Editorial - OUP 04/2025
Editorial
Fuß- und Sprunggelenk
Liebe Leserinnen und Leser,
die Fußchirurgie steht wie kaum ein anderes Teilgebiet von Orthopädie und Unfallchirurgie beispielhaft für die Herausforderung, anatomische Komplexität, funktionelle Relevanz und hohe Alltagsbelastung miteinander in Einklang zu bringen. Während die letzten Jahrzehnte eine zunehmende Spezialisierung und Optimierung der diagnostischen Versorgung ermöglicht haben, sind es heute insbesondere neue Therapiekonzepte, minimalinvasive Techniken und individualisierte Ansätze, die das Fach dynamisch weiterentwickeln.
Im Bereich der Traumatologie des Fußes hat sich der therapeutische Standard deutlich gewandelt. Frakturversorgung erfolgt heute differenzierter denn je – während manche Verletzungen zunehmend konservativ behandelt werden, profitieren andere von präziser operativer Rekonstruktion mit schneller Mobilisation. Evidenzbasierte Entscheidungen und patientenzentrierte Therapieverfahren rücken in den Fokus, gestützt durch biomechanische Erkenntnisse, moderne intraoperative Bildgebung und minimalinvasive Technik.
In dieser Ausgabe haben wir bewusst seltene, aber dennoch relevante Verletzungen wie die Läsion des Lisfranc-Gelenkes oder das Kompartmentsyndrom des Fußes in den Fokus gerückt. Die Beiträge von Frau Dr. Lenz und von Frau Prof. Dr. Ochmann geben dabei einen hervorragenden Überblick über die Versorgung von Läsionen, mit welchen Unfallchirurginnen und Unfallchirurgen nicht regelmäßig konfrontiert werden.
Aktuelle Entwicklungen in der elektiven Fußchirurgie zeigen, dass etablierte Verfahren kritisch hinterfragt und durch neue evidenzbasierte Strategien ergänzt werden. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für funktionelle Ergebnisse und langfristige Lebensqualitätsaspekte, die über die radiologische Konsolidierung hinausgehen.
Diese Ausgabe widmet sich ganz gezielt auch häufigen Erkrankungen wie der Osteochondrosis dissecans des Sprunggelenkes, dem Hallux valgus und der Metatarsalgie, zu welchen es mittlerweile sehr umfangreiche klinische Evidenz gibt. Die jeweiligen Kapitelautorinnen und -autoren, Frau Prof. Dr. Ettinger, Frau Dr. Diener und Herr Dr. Dohle haben dabei unter Berücksichtigung ihrer persönlichen hohen Expertise und dem aktuell vorhandenem Wissen sehr detailliert konservative Alternativen, operative Innovationen und praxisnahe Algorithmen dargestellt.
Außerhalb der Fußthematik findet sich eine Studie von Herrn PD Jens Richter zu vorderen Kreuzbandverletzungen in den europäischen und mittelamerikanischen Profiligen. Die Erkenntnisse sind für das Verständnis der Verletzung in den unterschiedlichen Spielerpositionen, für Präventionsprogramme und individuelle Trainingsmaßnahmen relevant.
Unser Ziel ist es, die Leserinnen und Leser nicht nur über neue Methoden zu informieren, sondern den Diskurs über die bestmögliche nachhaltige Versorgung unserer Patientinnen und Patienten zu führen. Denn so wie der Fuß das Fundament unseres Bewegungsapparates bildet, sollten auch unsere Behandlungsstrategien auf einer soliden Basis aus Wissen, Erfahrung und Innovation ruhen.
Viel Freude beim Lesen.
Ihr
Steffen Ruchholtz
Prof. Dr. med. Steffen Ruchholtz
Zentrum für Orthopädie
und Unfallchirurgie
Universitätsklinikum Gießen und
Marburg GmbH,
Standort Marburg
Prof. Dr. med.
Lars Victor von Engelhardt
Klinik für Unfallchirurgie,
Orthopädie und Sportmedizin
am Klinikum Peine &
Universität Witten/Herdecke
Hauptschriftleiter OUP
Artikelinformation
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