind Läufer (für die Unterschenkel) und Ruderer (Unterarme). Bei Kindern und Jugendlichen wird das Krankheitsbild zunehmend häufiger diagnostiziert. Diagnostik: Das FKS ist gekennzeichnet durch einen reversiblen Druckanstieg in einem muskulären Kompartiment unter Belastung, verursacht durch unelastische Faszien und Muskelvolumenzunahme. Dies führt zu Kapillarkompression, Ischämie, Schmerzen und ggf. auch neurologischen Symptomen wie Krämpfen, Parästhesien oder Fallfuß. Risikofaktoren sind u.a. eine rasche Muskelhypertrophie, Faszienverdickung, Mikrozirkulationsstörungen, Ödeme und ein erhöhter Bindegewebstonus.Die Diagnose stützt sich auf Anamnese, körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren wie MRT zum Ausschluss von Differentialdiagnosen wie einem medialen tibialen Stresssyndrom. Entscheidend für die Diagnosestellung ist jedoch die intrakompartimentelle Druckmessung vor und nach Belastung. Therapie: Konservativ können Maßnahmen wie Belastungsmodifikation, Laufstilanpassung, Schuheinlagen, Kompressionsstrümpfe, Physiotherapie und Botox-Injektionen versucht werden. Die Erfolgsrate ist hierbei begrenzt. Operativ ist die vollständige Faszienspaltung das Mittel der Wahl, insbesondere bei sportlich aktiven Jugendlichen. Eine minimalinvasive, endoskopisch-assistierte Fasziotomie zeigt gute Resultate und hohe Rückkehrraten zum Sport, Rezidive im Verlauf kommen vor. Komplikationen umfassen Nervenverletzungen, Hämatome und Wundheilungsstörungen.Fazit: Das FKS ist häufig unterdiagnostiziert, vor allem bei jungen sportlich aktiven Frauen. Die operative Behandlung bietet die besten Langzeitergebnisse.
Summary: Chronic Exertional Compartment Syndrome (CECS) is considered a rare but relevant cause of exercise-related pain, particularly in athletically active young people. It typically affects the lower legs, less frequently the forearms or thighs. Runners (for the lower legs) and rowers (forearms) are particularly at risk. The condition is being diagnosed with increasing frequency in children and adolescents. Diagnosis: CECS is characterized by a reversible increase in pressure in a muscular compartment during exercise, caused by inelastic fascia and/or increased muscle volume. This leads to capillary compression, ischemia, pain, and possibly neurological symptoms such as cramps, paresthesia, or muscular weakness. Risk factors include rapid muscle hypertrophy, fascial thickening, microcirculatory disorders, edema, and increased connective tissue tone.Diagnosis is based on medical history, physical examination, and imaging studies such as MRI to rule out differential diagnoses such as medial tibial stress syndrome. However, intracompartmental pressure measurement before and after exercise is crucial for diagnosis.Treatment: Conservative measures such as exercise modification, gait training, shoe inserts, compression stockings, physical therapy, and Botox injections can be attempted. The success rate is limited. Surgical treatment of choice is a complete fascial release, especially in athletically active adolescents. Minimally invasive, endoscopically assisted fasciotomy shows good results and high return-to-sport rates; recurrences do occur over time. Complications include nerve injuries, hematomas, and impaired wound healing.Conclusion: CECS is an underdiagnosed relevant condition, especially in young, athletic women. Surgical treatment offers the best long-term results.
