Übersichtsarbeiten - OUP 05/2025

Therapie dislozierter Avulsionsfrakturen am Becken im Jugendalter

Verschiedene Fixationstechniken stehen zur Verfügung. Sie richten sich nach der Größe des Fragmentes und der möglichen Fixation am Becken. Am häufigsten werden Schrauben zur Fixation verwendet, weniger häufig Drähte oder Platten [3]. Auch eine implantatfreie „Suture bridge“-Technik wird beschrieben, bei der der gesamte Knochen-Sehnenverbund mit kräftigem nichtresorbierbaren Nahtmaterial um den Beckenknochen (Sitzbein) gelegt und fixiert wird [8]. Bei kleinen knöchernen Fragmenten können auch Ankersysteme verwendet werden. Das für den Jugendlichen optimale Verfahren muss individuell festgelegt werden. Die Komplikationsrate nach operativer Versorgung ist gering. Neben der Entwicklung einer Pseudarthrose kann es zu neurologischen Ausfällen, einer Infektion oder chronischen Schmerzzuständen kommen.

Nachbehandlung und
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Nach operativer Versorgung ist eine Teilbelastung mit Zuhilfenahme von Unterarmgehstützen für ca. 4 Wochen zu empfehlen. Bei regelrechtem Verlauf kann dann über 2 Wochen aufbelastet werden. Begleitende physiotherapeutische Maßnahmen sind hilfreich, Beginn des Krafttrainings häufig nach der 6. Woche. Sprint- und Sprungbelastungen sind meist erst nach 4–6 Monaten möglich. Die Ergebnisse ähneln denen von Apophysenverletzungen an anderen Gelenken (Tuberkulum tibiae) [5]. Sie werden als sehr gut bewertet und führen bei konservativer Therapie der nicht bzw. wenig dislozierten Avul-
sionsfrakturen und bei operativ versorgten stark dislozierten Verletzungen in mehr als 90 % zu voller Sportfähigkeit [3, 6].

Avulsionsfrakturen am Becken sind bei Jugendlichen häufig und sollten nach Diagnosestellung nach dem Ausmaß der Dislokation und nach Lokalisation des abgelösten Fragmentes entsprechend behandelt werden. Die Ergebnisse sind bei konservativer Behandlung der nicht oder wenig dislozierten Fragmente ebenso wie bei operativer Behandlung der stark dislozierten Fragmente sehr gut.

Interessenkonflikte:

Keine angegeben.

Das Literaturverzeichnis zu
diesem Beitrag finden Sie auf:
www.online-oup.de.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Holger Schmitt

Hüft- und Kniechirurgie,

Sporttraumatologie

Deutsches Gelenkzentrum Heidelberg

in der Atos Klinik Heidelberg

69115 Heidelberg

holger.schmitt@atos.de

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