Übersichtsarbeiten - OUP 06/2025

Stellenwert der Synovialektomie bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen

Für betroffene Gelenke bei Hämophilie ist nach der Leitlinie eine Operation indiziert, wenn eine therapierefraktäre Synovitis über 6 Monate besteht und nicht-operative Methoden wie Faktorsubstitution und Radiosynoviorthese ohne Erfolg bleiben.

Septische Arthritis

Auch hier weichen die Empfehlungen für Erwachsene und Kinder teils erheblich voneinander ab. Für Erwachsene gilt bei Stadium I–III nach Gächter eine Lavage mit Synovialis-PE (ideal: 5) verbunden mit einer (partiellen) Synovialektomie. Bei Stadium IV ist meist ein offenes Vorgehen für die erforderliche Radikalität der vollständigen Synovialektomie von Nöten. Die Maßnahme orientiert sich am Ausmaß des intraoperativen Befundes. Bei Kindern ist eine (wiederholte) Lavage meist ausreichend.

Konsequenzen

Die Indikation zur operativen Versorgung fordert gleichzeitig Konsequenzen postoperativ. Nach Synovialektomie und histopathologischer Einteilung in low grade- oder high grade-Synovialitis stellen sich konkrete Fragen nach der Anzahl der betroffenen Gelenke (Mono-, Oligo-, Polyarthritis) und der Basistherapie (suffizient, insuffizient, keine). Hieraus leitet sich das weitere Vorgehen ab. Je mehr Gelenke betroffen sind und je aktiver die Inflammation im Gelenk, desto eher sollte eine systemische Anpassung mit Überprüfung und ggf. Neueinstellung der Basistherapie erfolgen.

Fazit

Die Synovialektomie ist eine bewährte, wenn auch spezialisierte Operation, insbesondere bei therapierefraktärer Synovialitis und spezifischen Krankheitsbildern. Sie sollte so früh wie möglich und an den Wirkeintritt der Biologika angepasst erfolgen. Die Entscheidung zur Operation sollte interdisziplinär getroffen werden. Bei einzelnen „rebellischen“ Gelenken ist die Synovialektomie besser als der Wechsel der Basistherapeutika. Bei Kindern ist die Indikation zur OP vorsichtiger und strenger zu stellen als beim Erwachsenen. Dies gilt auch bei einem Gelenksempyem. Prinzipiell richtet sich die Therapie nach dem Grad der Aktivität, den extraartikulären Manifestationen (EAM), dem individuellen Verlauf, funktionellen Defiziten, dem Alter und Entwicklungsstand der Patientin bzw. des Patienten.

Interessenkonflikte:

Keine angegeben.

Das Literaturverzeichnis zu
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www.online-oup.de.

Korrespondenzadresse

PD Dr. med. Christoph Biehl

UKGM Gießen

Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie

35385 Gießen

christoph.biehl@chiru.med.
uni-giessen.de

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