Zusammenfassung: Hintergrund:Die akute Spondylolyse stellt eine häufige, belastungsinduzierte Pathologie der Lendenwirbelsäule dar. Die Therapie erfolgt in aller Regel konservativ. Neben Belastungsreduktion bzw. -modifikation und physiotherapeutischen Maßnahmen wird im klinischen Alltag, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, eine Korsettbehandlung eingesetzt, um die Chance einer knöchernen Union bzw. Heilung zu erhöhen bzw. die Beschwerden zu lindern.Ziel:Die systematische Übersichtsarbeit untersucht die Wirksamkeit der Korsetttherapie bei Patientinnen und Patienten mit akuter lumbaler Spondylolyse. Endpunkte stellen die Rate der Knochenunion/-heilung, die Rückkehr zum Sport und die Schmerzreduktion dar.Methoden:Es erfolgte eine systematische Literaturrecherche gemäß der PRISMA-Richtlinien in den Datenbanken PubMed, Scopus und Web of Science. In der Suche wurden relevante englischsprachige Suchbegriffe zu akuter Spondylolyse, Korsetttherapie und klinischen Outcomes kombiniert. Zwei unabhängige Gutachter führten Screening, Auswahl und Qualitätsbewertung der Studien durch. Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien wurde mittels Joanna Briggs Institute (JBI)-Checklisten bewertet. Die Knochenunion wird deskriptiv und differenziert nach Korsetttyp und Stadium dargestellt. Die Angabe der Rückkehr zum Sport erfolgt in Wochen und Monaten, die Bewertung der Schmerzreduktion anhand des skoliosespezifischen SRS-24-Scores.Ergebnisse: Von 564 initial identifizierten Studien wurden 5 Studien mit 218 Pars-Defekten in die Analyse einbezogen (3 retrospektive Fallserien und 2 prospektive Kohortenstudien). Vier Studien untersuchten pädiatrische Patientinnen und Patienten. In durchschnittlich 88% führte die Korsetttherapie über 15 Wochen (3,4 Monate) zu vollständiger Knochenunion. Die Heilungsraten variierten je nach Stadium der Spondylolyse: In geringgradigen Stadien mit isoliertem intramedullärem Ödem lag die Heilung bei 100%, bei vorliegender Fissur betrug die Union im Mittel 91%, bei vollständiger Fraktur 60%. Die Rückkehrrate zum Sport wurde in einer eingeschlossenen Studie, die ausschließlich Ödeme und Fissuren betrachtet, mit 78% nach im Mittel 5Monaten angegeben. In der Gruppe mit starrem Korsett verbesserte sich der mittlere Wert des SRS-Scores von 3,4 auf 4,3; in der Gruppe mit elastischer Stütze von 3,5 auf 4,5. Diskussion und Schlussfolgerungen: Die systematische Übersicht zeigt vielversprechende Ergebnisse der Korsetttherapie als Teil eines konservativen Therapieregimes bei akuter lumbaler Spondylolyse. Insbesondere für gering- bis mittelgradige Stadien der Überlastungsverletzung sind hohe Raten der knöchernen Heilung bzw. Union, der Rückkehr zum Sport und der Schmerzreduktion zu erwarten. Die Aussagekraft der generierten Daten ist jedoch aufgrund von methodischen Limitationen wie heterogenen und nicht-kontrollierten Kollektiven, sowie geringen Stichprobengrößen eingeschränkt. Zur Klärung der Evidenz und des Nutzens der Korsetttherapie in der Versorgung der akuten Spondylolyse sind kontrollierte Längsschnittstudien erforderlich.
