Zusammenfassung:Die Häufigkeit rheumatischer Veränderungen an der Halswirbelsäule ist abhängig vom Schweregrad der Grunderkrankung und führt in einer Vielzahl der Fälle zu Instabilitäten, Deformitäten, therapierefraktärem Schmerz und neurologischen Ausfällen. Die Einführung krankheitsmodifizierte Medikamente (DMARDs) und Biologika hat in den letzten 20Jahren zu einem deutlichen Rückgang der operationsbedürftigen Fälle geführt. Durch die frühzeitige Diagnosestellung und die kontinuierliche Kontrolle der asymptomatischen Veränderungen können schwerwiegende Veränderungen für die Patientin bzw. den Patienten durch eine adäquate operative Therapie verhindert werden. Eine differenzierte Indikationsstellung ist notwendig, um ein Overtreatment zu vermeiden. Die Verfahrenswahl wird durch die Pathomorphologie bestimmt und führt bei angemessenem prä- und postoperativem Management zu guten Ergebnissen. Moderne Instrumentationstechniken, computerassistierte Navigation und minimalinvasive Verfahren haben die Behandlungsergebnisse und Sicherheit erheblich verbessert.
Summary: Rheumatoid arthritis often involves the cervical spine and depending on the severity of the arthritis it leads often to instability, deformity, intractable pain and neurologic deficit. The introduction of disease-modifying antirheumatic drugs (DMARDs) and biologica agents has led to a reduction of surgery rates in the last twenty years. Early identification of the lesion and a closely monitoring of asymptomatic changes may protect the patient against a poor outcome by an early differentiated operative treatment. The proper selection of the patients will protect them against overtreatment. The surgical technic depends on the pathomorphological changes and leads by an adequate pre- and postoperative management to good results.
Zusammenfassung: Die G-BA-Richtlinie zur Versorgung der hüftgelenknahen Femurfraktur stellt Krankenhäuser nicht nur in organisatorischer Hinsicht vor eine Herausforderung, sondern auch in der Vorbereitung der Prüfung durch den Medizinischen Dienst (MD). Der vorliegende Text umreißt die wichtigsten Vorgaben dieser Richtlinie und gibt Anregungen zu deren Umsetzung und der Vorbereitung der MD-Prüfung.
Summary: The „G-BA“ guideline for the treatment of proximal femur fractures presents hospitals with a challenge not only from an organizational point of view, but also in the preparation of the examination by the „Medizinischer Dienst (MD)“. This text outlines the most important requirements of this guideline and provides suggestions for its implementation and preparation for the MD examination.
Zusammenfassung: Die gelenkerhaltende Chirurgie bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wurde durch die enormen Fortschritte in der medikamentösen Behandlung möglich. Die historisch häufig indizierten gelenkersetzenden Eingriffe wie Arthrodesen und Gelenkersatzoperationen können immer häufiger verlassen werden, zugunsten von gelenkgehaltenen Verfahren aus der klassischen orthopädischen Chirurgie. Die folgende Übersichtsarbeit fasst den aktuellen Stand der Wissenschaft zu gelenkerhaltenden Eingriffen bei entzündlich rheumatischen Grunderkrankungen zusammen.
Summary: Due to the groundbreaking improvement in the medical treatment of rheumatic disorders, the surgical treatments for such patients have been expanded to joint-preserving surgery, replacing joint-sacrifying arthrodesis and joint arthroplasty. The following summary highlights current concepts of joint preserving surgery for patients with rheumatic disorders.
Zusammenfassung: Geriatrische Tibiakopffrakturen stellen aufgrund von Osteoporose, fragilen Weichteilen und Multimorbidität eine besondere Herausforderung dar. Während die Osteosynthese weiterhin der Goldstandard ist, bietet die primäre Endoprothetik eine vielversprechende Alternative bei komplexen Frakturen mit ausgeprägten Defekten, vorbestehender Gonarthrose oder fehlender Möglichkeit zur Teilbelastung. Die frühzeitige Mobilisierung ist bei geriatrischen Patientinnen und Patienten essenziell. Beide Verfahren bergen spezifische Risiken, die bei der Therapiewahl sorgfältig abgewogen werden müssen. Eine präzise operative Planung und sorgfältige Patientenselektion sind entscheidend, um optimale funktionelle Ergebnisse zu erzielen.
