Kindertraumatologie – Kinder sind keine kleinen Erwachsenen
Unfälle gelten in Deutschland bereits ab dem ersten Lebensjahr als die häufigste Todesursache im Kindesalter. Gleichzeitig zeigen sich Verletzungsmuster, Unfallmechanismen und Heilungsverläufe bei Kindern und Jugendlichen, die sich grundlegend von denen Erwachsener unterscheiden. Mögliche Spätfolgen im Erwachsenenalter reichen von Wachstumsstörungen, Fehlstellungen und Instabilitäten bis hin zu Einsteifungen und Arthrosen betroffener Gelenke. Im Rahmen der Primärbehandlung ist es von großem Wert, potenzielle Spätfolgen vorausschauend zu kennen und die therapeutischen Optionen entsprechend einzuschätzen. Die Kindertraumatologie ist daher ein ganzheitliches Fachgebiet, in dem Kenntnisse der Erwachsenenmedizin ebenso erforderlich sind wie eine spezifische kindertraumatologische Expertise. Sie zählt zu den Kernkompetenzen der Unfallchirurgie und nimmt innerhalb unseres Fachgebiets einen besonderen Stellenwert ein. Dies geht deutlich über eine bloße Adaption von Behandlungskonzepten für Erwachsene hinaus und erfordert Erfahrung, fachliche Expertise und Einfühlungsvermögen.
Eine kindgerechte traumatologische Versorgung verlangt professionelle Strukturen, interdisziplinäre Teams und abgestimmte Versorgungspfade – vom Rettungsdienst über die Notaufnahme bis hin zur Rehabilitation. Neben der unfallchirurgischen fachlichen Kompetenz sind eine altersgerechte Kommunikation sowie die konsequente Einbeziehung der Eltern entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und den Behandlungserfolg junger Patientinnen und Patienten zu sichern. Der therapeutische Erfolg hängt somit nicht allein von der technischen Qualität der Behandlung ab, sondern ebenso vom Verständnis der besonderen Bedürfnisse im Kindes- und Jugendalter. Gerade im Spannungsfeld von Personalmangel und zunehmender Ökonomisierung bleibt es unser gemeinsames Ziel, die kindertraumatologische Versorgung auf höchstem fachlichem und menschlichem Niveau zu gewährleisten.
Orientierung bieten kindertraumatologische Leitlinien, unter anderem zur Bildgebung und zu Verletzungen der oberen und unteren Extremitäten. Sie formulieren die Grundpfeiler einer modernen, evidenzbasierten Versorgung: eine indikationsgerechte Diagnostik, operative und konservative Therapiestrategien, konsequenter Strahlenschutz sowie eine alters- und wachstumsgerechte Nachsorge mit besonderem Augenmerk auf Funktion und Entwicklung.
Zentrale Säulen einer sicheren Versorgung bilden die Traumanetzwerke der DGU. Sie bieten strukturierte Prozesse, Simulationstrainings und interdisziplinäre Fortbildungsangebote, sichern Qualität und fördern den Wissenstransfer sowie die Implementierung aktueller Leitlinien in den klinischen Alltag.
Das vorliegende Themenheft widmet sich zentralen Fragestellungen und aktuellen Entwicklungen der Kindertraumatologie. Es beleuchtet die besonderen Anforderungen an die Bildgebung, typische Verletzungsmuster des wachsenden Skeletts sowie seltenere und komplexe Verletzungen, etwa der Wirbelsäule oder des kraniozervikalen Übergangs. Auch die Versorgung polytraumatisierter Kinder sowie Spätfolgen und sekundäre Deformitäten werden thematisiert.
Die Beiträge dieses Heftes verdeutlichen, dass Kindertraumatologie weit mehr ist als „Erwachsenentraumatologie in klein“. Sie vereint präzise Diagnostik, individualisierte Therapie und menschliche Zuwendung. Dieses Themenheft soll dazu beitragen, das Bewusstsein für die besonderen Anforderungen weiter zu schärfen und die Versorgung nachhaltig zu verbessern. Wir kümmern uns um die Kleinsten – sie sind unsere Zukunft.
Wir danken den Autorinnen und Autoren für ihre wertvollen Beiträge und wünschen eine anregende Lektüre.
Ihr
Mario Perl und Lars Victor von Engelhardt
Univ.-Prof. Dr. med. Mario Perl, MHBA
Unfallchirurgische und
Orthopädische Klinik
Universitätsklinikum Erlangen
Lehrstuhl für Unfallchirurgie &
Orthopädie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Prof. Dr. med.