Summary: Background: Acute spondylolysis is a common, stress-induced pathology of the lumbar spine in patients. The treatment is primarily conservative. In addition to load reduction, modification and physiotherapeutic measures, brace treatment is often suggested in everyday clinical practice with the aim of reducing pain and achieving bone union.Aim: This systematic review examines the effectiveness of brace therapy in patients with acute spondylolysis regarding rate of bone healing or union, return to sport and pain reduction.Methods: A systematic literature search was conducted according to the PRISMA guidelines in the PubMed, Scopus and Web of Science databases. The search combined relevant English-language search terms on acute spondylolysis, brace therapy and clinical outcomes. Two independent reviewers performed screening, selection and quality assessment of the studies. The methodological quality of the included studies was assessed using Joanna Briggs Institute (JBI)-checklists and subsequently documented in tabular form. Bone healing was recorded as a percentage and differentiated according to brace type and stage. Return to sport was indicated in weeks and months, and pain reduction was assessed using the Scoliosis Research Society-24 (SRS-24)- questionaire.Results: From a total of 564 initially identified studies, 5 studies with 218 pars defects were analyzed (3 retrospective case series and 2 prospective cohort studies). Four studies analyzed pediatric cases. In 88% of treated patients, brace therapy over 15 weeks (3.4 months) led to bone union. The healing rates varied depending on the stage of spondylolysis: in low-grade stages with only intramedullary edema, the bone healing was 100%. In the presence of a fissure it was 91% on average and with a complete fracture only 60% union was achieved. The return to sports rate was reported as 78% within 5 month in one study that includes edema and fissures. In the rigid brace group, the mean SRS-24 score increased from 3.4 to 4.3; in the elastic brace group from 3.5 to 4.5 (SRS-24).Discussion and conclusions: The results of the review confirm the effectiveness of brace therapy as conservative treatment for acute spondylolysis. Especially in the early stages, high rates of bone healing or union, return to sport and pain reduction can be achieved. However, the validity of the analysis is limited due to methodological limitations such as heterogeneous and uncontrolled collectives, small sample sizes and inconsistent definitions. In the future longitudinal studies are needed to clarify the benefits of complementary brace therapy for the optimized care of affected patients.
Zusammenfassung: Die femorale Antetorsion, der Winkel zwischen Femurhals- und Knieachse, beträgt vor der Geburt etwa 30–40 Grad und sinkt bis zum Erwachsenenalter auf 10–15 Grad, vor allem in den ersten 8–10 Lebensjahren. Eine erhöhte Antetorsion kann einen Einwärtsgang verursachen, der sich oft spontan zurückbildet. Die Tibiatorsion, die Drehung des Schienbeins um die Längsachse, ist bei Geburt gering oder nach innen gerichtet und entwickelt sich bis zum Erwachsenenalter zu 20–30 Grad Außenrotation. Torsionsdeformitäten entstehen durch pathologische Rotationsstellungen und können Gangbild, Hüft- und Kniefunktion beeinträchtigen. Erhöhte Femurantetorsion führt zu innenrotiertem Gang, Retrotorsion zu außenrotiertem Gang. Das „miserable malalignment“ kombiniert erhöhte Femurantetorsion und Tibiatorsion, was zu Einwärtsstellung der Kniescheiben führt. Folgen sind Knieschmerzen, Patellainstabilität, Hüftimpingement oder Leistenschmerzen. Retrotorsion erhöht das Coxarthroserisiko. Die Diagnostik beginnt mit Gangbildanalyse und Torsionsmessung in Bauchlage, gefolgt von Bildgebung (Röntgen, MRT, CT oder EOS). 3D-Ganganalysen erfassen funktionelle Auswirkungen, wobei Kompensationsmechanismen klinische Befunde verschleiern können. Sportlich aktive Jugendliche mit Torsionsfehlern leiden häufig an Hüft- und Knieschmerzen, Impingements, Labrumschäden und Instabilitäten. Erhöhte Antetorsion steigert das Sturz- und Verletzungsrisiko. An der Hüfte kann Retrotorsion extraartikuläre Impingements verursachen, erhöhte Antetorsion oder hoher McKibbin-Index führen zu ischiofemoralen Impingements. Tiefe Hüftflexion und Ausfallschritte sind oft ungünstig. Am Knie verstärken Valgusfehlstellung und hohe Torsion patellofemorale Überlastung. Hohe Tibiatorsion erhöht die Gelenkbelastung, erhöhte Antetorsion kann das Risiko für Kreuzbandverletzungen steigern. Eine dauerhafte Korrektur ist nur chirurgisch möglich. Operationen erfolgen ab dem 10.Lebensjahr, wenn keine Spontankorrektur mehr zu erwarten ist. Am Femur werden proximale oder diaphysäre Osteotomien mit Platten oder Marknägeln durchgeführt, Letztere sind minimalinvasiver und erlauben frühere Belastung. An der Tibia wird meist eine supramalleoläre Derotationsosteotomie mit winkelstabiler Platte vorgenommen. Rotationsmessungen erfolgen intraoperativ über Drähte, Schrauben oder digitale Geräte. Die Nachbehandlung umfasst 4–6 Wochen Teilbelastung und Metallentfernung nach etwa 12Monaten. Studien zeigen postoperativ Funktionsverbesserung und Schmerzlinderung, jedoch teils bleibende Defizite. Komplikationsraten bei femoralen Derotationsosteotomien liegen bei etwa 7%, Pseudoarthrosen bei knapp 5%, begünstigt durch hohen BMI, geringe Markraumausfüllung und statische Verriegelung. Neue 3D-Methoden und patientenspezifische Schablonen könnten die Korrekturgenauigkeit verbessern.