Summary: Geriatric tibial plateau fractures pose a significant challenge due to osteoporosis, fragile soft tissues, and multimorbidity. While open reduction and internal fixation remains the gold standard, primary arthroplasty offers a promising alternative for complex fractures with severe defects, pre-existing osteoarthritis, or the inability to comply with partial weight-bearing. Early mobilization is crucial, especially for geriatric patients. Both procedures involve specific risks that must be carefully weighed when selecting the appropriate therapy. Precise surgical planning and thorough patient selection are essential for achieving optimal functional outcomes.
Zusammenfassung: Die zunehmende Lebenserwartung und der demografische Wandel in vielen Industrieländern führen seit Jahren zu einer stetig wachsenden Bevölkerung älterer Menschen. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf das Gesundheitswesen, insbesondere im Bereich der Unfallchirurgie und Notfallmedizin. Das geriatrische Polytrauma, definiert als multiple schwere Verletzungen bei geriatrischen Patientinnen und Patienten, stellt eine besondere Herausforderung dar, da es komplexe klinische Szenarien mit hohen Mortalitäts- und Morbiditätsraten verbindet. Dieser Artikel beleuchtet anhand eines innerklinischen Fallbeispiels Definitionen, epidemiologische Aspekte, sowie spezifische Herausforderungen in der Behandlung geriatrischer Polytraumata. Ebenso sollen mögliche Therapieoptionen und Behandlungsstrategien bei etwaigen Komplikationen geriatrischer Patientinnen und Patienten in Verbindung mit einem Polytrauma herausgearbeitet werden.
Summary: The increasing life expectancy and demographic changes in many industrialized countries have led to a steadily growing population of older individuals over the past years. This has significant implications for healthcare, particularly in the fields of trauma surgery and emergency medicine. Geriatric polytrauma, defined as multiple severe injuries in geriatric patients, presents a particular challenge as it combines complex clinical scenarios with high mortality and morbidity rates. This article examines, using an intra-clinical case study, definitions, epidemiological aspects, as well as specific challenges in the treatment of geriatric polytrauma. It also explores potential therapeutic options and treatment strategies in the case of complications in geriatric patients with polytrauma.
Zusammenfassung:Die Zahl kindlicher und jugendlicher Verletzungen des vorderen Kreuzbands (VKB) hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Behandlung stellt unter anderem aufgrund individueller anatomischer Voraussetzungen, des anhaltenden Wachstums und unterschiedlicher Therapieoptionen eine große Herausforderung dar. Bislang fehlen weitgehend belastbare wissenschaftliche Grundlagen und einheitliche Behandlungsempfehlungen. Vor diesem Hintergrund wurde 2013 auf Initiation der europäischen Gesellschaft für Sporttraumatologie, Kniechirurgie und Arthroskopie (European Society of Sports Traumatology, Knee Surgery Arthroscopy, ESSKA) die Initiative zur Erfassung von Verletzungen des vorderen Kreuzbandes bei Kindern und Jugendlichen (Paediatric Anterior Cruciate Ligament Monitoring Initiative, PAMI) geformt. Das übergeordnete Ziel des Projekts ist der Aufbau einer evidenzbasierten Grundlage für die Behandlung von VKB-Verletzungen im Kindes- und Jugendalter sowie die Entwicklung internationaler Leitlinien. Das Projekt ist als multizentrische, langfristige Beobachtungsstudie angelegt. Kinder und Jugendliche mit traumatischer VKB-Ruptur im Alter von 6–17 Jahren werden unabhängig von der gewählten Therapie (operativ oder konservativ) über einen geplanten Zeitraum von 30 Jahren nachbeobachtet. Das PAMI-Projekt ist somit eine der wenigen internationalen Datenbanken zu VKB-Verletzungen im Kindes- und Jugendalter, die sowohl konservative als auch operative Verfahren abbildet. Neben Patienten- und Verletzungsdaten werden klinische Untersuchungsbefunde, Angaben zur Therapie sowie patientenberichtete Ergebnisse im Verlauf erhoben. Bis Juni 2025 wurden 361 Patientinnen und Patienten aus 7europäischen Einrichtungen eingeschlossen. Insgesamt leistet das PAMI-Projekt einen wichtigen Beitrag zur besseren Versorgung kindlicher VKB-Verletzungen. Es schafft ein europäisches Netzwerk zur Erhebung valider Langzeitdaten und fördert den internationalen Austausch.