Lars Victor von Engelhardt
Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sportmedizin am Klinikum Peine &
mit diesem Schwerpunktheft widmen wir uns zentralen Krankheitsbildern und therapeutischen Herausforderungen der Handchirurgie und angrenzender Fachgebiete. Die Hand als hochkomplexes Funktionsorgan spielt für Selbstständigkeit, berufliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten eine entscheidende Rolle. Entsprechend erfordert ihre Behandlung eine präzise Diagnostik, interdisziplinäres Denken und individuell abgestimmte Therapiekonzepte.
Den Auftakt bildet der Übersichtsbeitrag zum Morbus Dupuytren von Mada et al. Die Autoren stellen die pathogenetischen Grundlagen, genetischen Einflussfaktoren sowie konservative, minimalinvasive und operative Therapieoptionen systematisch dar. Neben der etablierten partiellen Aponeurektomie werden moderne Behandlungsstrategien kritisch eingeordnet und praxisnah bewertet.
Im zweiten Beitrag widmen sich Pulido et al. der Rhizarthrose als einer der häufigsten degenerativen Erkrankungen der Hand. Neben der besonderen funktionellen Bedeutung des Daumensattelgelenkes werden Diagnostik, konservative Therapieansätze sowie operative Verfahren dargestellt. Hervorgehoben wird dabei die Bedeutung der gemeinsamen Entscheidungsfindung unter Berücksichtigung von Alter, Aktivitätsniveau und individuellen Erwartungen der Betroffenen.
Häufige knöcherne Verletzungen der Hand und des Handgelenks stehen im Mittelpunkt des dritten Beitrags von Koehl et al. Die Autoren zeigen die hohe epidemiologische Relevanz von Frakturen auf und betonen die Bedeutung einer strukturierten Anamnese, sorgfältigen klinischen Untersuchung und differenzierten Bildgebung. Besonderes Augenmerk gilt der adäquaten Nachsorge, um Funktionseinschränkungen und Komplikationen zu vermeiden.
Der vierte Beitrag von Heers und Hassel befasst sich mit dem endoprothetischen Gelenkersatz bei Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis. Vor dem Hintergrund verbesserter medikamentöser Therapien werden aktuelle Indikationen, technische Entwicklungen und Langzeitergebnisse kritisch beleuchtet. Während moderne Handgelenksprothesen zunehmend eine Alternative zur Arthrodese darstellen, bleibt bei vielen Fingergelenken weiterhin die Fusion der verlässlichste Behandlungsstandard.
Ein besonderes klinisches und therapeutisches Spannungsfeld stellt das komplexe regionale Schmerzsyndrom Typ I der oberen Extremität dar. Thoma-Jennerwein und Thoma geben in ihrem Beitrag eine fundierte Übersicht zur Diagnostik anhand der Budapest-Kriterien und zu evidenzbasierten Therapieansätzen. Die Bedeutung eines frühzeitigen, multimodalen und biopsychosozial ausgerichteten Behandlungskonzepts wird eindrücklich herausgestellt.
Schuh und Koehl widmen sich der extrakorporalen Stoßwellentherapie bei Erkrankungen der Hand. Neben den physikalischen Grundlagen und Wirkmechanismen werden Indikationen, Evidenzlage und klinische Einsatzmöglichkeiten dargestellt. Die ESWT erweist sich dabei als zunehmend relevante nichtinvasive Therapieoption in verschiedenen handchirurgischen Krankheitsbildern.
Dieses Schwerpunktheft verdeutlicht einmal mehr, wie breit gefächert, anspruchsvoll und dynamisch das Feld der Handchirurgie ist. Nur durch fundiertes Fachwissen, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine patientenzentrierte Entscheidungsfindung lassen sich nachhaltige Behandlungserfolge erzielen.
Wir danken allen Autorinnen und Autoren herzlich für ihre hochwertigen, praxisnahen und wissenschaftlich fundierten Beiträge.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre,
Ihr
Prof. Dr. med. Achim Benditz
Prof. Dr. med. Achim Benditz
Klinik für Orthopädie und
Unfallchirurgie
Klinikum Fichtelgebirge, Marktredwitz
Prof. Dr. med.