Summary: Femoral anteversion, defined as the angle between the femoral neck axis and the knee axis, measures approximately 30–40° before birth and decreases to 10–15° by adulthood, predominantly within the first 8–10 years of life. Excessive anteversion may result in in-toeing gait, which frequently resolves spontaneously. Tibial torsion, the rotation of the tibia along its longitudinal axis, is minimal or internally directed at birth and progresses to 20–30° of external rotation in adulthood. Torsional deformities result from pathological rotational alignment and may impair gait as well as hip and knee function. Increased femoral anteversion produces internal rotation of gait, while retroversion causes external rotation. The “miserable malalignment” syndrome combines increased femoral anteversion with tibial torsion, leading to medially oriented patellae. Clinical consequences include anterior knee pain, patellar instability, hip impingement, and groin pain. Retroversion is associated with increased coxarthrosis risk. Diagnostic work-up comprises gait analysis and prone torsion measurement, followed by imaging (radiographs, MRI, CT, or EOS). Three-dimensional gait analysis can quantify functional impairment, although compensatory mechanisms may mask clinical findings. In physically active adolescents, torsional malalignment is frequently associated with hip and knee pain, impingement syndromes, labral pathology, and instability. Excessive anteversion increases fall and injury risk. At the hip, retroversion may cause extra-articular impingement, whereas excessive anteversion or a high McKibbin index can lead to ischiofemoral impingement. Deep hip flexion and lunge-type activities are often detrimental. At the knee, valgus alignment combined with high torsion aggravates patellofemoral overload. High tibial torsion increases joint stress, and excessive anteversion may elevate the risk of anterior cruciate ligament injury.Definitive correction is only achievable surgically. Procedures are indicated from approximately age 10, once spontaneous remodeling is unlikely. Femoral deformities are addressed by proximal or diaphyseal osteotomy, stabilized with plates or intramedullary nails; the latter allow minimally invasive technique and earlier weight bearing. Tibial deformities are most often treated by supramalleolar derotation osteotomy with angular stable plating. Intraoperative rotational assessment is performed using guide wires, screws, or digital measurement devices. Postoperative care typically involves partial weight bearing for 4–6weeks, with hardware removal at approximately 12months.Postoperative studies report significant improvement in pain and function, although residual deficits may persist. Reported complication rates for femoral derotation osteotomy are ~7%, with non-union in ~5%, associated with high BMI, low intramedullary canal fill, and static locking. Emerging 3D techniques and patient-specific cutting guides may further enhance correction accuracy.
Zusammenfassung: Avulsionsfrakturen treten bei sportlich aktiven Jugendlichen zwischen dem 13. und 17. Lebensjahr auf. Am Becken sind am häufigsten die SIAI, die SIAS und das Sitzbein betroffen. Bei Dislokation über 1,5cm wird insbesondere an der Spina iliaca anterior inferior und dem Sitzbein zu operativem Vorgehen geraten. Verschiedene Operationstechniken stehen zur Verfügung. In über 90 Prozent sind sehr gute Ergebnisse zu erwarten. Eine Rückkehr zum Sport kann nach 4–6 Monaten erfolgen.
Summary: Avulsion fractures occur in athletically active adolescents between the ages of 13 and 17. The most commonly affected bones in the pelvis are the SIAI, SIAS, and ischium. For dislocations greater than 1.5cm, surgery is recommended, particularly on the anterior inferior iliac spine and ischium. Various surgical techniques are available. Very good results can be expected in over 90 percent of cases. A return to sports is possible after 4–6 months.
