Übersichtsarbeiten - OUP 03/2025

Schaftfreie inverse Schulterendoprothetik
Wo liegen die Vorteile und wie kommen wir zu optimalen Ergebnissen?

Das Stress-Shielding erhöht nicht nur das Lockerungsrisiko mit entsprechenden Revisionen, auch steigt hierdurch das Risiko für intraoperative Komplikationen bei möglichen nachfolgenden Revisionen. Bei der Revision von schaftgeführten Schulterprothesen wurden in 24 % der Fälle intraoperative Frakturen des Humerus beschrieben [1]. Auch ist, unabhängig von dem Knochenabbau, bei den gestielten Prothesen oft eine Schaftfensterung notwendig, so dass nicht selten Langschaftendoprothesen erforderlich werden [1, 14]. Zudem sollte im Hinblick auf die steigende Lebenserwartung und den zunehmenden Aktivitätslevel unserer Patientinnen und Patienten, der nicht gerade seltene Fall einer periprothetischen Fraktur in unsere Überlegungen einfließen. Im klinischen Alltag sehen wir solche Fälle regelmäßig. Die Unterschiede zwischen schaftfreien und konventionellen Endoprothesen sind hier eindrücklich und für die Patientin/den Patienten von erheblicher Konsequenz. Bei periprothetischen Frakturen konventioneller Humerusimplantate finden sich gelegentlich Schäden des im Bereich der Schaftspitze laufenden N. radialis. Vor allem aber sind hier die Revisionsoperation, im Unterschied zu den schaftfreien inversen Prothesen, aufwendig (Abb. 5a, b). Bei den schaftfreien Implantaten liegen periprothetischen Frakturen in den allermeisten Fällen in anatomisch deutlich günstigeren Bereichen und bieten häufig vglw. schonendere Revisionsmöglichkeiten (Abb. 5c, d). Vor dem Hintergrund des deutlich geringeren Knochenverlustes und der Revisionsfreundlichkeit der schaftfreien Prothesen ist daher bei jeder Entscheidung zu einem Implantat auch an den Revisionsfall und an die periprothetischen Frakturen zu denken [24, 35].

Zusammenfassung

Die unterschiedlichen Hersteller schaftfreier Implantate weisen sowohl im Bereich des Metaphysenimplantates als auch im Bereich der am Glenoid eingebrachten Basisplatte erhebliche Unterschiede auf. Auf der anderen Seite vereinen sie viele Vorteile, die im Vergleich zu den schaftgeführten Implantaten erheblich sind. Wir sehen v.a. die Vorteile in der Möglichkeit einer knochensparenden Einbringung, die deutlich physiologischere Knochenbelastung mit dem im Laufe der Jahre nahezu vollständig minimierten Knochenschwund und die exzellenten Möglichkeiten, die Gelenkgeometrie zu optimieren als wesentliche Vorteile der schaftfreien Implantate. Die in unseren Untersuchungen objektivierbare Distalisierung und Medialisierung entspricht den funktionell günstigen Änderungen von Hebelarm und Vorspannung. Dies geht mit entsprechend guten klinischen Ergebnissen einher. In der Zusammenschau finden sich einige Gründe, warum der Einsatz von schaftfreien Prothesen an der Schulter in den meisten Fällen überlegen bzw. gerechtfertigt ist. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die schaftfreie inverse Schulterendoprothetik in den letzten Jahren eine zunehmende Verbreitung findet.

Interessenkonflikte:

Keine angegeben; Aufwandsentschädigungen für Vorträge, Einsätze als Instruktor bei Operations- und Hospitationskursen, dem fachlichen Austausch und Beratungen von den Firmen Corin, Microport, Fx Solutions und Arthrex.
Die Präsentation des Themas ist unabhängig und die Darstellung der Inhalte produktneutral.

Das Literaturverzeichnis zu
diesem Beitrag finden Sie auf:
www.online-oup.de.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med.

Lars Victor von Engelhardt

Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie

und Sportmedizin, Klinikum Peine

Akademisches Lehrkrankenhaus

Virchowstr. 8h

31226 Peine &

Universität Witten/Herdecke

Alfred-Herrhausen-Straße 50

58455 Witten

larsvictor@hotmail.de

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