Abstract: In recent years, the incidence of anterior cruciate ligament (ACL) injuries in children and adolescents has increased significantly. Managing these injuries presents considerable clinical challenges, due to individual anatomical variation, ongoing skeletal growth, and the broad spectrum of available treatment options inter alia. However, high-quality scientific evidence and standardized treatment guidelines for this patient population remain largely insufficient. To address this gap, the Paediatric Anterior Cruciate Ligament Monitoring Initiative (PAMI) was established in 2013 as initiative of the European Society of Sports Traumatology, Knee Surgery Arthroscopy (ESSKA). The primary objective of the PAMI is to build an evidence-based platform for the diagnosis and management of pediatric ACL injuries and to support the development of international clinical guidelines. The PAMI is designed as a multicenter, long-term observational study. It includes children and adolescents aged 6–17 years with traumatic ACL ruptures, regardless of whether they undergo surgical or conservative treatment. Participants are followed over a planned period of 30years, with data collected prospectively. PAMI is one of the few international registries that comprehensively captures both operative and non-operative management strategies for ACL injuries in skeletally immature patients. Data collection includes patient demographics, injury characteristics, clinical examination findings, treatment details, and longitudinal patient-reported outcome measures. Up to June 2025, 361 patients have been enrolled across seven participating centers in Europe. The PAMI project represents a major step forward in improving the care of pediatric ACL injuries. By establishing a collaborative European network and generating validated long-term clinical data, PAMI not only contributes to a deeper understanding of injury mechanisms and outcomes but also fosters international collaboration aimed at standardizing and optimizing treatment approaches for this vulnerable patient group.
Zusammenfassung: Ein Kompartmentsyndrom des Fußes ist ein chirurgischer Notfall, meist im Rahmen von high energy-Verletzungen mit Mittelfuß- und Calcaneusfrakturen vergesellschaftet und sollte nicht übersehen werden. Die klinischen Zeichen sind variabel – Schmerzen, Schwellung, eine gespannte, glänzende Haut, im weiteren Verlauf Spannungsblasen und sensomotorische Defizite bei meist erhaltenen peripheren Pulsen. Die klinische Diagnose kann durch eine Messung des intrakompartimentellen Druckes ergänzt werden, die Indikation zur Dermatofasziotomie sollte großzügig gestellt werden, ab 25 mmHg oder Differenz des Kompartmentdruckes 10–30mmHg zum diastolischen Blutdruckwert aufgrund der geringen Toleranz der kurzen Fußbinnenmuskulatur gegenüber einem erhöhten Druck. Eine frühzeitige Fasziotomie kann im Verlauf zu einer geringeren Morbidität und besserem Outcome führen. An Folgen können neurologische Defizite und Fehlstellungen auftreten.
Abstract: A compartment syndrome of the foot is a surgical emergency and should not be overlooked, most often associated with high-energy injuries involving midfoot and calcaneal fractures, Clinical signs are variable and include pain, swelling, tense and shiny skin, and in later stages, tense blisters and sensorimotor deficits, usually with preserved peripheral pulses. The clinical diagnosis can be supplemented by measurement of intracompartmental pressure. The indication for dermatofasciotomy should be made liberally – at pressures of 25mmHg or a compartment pressure difference of 10–30 mmHg compared to diastolic blood pressure – due to the low tolerance of the short intrinsic foot muscles to increased pressure. Early fasciotomy can lead to lower morbidity and better outcomes. Possible consequences of delayed treatment include neurological deficits and deformities.
Zusammenfassung: Die Omarthrose zeigt ein vielschichtiges klinisches Bild. Die Therapiemöglichkeiten sind nicht minder vielfältig. Je nach den erhobenen Befunden zeigen rein arthroskopische gelenkerhaltende Therapieoptionen u./o. konservative Möglichkeiten sehr gute Ergebnisse. Hierbei bedarf die/der Arthrosepatientin/-patient einer individuellen Abwägung der gelenkerhaltenden Operation oder eines Gelenkersatzes. Aktuell anerkannte Verfahren wie die arthroskopische CAM (Comprehensive Arthroscopic Management)- Prozedur an der Schulter sind anspruchsvoll und bedürfen ein differenziertes, individuell ausgerichtetes Vorgehen. Für diese gelenkerhaltenden Verfahren gilt, je früher, desto besser. Ein Herauszögern schmälert die Ergebnisse dieser Operationen. Der frühe korrigierende Eingriff in Kombination mit einer konservativen, individuell ausgerichteten Therapie ist für viele Patientinnen und Patienten das am ehesten erfolgreiche Konzept.