Zusammenfassung:Die Zahl kindlicher und jugendlicher Verletzungen des vorderen Kreuzbands (VKB) hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Behandlung stellt unter anderem aufgrund individueller anatomischer Voraussetzungen, des anhaltenden Wachstums und unterschiedlicher Therapieoptionen eine große Herausforderung dar. Bislang fehlen weitgehend belastbare wissenschaftliche Grundlagen und einheitliche Behandlungsempfehlungen. Vor diesem Hintergrund wurde 2013 auf Initiation der europäischen Gesellschaft für Sporttraumatologie, Kniechirurgie und Arthroskopie (European Society of Sports Traumatology, Knee Surgery Arthroscopy, ESSKA) die Initiative zur Erfassung von Verletzungen des vorderen Kreuzbandes bei Kindern und Jugendlichen (Paediatric Anterior Cruciate Ligament Monitoring Initiative, PAMI) geformt. Das übergeordnete Ziel des Projekts ist der Aufbau einer evidenzbasierten Grundlage für die Behandlung von VKB-Verletzungen im Kindes- und Jugendalter sowie die Entwicklung internationaler Leitlinien. Das Projekt ist als multizentrische, langfristige Beobachtungsstudie angelegt. Kinder und Jugendliche mit traumatischer VKB-Ruptur im Alter von 6–17 Jahren werden unabhängig von der gewählten Therapie (operativ oder konservativ) über einen geplanten Zeitraum von 30 Jahren nachbeobachtet. Das PAMI-Projekt ist somit eine der wenigen internationalen Datenbanken zu VKB-Verletzungen im Kindes- und Jugendalter, die sowohl konservative als auch operative Verfahren abbildet. Neben Patienten- und Verletzungsdaten werden klinische Untersuchungsbefunde, Angaben zur Therapie sowie patientenberichtete Ergebnisse im Verlauf erhoben. Bis Juni 2025 wurden 361 Patientinnen und Patienten aus 7europäischen Einrichtungen eingeschlossen. Insgesamt leistet das PAMI-Projekt einen wichtigen Beitrag zur besseren Versorgung kindlicher VKB-Verletzungen. Es schafft ein europäisches Netzwerk zur Erhebung valider Langzeitdaten und fördert den internationalen Austausch.
Abstract: In recent years, the incidence of anterior cruciate ligament (ACL) injuries in children and adolescents has increased significantly. Managing these injuries presents considerable clinical challenges, due to individual anatomical variation, ongoing skeletal growth, and the broad spectrum of available treatment options inter alia. However, high-quality scientific evidence and standardized treatment guidelines for this patient population remain largely insufficient. To address this gap, the Paediatric Anterior Cruciate Ligament Monitoring Initiative (PAMI) was established in 2013 as initiative of the European Society of Sports Traumatology, Knee Surgery Arthroscopy (ESSKA). The primary objective of the PAMI is to build an evidence-based platform for the diagnosis and management of pediatric ACL injuries and to support the development of international clinical guidelines. The PAMI is designed as a multicenter, long-term observational study. It includes children and adolescents aged 6–17 years with traumatic ACL ruptures, regardless of whether they undergo surgical or conservative treatment. Participants are followed over a planned period of 30years, with data collected prospectively. PAMI is one of the few international registries that comprehensively captures both operative and non-operative management strategies for ACL injuries in skeletally immature patients. Data collection includes patient demographics, injury characteristics, clinical examination findings, treatment details, and longitudinal patient-reported outcome measures. Up to June 2025, 361 patients have been enrolled across seven participating centers in Europe. The PAMI project represents a major step forward in improving the care of pediatric ACL injuries. By establishing a collaborative European network and generating validated long-term clinical data, PAMI not only contributes to a deeper understanding of injury mechanisms and outcomes but also fosters international collaboration aimed at standardizing and optimizing treatment approaches for this vulnerable patient group.