Lars Victor von Engelhardt
Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sportmedizin am Klinikum Peine &
auf Kongressen, in Workshops und in der Literatur erleben wir zum Thema Patellofemoralgelenk eine große Vielfalt an Herangehensweisen und insb. eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Patientinnen und Patienten mit patellofemoralen Beschwerden stellen dabei oft klinisch komplexe Fälle dar. Die Beschwerden entstehen selten durch ein einzelnes Problem, sondern vielmehr durch ein Zusammenspiel unterschiedlicher knöcherner, muskulärer und funktioneller Faktoren. Jede Patientin und jeder Patient weist somit ein individuelles Risikoprofil auf. Je besser wir diese Zusammenhänge verstehen, desto eher gelingt es, gemeinsam mit den Betroffenen nachhaltige Behandlungsstrategien zu entwickeln. Dabei ist die klinische Erfahrung sowohl für die differenzierte Beurteilung als auch für die vielfältigen, oft komplexen Therapieoptionen von Bedeutung. Mit diesem Themenheft möchten wir Ihnen neue Einblicke in die Diagnostik und Therapie von Pathologien des Patellofemoralgelenks geben.
Grundlage einer erfolgreichen Beratung zu konservativen und operativen Optionen ist die differenzierte Analyse der Pathomechanismen. Der Beitrag von Erhan Basad zeigt klar und verständlich, wie durch die Kombination aus klinischer Untersuchung und Bildgebung individuelle, ursachenorientierte Therapiestrategien entwickelt werden können.
Der Artikel von Julius Wehrmann, Steffen Ubl und Thomas Pfeiffer baut hierauf auf und überführt die strukturierte Diagnostik in ein risikoadaptiertes Therapiekonzept. Dies ermöglicht eine fundierte Entscheidung zwischen konservativer Therapie, MPFL-Rekonstruktion und kombinierten Verfahren. Dabei wird auch die hohe Bedeutung knöcherner Risikofaktoren, insb. der Trochleadysplasie, der Patella alta sowie von Achs- und Torsionsfehlstellungen hervorgehoben.
In einem eigenen Beitrag werden neben konservativen Therapieansätzen auch unsere Technik einer ankerfreien, ausbalancierten Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligaments (MPFL) beschrieben. Ein weiterer Artikel zeigt, wie durch die Kombination aus Trochleaplastik und MPFL-Rekonstruktion bei einer symptomatischen Trochleadysplasie gute Ergebnisse erzielt werden können. Darüber hinaus wird dargestellt, inwiefern die Konzepte der Trochleaplastik auch beim patellofemoralen Gelenkersatz eine Rolle spielen und warum dies zu verbesserten Ergebnissen beitragen kann. In beiden Beiträgen stellen wir zudem unsere Ansätze für eine schnelle und erfolgreiche Rehabilitation dar.
Hervorzuheben ist der Artikel von Manfred Nelitz, der sich mit wichtigen Grenzindikationen der Trochleaplastik wie fortgeschrittenen Knorpelschäden und offenen Wachstumsfugen auseinandersetzt. Bei offenen Fugen und ausgeprägten Dysplasien ist zwischen dem Risiko fortschreitender Gelenkschäden und möglichen Auswirkungen der operativen Korrektur abzuwägen. Da innerhalb von etwa 2 Jahren vor dem erwarteten Wachstumsabschluss nach einer Trochleaplastik keine Wachstumsstörungen beobachtet wurden, hat sich die Altersuntergrenze bei entsprechenden Fällen nach unten verschoben.
Ebenso wertvoll ist der Beitrag von Conrad Ketzer, Jonas Pogorzelski, Marco Rupp und Peter Biberthaler zum patellofemoralen Gelenkersatz. Hier wird differenziert dargestellt, wie mit einer präzisen Diagnostik, einer individuellen Versorgung und ggf. ergänzenden Korrektureingriffen gute Ergebnisse erzielt werden können. Die patellofemorale Prothese kann dabei nicht nur Schmerzen reduzieren, sondern auch Funktion und sportliche Aktivität nachhaltig verbessern.
Alle Beiträge liefern wertvolle Impulse für unsere klinische Entscheidungsfindung. Ich danke allen Autorinnen und Autoren herzlich für ihre engagierten und fundierten Beiträge und wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Über Rückmeldungen und Anregungen – beispielsweise in Form von Leserbriefen an die E-Mail-Adresse info@vsou.de – freuen wir uns sehr.
