Informationen aus der Gesellschaft - OUP 02/2026

DACH-Hospitationsstipendium 2025
Eine Hospitationsreise nach Frankreich und in die Schweiz

Im Januar 2026 fand meine VSOU-DACH-Hospitationsreise statt, die mir ermöglichte, mehrere renommierte Zentren der Orthopädie und Unfallchirurgie zu besuchen. Die Organisation der Hospitationsreise erfolgte eigenständig. Nach erfolgreicher Abstimmung konnte ich die Reise in die Schweiz antreten, wobei aufgrund einer kurzfristigen Planänderung noch eine Station in Frankreich hinzukam.

Universitätsklinik Balgrist,
Zürich

Meine erste Station führte mich nach Zürich an die Universitätsklinik Balgrist zu Prof. Karl Wieser. Der OP-Tag war durch zwei parallel laufende Säle geprägt, in denen Prof. Wieser und Dr. Bettina Hochreiter ein äußerst abwechslungsreiches Spektrum abdeckten. Dieses reichte von anatomischer Schultertotalendoprothetik und Revisionsendoprothetik über Schulterarthroskopie bis hin zur Versorgung von Ellenbogenverletzungen (Monteggia-like-Verletzung, Radiuskopffrakturen und ligamentäre Ellenbogeninstabilität). Besonders hervorzuheben waren die exzellente Organisation der Abläufe sowie die sehr enge und reibungslose Zusammenarbeit mit der Anästhesie, die einen hocheffizienten OP-Betrieb ermöglichten.

Praxis ARTHRO Medics &
Merian-Iselin-Klinik, Basel

Im Anschluss hospitierte ich bei Prof. Claudio Rosso in Basel. Ein operatives Highlight war hier die arthroskopisch assistierte Versorgung einer chronischen AC-Gelenksluxation mit Allograftaugmentation, kombiniert mit einer Labrumrefixation, Rekonstruktion der Subscapularissehne und einer subpektoralen Tenodese der langen Bizepssehne. Dieser komplexe Eingriff verdeutlichte eindrucksvoll die Möglichkeiten moderner rekonstruktiver Schulterchirurgie. Abschließend nahm sich Prof. Rosso Zeit für eine Führung durch seine Praxis (ARTHRO Medics) sowie die Merian-Iselin-Klinik, die mit einem gemeinsamen Abendessen im obersten Stockwerk mit Blick über die Stadt Basel und die verschneiten Alpen einen sehr gelungenen Abschluss fand.

Schulthess Klinik, Zürich

Am Mittwoch stand der Besuch der Schulthess Klinik in Zürich bei Prof. Philipp Moroder an. Der Tag begann mit der Frühbesprechung des Schulter- und Ellenbogenteams mit strukturierten Fallvorstellungen. Anschließend ging es in den OP, wo Prof. Moroder gemeinsam mit seinem aktuellen Fellow Dr. Abdelkader Farah Shekhbihi ein abwechslungsreiches Programm durchführte, darunter eine inverse Schultertotalendoprothese und eine akute AC-Gelenksstabilisierung. Das operative Highlight stellte ein Lower-Trapezius-Transfer bei irreparabler posterosuperiorer Rotatorenmanschettenruptur dar. Parallel operierte Prof. Markus Scheibel, der mir die sogenannte „AutoBAHN-Technik“ zur Versorgung einer akuten AC-Gelenksluxation demonstrierte. Abschließend stellte Prof. Moroder mehrere seiner innovativen Studien vor und ging mit mir ausgewählte Vorträge durch, was einen sehr wertvollen Einblick in seine wissenschaftliche und didaktische Arbeit bot.

Hôpital de Morges, Genfer See

Am Donnerstag führte mich die Reise weiter in die französische Schweiz zu Dr. Stefan Bauer nach Morges bei Lausanne, direkt am Genfer See gelegen. Am Morgen stellte er mir ausführlich das OP-Programm vor, das zwei inverse Schulterprothesenimplantationen, einen endoprothetischen Teilwechsel sowie die Versorgung einer Rotatorenmanschettenmassenruptur umfasste. Zwischen den Eingriffen nahm sich Dr. Bauer sehr viel Zeit für den fachlichen Austausch, erläuterte seine persönliche Philosophie in der Schulterchirurgie, zeigte mir interessante klinische Fälle und führte mich durch das Haus. Der offene Dialog, seine Passion für das Fach und der ganzheitliche Blick auf die Behandlungskette waren hierbei besonders bereichernd.

Clinical Générale Annecy

Abschließend führte mich die Reise weiter nach Annecy zu Dr. Thibault Lafosse. Dort erwartete mich ein sehr abwechslungsreiches Programm aus Plexuschirurgie, Endoprothetik und arthroskopischer Schulterchirurgie. Das operative Highlight war die Entfernung eines Schwannoms am Plexus brachialis, bei der Dr. Lafosse seine technischen Fertigkeiten sowie sein anatomisches Verständnis eindrucksvoll demonstrierte. Abgerundet wurde der Tag durch ein gemeinsames Abendessen mit dem gesamten Fellowteam, das den kollegialen und offenen Charakter dieser Hospitation nochmals unterstrich.

An jeder Station konnte ich unterschiedliche fachliche Schwerpunkte kennenlernen und wertvolle Erfahrungen sammeln. Besonders prägend waren die offenen, kollegialen Gespräche, in denen neben Erfolgen auch Grenzen, Komplikationen und individuelle Lösungsstrategien ehrlich thematisiert wurden.

Mein herzlicher Dank gilt allen gastgebenden Kliniken und Ansprechpartnern für die große Offenheit, den intensiven fachlichen Austausch und die hervorragende Betreuung während der Hospitationen. Ein besonderer Dank gilt der VSOU, die diese lehrreiche und inspirierende Reise ermöglicht hat. Eine Bewerbung um dieses Stipendium kann ich jungen Kolleginnen und Kollegen uneingeschränkt empfehlen.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Michael Kimmeyer

Schulter- und Ellenbogenchirurgie

Orthopädisch-Unfallchirurgisches
Zentrum

ViDia Christliche Kliniken Karlsruhe

Theodor-Kutzer-Ufer 1–3

68167 Mannheim

m.kimmeyer@web.de

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