Zusammenfassung:50% der juvenilen idiopathische Arthritiden (JIA) sind oligoarthritische Formen [6, 38]. Eine Beteiligung der Kniegelenke ist in 90% der Fälle zu erwarten [38, 39]. Über die Hälfte der Erkrankten sind als Erwachsene noch behandlungsbedürftig [6, 39]. Die neuen Behandlungsstrategien der JIA erlauben eine Verzögerung oder Abmilderung des Verlaufes bei rechtzeitiger medikamentöser Therapie [12]. Es besteht derzeit eine Tendenz zur Verlängerung einer gelenkerhaltenden Strategie durch Biologika [35].Die operative Therapie zum Erhalt der Gelenke und Weichteilstrukturen ist nach wie vor eine Option bei unzureichendem Ansprechen der medikamentösen Therapie.
Summary: 50% of juvenile idiopathic arthritis (JIA) are oligoarthritic forms [6, 38]. Involvement of the knee joints is to be expected in 90% of cases [38, 39]. More than half of the patients are still in need of treatment as adults [6, 39]. The new treatment strategies of JIA allow a delay or mitigation of the course of the disease with timely drug therapy [12]. There is currently a tendency to prolong a joint-preserving strategy with biologics [35]. Surgical therapy to preserve the joints and soft tissue structures is still an option in the case of insufficient response to drug therapy.
Zusammenfassung: In Zeiten effektiver medikamentöser Therapien, insbesondere mit Biologika, wird die Rolle der Synovialektomie bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen beleuchtet und deren Notwendigkeit hinterfragt. Trotz der Fortschritte in der medikamentösen Behandlung bleibt die operative Synovialektomie eine relevante Option, insbesondere bei refraktären Fällen und spezifischen Indikationen. Die Grundlagen der Synovialektomie, die Evidenzlage gemäß den AWMF-Leitlinien sowie klinische Entscheidungsfaktoren wie Patientenwahl und Operationszeitpunkt werden analysiert. Eine individuelle und interdisziplinäre Entscheidungsfindung ist notwendig, um die besten Behandlungsergebnisse zu erzielen. Zudem werden die Risiken und postoperativen Anforderungen hervorgehoben, die bei rheumatischen Patientinnen und Patienten höher sein können. Insgesamt ist die Synovialektomie als bewährte Methode anzusehen, die in bestimmten Situationen eine Verbesserung der Gelenkfunktion und Schmerzlinderung ermöglicht.
Summary: In an era of effective drug therapies, particularly with biologics, the role of synovectomy in inflammatory rheumatic diseases is being examined, and its necessity is being questioned. However, despite these advances, surgical synovectomy remains a relevant option, particularly for refractory cases and specific indications. This study analyses the fundamentals of synovectomy, the evidence base according to the AWMF guidelines, and clinical decision-making factors such as patient selection and the timing of surgery. Achieving the best treatment outcomes requires individualized and interdisciplinary decision-making. Additionally, the risks and postoperative requirements, which may be higher in rheumatic patients, are emphasized. Overall, synovectomy is considered a proven method that can improve joint function and relieve pain in certain situations.
Zusammenfassung: Die gelenkerhaltende Chirurgie bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wurde durch die enormen Fortschritte in der medikamentösen Behandlung möglich. Die historisch häufig indizierten gelenkersetzenden Eingriffe wie Arthrodesen und Gelenkersatzoperationen können immer häufiger verlassen werden, zugunsten von gelenkgehaltenen Verfahren aus der klassischen orthopädischen Chirurgie. Die folgende Übersichtsarbeit fasst den aktuellen Stand der Wissenschaft zu gelenkerhaltenden Eingriffen bei entzündlich rheumatischen Grunderkrankungen zusammen.
Summary: Due to the groundbreaking improvement in the medical treatment of rheumatic disorders, the surgical treatments for such patients have been expanded to joint-preserving surgery, replacing joint-sacrifying arthrodesis and joint arthroplasty. The following summary highlights current concepts of joint preserving surgery for patients with rheumatic disorders.