Das Schriftleiterteam und die Redaktion der OUP freuen sich darauf, Sie bei unserer diesjährigen VSOU-Jahrestagung in Baden-Baden zu sehen.
Revisionseingriffe zwischen Analyse, Rekonstruktion und Neubeginn
Die Schulter ist das beweglichste Gelenk unseres Körpers. Sie ist weniger ein Kraftgelenk als vielmehr ein Positionierungsgelenk für die Hand. Bildlich gesprochen ist sie der Kran, der unser wichtigstes Werkzeug an nahezu jede Stelle des dreidimensionalen Arbeitsraums bringt. Ist dieser „Kran“ gestört, verliert selbst eine gesunde Hand einen erheblichen Teil ihres praktischen Nutzens.
Der daraus resultierende Funktionsverlust ist häufig größer, als es die anatomische Größe des Gelenks vermuten lässt. Schultererkrankungen beeinträchtigen Alltag, Berufsleben und das mentale Befinden unserer Patientinnen und Patienten in einem besonderem Maße. Auch gesundheitsökonomisch haben Schultererkrankungen eine erhebliche Bedeutung. Sie zählen zu den kostenintensiven Störungen des Bewegungsapparats, nicht zuletzt aufgrund der beträchtlichen indirekten Kosten durch Arbeitsausfall und Produktivitätsverlust.
Vor diesem Hintergrund kommt der chirurgischen Versorgung von Schultererkrankungen und -verletzungen eine medizinisch wie gesellschaftlich besondere Bedeutung zu. Arthroskopische Rekonstruktionen der Rotatorenmanschette, die operative Versorgung von Frakturen sowie anatomische und inverse Schulterprothesen gehören heute zum festen Repertoire der modernen Schulterchirurgie. Viele dieser Eingriffe sind standardisiert, wissenschaftlich gut untersucht und zählen in erfahrenen Händen zur täglichen Routine.
Gerade deshalb lohnt es sich, den Blick bewusst auf das Scheitern zu richten. Das vorliegende Themenheft fragt nach den Ursachen fehlgeschlagener Eingriffe, nach den Möglichkeiten rekonstruktiver Korrektur und nach den Lehren, die sich daraus für die Primärversorgung ziehen lassen. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie misslungene Behandlungen erfolgreich korrigiert und die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden können.
Die Autoren dieses Themenheftes nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Wir starten mit Wegen zur operativen Versorgung komplexer Glenoiddefekte nach gescheiterter inverser Prothese dar – ein Thema, das angesichts zunehmender Revisionszahlen leider unaufhaltsam weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Peter Raab, Sebastian Siebenlist und Lucca Lacheta aus München widmen sich mit der Rotatorenmanschettennaht einem weiteren häufigen Eingriff in der Schulterchirurgie. Sie erläutern, warum eine Naht misslingen kann, und stellen Strategien für deren Revision vor.
Jörn Kircher analysiert die Gründe für das Scheitern anatomischer Schulterprothesen und zeigt zugleich, wie Implantationsfehler vermieden werden können.
Thorsten Gühring und Luis Navas befassen sich mit gescheiterten Fraktur-
osteosynthesen – häufig sehr anspruchsvollen Revisionseingriffen mit hoher praktischer Relevanz.
Schließlich widmen wir uns der sehr häufigen sekundären Schultersteife. Meist findet sich dies nach diversen arthroskopischen und offenen Operationen, aber auch in Folge von Verletzungen oder im Rahmen einer zugrunde liegenden Erkrankung. Hat man die Vielzahl an individuellen Konzepten zur Hand, finden sich meist sehr gute Ergebnisse.
Die Beiträge verdeutlichen, dass operative Eingriffe in der Schulterchirurgie nicht allein deshalb zum Erfolg führen, weil sie häufig durchgeführt werden oder ihre Methoden standardisiert sind. Entscheidend bleiben eine präzise Diagnostik, eine sorgfältige Indikationsstellung und eine individualisierte, vor allem aber maßvolle operative Therapie. Dieses Themenheft soll dazu beitragen, das Bewusstsein für die besonderen Anforderungen der Revisionschirurgie des Schultergelenks zu schärfen und die Versorgung nachhaltig zu verbessern.
Wir danken den Autoren für ihre wertvollen Beiträge und wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.