Summary: Omarthrosis has a complex clinical appearance. Therapy options are no less diverse. Depending on the clinical appearance, arthroscopic joint-preserving treatment possibilities and/or conservative options show very good results. The shoulder osteoarthritis patient requires an individual consideration of a joint-preserving operation or a joint replacement. Currently recognized concepts such as the arthroscopic CAM (Comprehensive Arthroscopic Management) procedure on the shoulder are demanding and require a differentiated and individual approach. The principle applying to these joint-preserving procedures is: the sooner the better. A delayed treatment diminishes the surgical results. An early corrective intervention in combination with a customized conservative therapy is the most successful concept for many patients.
Zusammenfassung: Lisfranc-Verletzungen, also Läsionen mit Instabilität im Bereich der tarsometatarsalen Gelenklinie, stellen in vielerlei Hinsicht eine große Herausforderung dar. Sie treten vergleichsweise selten auf und reichen von isolierten Bandverletzungen im Rahmen von niedrig energetischen Traumen, welche initial leicht übersehen werden können, bis hin zu hochkomplexen offenen Luxationsfrakturen mit Begleitverletzungen nach Hochrasanztrauma. Um Lisfranc-Verletzungen adäquat erkennen und eine geeignete Therapiestrategie entwickeln zu können, ist ein differenziertes diagnostisches Vorgehen erforderlich. Die meisten Lisfranc-Verletzungen müssen operativ behandelt werden, wobei die frühzeitige Diagnosesicherung und anatomische Reposition der Verletzung entscheidend für die Prognose sind.
Summary: Lisfranc injuries, referring to lesions in the tarsometatarsal joint line, present a significant challenge in many respects. They are relatively rare and range from isolated ligament injuries from low-energy trauma, which are initially easily overlooked, to highly complex open dislocation fractures with accompanying injuries due to high-energy trauma. To adequately recognize Lisfranc injuries and develop an appropriate treatment strategy, a differentiated diagnostic approach is required. Most of these injuries necessitate surgical intervention, with early diagnosis and anatomical reduction being crucial for the prognosis.
Zusammenfassung: Bei der anatomischen Schulterendoprothese gilt es vor allem, an die Gefahr der späteren Glenoidlockerung zu denken. Dies gilt vor allem für die Versorgung jüngerer Patientinnen und Patienten mit Early-Onset-Arthrose. Dazu wurden in der Vergangenheit multiple Verankerungskonzepte vorgestellt, teilweise aber mit deutlich schlechteren Ergebnissen als bei herkömmlichen zementierten Polyethylenen. Moderne konvertierbare Implantate mit einem „Full-metal“ Glenoid und trabekulärer, metallischer Verzapfung sind sehr vielversprechend und scheinen gegenüber zementierten Polyethylen-Pfannen deutliche Vorteile zu bieten. Insbesondere bei starker Retroversion und bikonkavem Glenoid (B2) können sie die Augmentation des Defektes vereinfachen. Zur präzisen Komponentenplatzierung und bei Fällen mit knöcherner Korrektur wird eine präoperative 3D-Planung dringend empfohlen.
Summary: In anatomical shoulder arthroplasty, it is important to consider the risk of subsequent glenoid loosening. This applies particularly to the treatment of younger patients with Early-Onset-Osteoarthritis. Multiple anchoring concepts have been used in the past; however, some with poorer results than those with cemented polyethylenes. Modern, convertible implants with a “full-metal” glenoid and trabecular, metallic pegs seem promising and appear to have advantages over conventional systems with a cemented polyethylene. They can simplify bony augmentation of a glenoid defect, particularly in severe retroversion or biconcave glenoids (B2). Preoperative 3D-planning is strongly recommended to aid the surgeon in component placement and for augmentation purposes.