Übersichtsarbeiten - OUP 04/2025
Osteochondrale Läsionen des oberen Sprunggelenkes
Sarah Ettinger, Anna Altemeier
Zusammenfassung:
Osteochondrale Läsionen des Talus (OCT) stellen eine häufige Pathologie dar. Als ursächlich wird das Zusammenspiel von 4 Faktoren angesehen. Diese beinhalten das akute Trauma, chronische ligamentäre Instabilität, Malalignment und Hypovaskularität. Ein individuell befundabhängiges Vorgehen ist erforderlich. Entscheidende Parameter sind die Lokalisation, Größe und Tiefe der OCT sowie eine Analyse etwaiger Begleitpathologien, wie eine Achsfehlstellung oder Instabilität. Zu den konservativen Therapieoptionen zählen Ruhigstellung, Analgetika, Physiotherapie und Sportkarenz. Bei der operativen Behandlung kann die osteochondrale Läsion häufig arthroskopisch ausreichend visualisiert und therapiert werden. Neben der Mikrofrakturierung kommen insbesondere matrixbasierte Verfahren zum Einsatz.
Schlüsselwörter:
Osteochondrale Läsion, Sprunggelenk, Talus, Instabilität
Zitierweise:
Ettinger S, Altemeier A: Osteochondrale Läsionen des oberen Sprunggelenkes
OUP 2025; 14: 152–157
DOI 10.53180/oup.2025.0152-0157
Summary: Osteochondral lesions of the talus (OCT) are very common. The variable interaction of 4 factors is considered to be the cause of developing OCL. This includes acute trauma, chronic ligamentous instability, malalignment and hypovascularity. An individualized treatment is required. Decisive parameters are the localization, size and depth of the OCT as well as an analysis of any concomitant pathologies, such as malalignment or ankle instability. Conservative treatment options include immobilization, analgesics, physiotherapy and sports restrictions. In surgical treatment, the osteochondral lesion can often be adequately visualized and treated arthroscopically. In addition to microfracturing, matrix-based procedures are very common.
Keywords: Osteochondral lesion, ankle, talus, instability
Citation: Ettinger S, Altemeier A: Osteochondral lesions of the ankle joint
OUP 2025; 14: 152–157. DOI 10.53180/oup.2025.0152-0157
Universitätsklinik für Orthopädie, Pius-Hospital Oldenburg
Einleitung
Osteochondrale Läsionen (OCL) des Talus zählen zu den häufigsten Ursachen für Sprunggelenksbeschwerden bei jungen, aktiven Personen. OCLs lokalisieren sich am Talus überwiegend an der medialen und lateralen Talusschulter (Abb. 1). In etwa 98 % der Fälle ist diese traumatisch bedingt durch eine akute osteochondrale Fraktur [1, 2]. Die posteromedialen OCL (58 % der Fälle) sind ebenfalls mehrheitlich traumatisch bedingt (64–70 %) [1, 2], stehen aber oft im Zusammenhang mit fokaler Überbelastung im Rahmen eines Pes planovalgus und einer chronischen OSG-Instabilität. In bis zu 10 % der Fälle können OCL auch bilateral vorkommen [3].
Es werden 4 wesentliche Faktoren diskutiert, die möglicherweise die Entstehung einer osteochondralen Läsion beeinflussen: akute Traumata, chronische ligamentäre OSG-Instabilitäten, Rückfuß-Malalignment und Hypovaskularität. Zusätzlich wird ein Einfluss von genetischen, metabolischen und endokrinologischen Faktoren postuliert [4].
Traumatische OCL am Talus können entweder spontan ausheilen und asymptomatisch bleiben oder zu tiefen intraartikulären Beschwerden bei Belastung sowie zur Bildung von subchondralen Knochenzysten führen. Die Entwicklung einer symptomatischen OCL hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom Ausmaß der Schädigung und der unzureichenden Reparatur der subchondralen Knochenplatte. Bei Belastung drückt der komprimierte Knorpel Wasser in den subchondralen Knochen. Dies führt zu einem lokal stark erhöhten Flüssigkeitsfluss und -druck im subchondralen Knochen [5]. Dies kann zu einer lokalen Osteolyse und schließlich zur Bildung einer subchondralen Zyste führen. Der Schmerz geht dabei nicht vom Knorpel selbst aus, sondern wird durch den wiederholten hohen Flüssigkeitsdruck beim Gehen verursacht. Dieser führt zu einer Stimulation des stark innervierten subchondralen Knochens unterhalb des Knorpeldefekts [5]. Ein Verständnis des natürlichen Verlaufs und der Entwicklung von OCLs ist wichtig für die Entwicklung logischer Behandlungsstrategien und die Prävention fortschreitender Gelenkschäden.
Therapie
Die Behandlung derartiger Verletzungen gestaltet sich oft als komplexe Herausforderung, da verschiedene therapeutische Optionen zur Verfügung stehen.
Konservative Therapie
Die konservative Behandlung der OCL stellt insbesondere bei asymptomatischen Defekten sowie juveniler OCL eine gute Therapieoption dar. Eine Progression der OCT zu einer Arthrose des OSGs ist unwahrscheinlich [6]. Ziel der konservativen Therapie ist eine Symptomreduktion bzw. -kontrolle unter Minimierung der funktionellen Belastung des Sprunggelenks. Als Risikofaktoren für eine Zunahme der Läsion gilt die Defekttiefe, subchondrale Zystenbildung und ein ausgedehntes subchondrales Ödem [7]. Eine erneute Bildgebung ist nach 12 Monaten empfohlen. Die Therapie umfasst eine Ruhigstellung in einer Unterschenkelorthese oder Gips über 3–6 Wochen [6]. Zur Schmerzlinderung können nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) angewandt werden. Krankengymnastische Maßnahmen können dem Erhalt der Beweglichkeit dienen [6]. Tol et al. beschreiben insgesamt gute bis sehr gute Ergebnisse unter Ruhigstellung in 45 % der Fälle im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit. Unter zusätzlicher Modifikation bzw. Reduktion der Aktivität könnten die guten bis sehr guten Ergebnisse auf 59 % ausgeweitet werden. Eingeschlossen wurden 14 Studien (davon 0 RCT) mit insgesamt 201 Patientinnen und Patienten [8]. Insbesondere bei juvenilen Patientinnen und Patienten mit akuten Läsionen sollte auch aufgrund der oft noch offenen Wachstumsfugen zunächst die konservative Therapie angestrebt werden. Aufgrund der schlechten Datenlage variiert die Erfolgsrate jedoch stark (42–61 % Versagensrate) [9, 10]. Als Risikofaktoren gilt dabei ein höheres Alter sowie eine OCL-Grad III nach Berndt/Harty [10].
Weiterhin kann eine Injektion des OSGs als konservative Maßnahme der OCT durchgeführt werden. Im Rahmen einer systematischen Literaturanalyse zeigte sich die Platelet rich plasma (PRP) der Hyaluronsäureinjektion gemessen an funktionellen Scores (AOFAS-Score und VAS) überlegen [11].