Robert Hudek & Lars Victor von Engelhardt
Priv.-Doz. Dr. med. Robert Hudek
Sektion Schulter- und
Ellenbogenchirurgie
ATOS Klinik Fleetinsel Hamburg
Prof. Dr. med.
Lars Victor von Engelhardt
Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sportmedizin am Klinikum Peine &
„Den, der sår godhed, høster mindernes glæde.“ – Wer Gutes sät, erntet die Freude der Erinnerungen.
Dänisches Sprichwort
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Jürgen Bluhme-Rasmussen, der am 31. Dezember 2025 im Alter von 63 Jahren in Köln viel zu früh verstorben ist. Sein Tod hinterlässt eine Lücke – menschlich wie fachlich.
Geboren am 5. April 1962 in Köln, studierte Jürgen Bluhme-Rasmussen Pharmazie in Bonn und arbeitete über zehn Jahre als Apotheker in der Kölner Innenstadt. Seine Neugier und sein Interesse an wissenschaftlichen Zusammenhängen führten ihn im Jahr 2005 zum Deutschen Ärzteverlag. Dort entwickelte er sich vom Praktikanten zum Fachredakteur Medizin und später zum Leiter des Content Managements.
Seit Anfang 2021 betreute er die OUP und prägte ihre Entwicklung maßgeblich mit.
Als Halb-Däne fühlte sich Jürgen Bluhme-Rasmussen zeitlebens eng mit Dänemark verbunden. Vieles von dem, was man mit der dänischen Lebensart verbindet, spiegelte sich in seinem Wesen wider: Geradlinigkeit, Aufrichtigkeit, tiefes Vertrauen und eine wohltuende Gelassenheit. Er begegnete anderen mit Respekt und Offenheit und blieb dabei stets angenehm unaufgeregt. Gerne würdigte er Leistungen und stärkte andere, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Mit viel Taktgefühl ließ er Freiräume und ermutigte zu eigenständigen Entscheidungen – oft schloss er seine Nachrichten mit den schlichten Worten: „Entscheiden Sie.“ Darin lag nicht Distanz, sondern Vertrauen. Probleme betrachtete er nicht als Hindernis, sondern als gemeinsame Aufgabe. Ideen und Weiterentwicklungen nahm er dankbar auf und suchte mit Beharrlichkeit nach guten Lösungen. So schuf er eine Atmosphäre des Vertrauens, des Respekts sowie des Vorankommens, die die Zusammenarbeit in der OUP und im Deutschen Ärzteverlag nachhaltig geprägt hat.
Er war für uns ein kluger, verbindlicher und feinsinniger Wegbegleiter. Sein Wort hatte Gewicht, sein Urteil wurde geschätzt. Im täglichen Miteinander waren es oft die kleinen Dinge, die ihn besonders machten: seine ruhige Stimme, seine präzise und zugleich freundliche Sprache, sein feiner Humor im richtigen Moment. Mit einem Augenzwinkern oder einer lustigen Bemerkung konnte er Situationen entkrampfen und Problemen ihre Schwere nehmen.
Neben seinem beruflichen Engagement war Jürgen Bluhme-Rasmussen ein vielseitig interessierter Mensch. Er liebte die Literatur, die klassische Musik, die Oper, das Wandern und die Natur.
Mit Jürgen Bluhme-Rasmussen verlieren wir einen besonderen Menschen, Kollegen und Freund. Was bleibt, sind Dankbarkeit und wertvolle Erinnerungen.
Prof. Dr. med. Lars Victor von Engelhardt &
Dr. med. Bodo Kretschmann
für das Team der Schriftleiter,
das Verlagsteam und der VSOU
Mit tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. med. Wolfgang Fritz Beyer, der am 31. März 2026 verstorben ist. Mit ihm verliert die Deutsche Orthopädie und Unfallchirurgie einen ihrer prägendsten Vertreter der konservativen, ganzheitlich orientierten Orthopädie und Rehabilitation seiner Generation.
Wolfgang Beyer gehörte zu jenen Menschen, für die Medizin keine Karriere, sondern eine Berufung und Haltung war. „Saubere und ehrlich praktizierte Medizin“ – dieser Satz war für ihn keine Floskel, sondern ein Lebensbekenntnis. Er stand für ein Verständnis von Heilkunde, das den ganzen Menschen in den Blick nimmt. Außerdem sah er beim Schmerz vor allem denjenigen, der damit lebt.
Seine grundlegende Expertise in Anatomie, Pathologie und Pathomorphologie erwarb er sich am Pathologischen Institut des Stadtkrankenhauses Fürth. Er entwickelte ein großes Interesse an wissenschaftlicher Erkenntnis, das ihn als Franken an die Friedrich-Alexander-Universität in die Orthopädische Klinik Erlangen zu Prof. Dietrich Hohmann und Prof. Gerd Weseloh führte. Arthrose und die Knochenhistologie begeisterten ihn. In seiner Habilitationsschrift von 1991 stellte er das damals gängige Modell der subchondralen Sklerosierung als bloße Arthrosefolge grundlegend in Frage – mit dem Mut desjenigen, der nicht publiziert, was erwartet wird, sondern was er für wahr hält.
1992 übernahm er die Ärztliche Leitung einer Rheumaklinik in Bad Füssing, die damals noch im Bau war. Er nahm dieses Wagnis als Einladung: Was man von Grund auf mitkonzipiert, kann man von Grund auf gestalten. Über drei Jahrzehnte formte er das heutige Rehafachzentrum Bad Füssing–Passau zu einer bundesweit anerkannten Einrichtung für orthopädisch-rheumatologische Rehabilitation. Seine Kolleginnen und Kollegen nannten ihn nicht ohne Grund ihren „Gründervater“. Die Stiftungsprofessur für orthopädische und rheumatologische Rehabilitation an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die er 2001 erhielt, war Anerkennung und Auftrag zugleich. Wolfgang Beyer war nicht nur ein Arzt, der nie aufgehört hat, die Medizin zu hinterfragen und neu zu denken, er war auch ein begnadeter Lehrer universitär und im Rahmen zahlreicher Kursformate, vor allem in der Manuellen Medizin. Er lehrte Jahrzehnte am Ärzteseminar Hamm-Boppard der DGMM, die er auch als Vorstandsmitglied mitprägte.
Als einer der ersten deutschen Orthopäden absolvierte er 1992 eine Osteopathieausbildung. Die Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten auf Augenhöhe im Team war ihm ein großes Anliegen. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit: Wenn etwas der Patientin bzw. dem Patienten hilft, gehört es zur Medizin. Als Präsident des Landesverbandes Bayern der Deutschen Rheuma-Liga setzte er sich weit über die Klinik hinaus für Patientinnen und Patienten ein – für Menschen, nicht für Statistiken.
Ein Höhepunkt war die Präsidentschaft für die Vereinigung Süddeutscher Orthopäden, für die er im Jahr 2007 in Baden-Baden einen sehr erfolgreichen Kongress verantwortete, der nachhaltig in Erinnerung blieb.
Der Freistaat Bayern ehrte ihn 2015 für sein Lebenswerk mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Wer Wolfgang Beyer kannte, erinnert sich an seinen außergewöhnlichen klinischen Blick, seine Begeisterungsfähigkeit, seinen Ideenreichtum – und an einen Menschen, der mit Herzlichkeit und Beharrlichkeit Spuren hinterlassen hat. Die Medizin, die er praktizierte und lehrte, lebt weiter in seinen Schülerinnen und Schülern, in den Strukturen, die er aufgebaut hat, und in den vielen Menschen, die durch seine Behandlung wieder Lebensqualität gewannen.
Ich persönlich verliere, wie viele andere auch, nicht nur einen ganz außergewöhnlichen Kollegen und viel geachteten Menschen, sondern auch einen hoch geschätzten Freund. Wir werden Dich sehr vermissen.
Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner geliebten Frau Jutta, seiner Tochter und seinem Sohn und allen Trauernden.
Im Januar 2026 fand meine VSOU-DACH-Hospitationsreise statt, die mir ermöglichte, mehrere renommierte Zentren der Orthopädie und Unfallchirurgie zu besuchen. Die Organisation der Hospitationsreise erfolgte eigenständig. Nach erfolgreicher Abstimmung konnte ich die Reise in die Schweiz antreten, wobei aufgrund einer kurzfristigen Planänderung noch eine Station in Frankreich hinzukam.
Die AFACOT (Verband der deutsch-französischen Orthopäden und Unfallchirurgen, Association Franco-Allemande de Chirurgie de l‘Orthopédie et Traumatologie) hat das Ziel, den wissenschaftlichen, kollegialen und kulturellen Austausch im Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie zu fördern. So können wir voneinander lernen und ein gemeinsames „savoir vivre et savoir faire“ entwickeln.