Informationen aus der Gesellschaft - OUP 03/2026
USA-Reisebericht 2026Ein Stipendium der Superlative mit hoher Flexibilität
Das USA-Reisestipendium der VSOU ist unumstritten eines der hochkarätigsten und schlichtweg versatilsten Programme seiner Art im deutschsprachigen Raum. Auch wir, die USA-Travel-Fellows 2026, Mario Pasurka und Erik Wegner, hatten daran keinen Zweifel. Mit den spannenden Reiseberichten der vorherigen Stipendiatinnen und Stipendiaten im Gepäck schauten wir voller Vorfreude auf einen zwar eng getakteten, aber abwechslungsreichen Reiseplan. Dieser sah auch dieses Jahr die Hospitation an zwei der renommiertesten US-amerikanischen Kliniken sowie den Besuch des weltweit größten O&U-Kongresses, dem „Annual Meeting der American Academy of Orthopaedic Surgeons” (AAOS), vor – diesmal in New Orleans.
Ganz im Sinne einer geführten Reisetour ließ uns die Fülle des Programms eine gewisse Pauschalität im Ablauf des Fellowships befürchten. Doch gerade Pauschalität ist diesem Stipendium ein Fremdwort. Bereits vor Reisebeginn signalisierte uns der rege Austausch mit den Gastgebern Daniel Berry und Friedrich Böttner sowie einem ganzen Stab hochprofessioneller Studiensekretariate, dass die Curricula auf unsere individuellen Interessen maßgeschneidert werden würden. Die Programme waren dabei keineswegs in Stein gemeißelt, sondern konnten sogar vor Ort noch ganz unkompliziert verändert werden, um uns deutschen Gästen die bestmögliche Erfahrung während des Aufenthalts zu ermöglichen. Mit uns rückten zum einen die Sportmedizin und zum anderen die Wirbelsäulenchirurgie thematisch ins Zentrum des Stipendiums.
Nachdem wir unsere Unterkünfte und Flüge gemeinschaftlich gebucht hatten, trafen wir uns mit vollgepackten Koffern und Gastgeschenken am 7. Februar 2026 am Frankfurter Flughafen. Von unserem ersten Reiseziel, Rochester in Minnesota mit der weltberühmten Mayo Clinic, trennten uns von nun an noch 13 Stunden Flugzeit und zwei Zwischenstopps in London und Chicago.
Die Mayo Clinic in Rochester Minnesota – eine Klinik wird zur Stadt
Klein, verschlafen und sichtlich gezeichnet von den Schneestürmen der vorangegangenen Wochen wirkte die 150.000 Einwohnerstadt in der Nacht unserer Ankunft. Die klirrende Kälte trieb die Menschen von den Straßen in die kleinen boxartigen Wohnhäuser und Restaurants, die ganz verstreut auf dem Weg zu unserem Hotel in der Peripherie der Stadt immer wieder auftauchten.
Zu unserer Überraschung zeigte sich Rochester am nächsten Morgen von einer ganz anderen Seite. Neben den kleinen Häusern türmten sich im Stadtzentrum immer größer werdende Gebäudekomplexe auf, die fast ausnahmslos die Handschrift der Mayo Clinic trugen. In ihrer Mitte und eingemauert von einer endlosen Baustellenlandschaft (Abb. 1) thront das beeindruckende Mayo-Gebäude, wie eine moderne Kathedrale der Medizin. Unbeschreibliche 5 Mrd. USD investiert die Mayo Clinic in ein stadtumgreifendes Bauprojekt mit dem passenden Namen „Bold. Forward. Unbound.“, welches neben zwei neuen Klinikgebäuden auch eine Vielzahl von infrastrukturellen Erweiterungen bis 2030 vorsieht.
Das gesamte Ausmaß der Klinik und deren Bedeutung für die Region und das gesamte Land erahnten wir allerdings erst nach unserer Privatführung mit Kelly Hain, eine sichtlich engagierte Assistentin unseres Gastgebers. Mit kleinen, aber schnellen Schritten führte uns Kelly am ersten Tag durch die endlosen Katakomben des Klinikgeländes, vorbei am prachtvollen und hotelähnlichen Gonda Building (Abb. 2), das der ambulanten Behandlung und Administration dient, hin zum DAHLC, einem modernen Mekka für jeden Sportmediziner und der zwischenzeitlichen Wirkstätte für Mario Pasurka.
Um den Saint Marys Campus zu erreichen, tauchten wir aus dem Getümmel der unterirdischen Verbindungsgänge auf und ließen uns mit dem kostenlosen „Mayo Clinic Shuttle“ ans andere Ende der Stadt fahren. Einst gegründet von franziskanischen Ordensschwestern, deren strenge Blicke seither als Portraits in den Gängen der Klinik wachen, beherbergt der Campus noch heute 16 praktizierende Schwestern in einem gleichnamigen Kloster auf dem Gelände. Gleichwohl beherbergt der Campus auch etwa 70 hochmoderne OP-Säle, mit dem ihm der schwierige Spagat zwischen Tradition und Moderne gelungen ist. Neben Herztransplantationen oder radiochirurgischen Gamma-Knife-Interventionen werden hier auch jegliche Formen der Wirbelsäulenchirurgie auf Weltklasseniveau praktiziert.
Ganz gleich, ob die Schwerpunkte in unseren individuellen Rotationsplänen auf die Wirbelsäulenchirurgie im Saint Marys Campus oder auf die Sportmedizin im DAHLC lagen –ähnelten sich unsere positiven Eindrücke. Auffällig war, dass nicht nur uns, vielmehr jeder einzelnen Patientin bzw. jedem einzelnen Patienten und deren/dessen Angehörigen in der Klinik ein äußerst höflicher und zuvorkommender Umgang zuteil wurde. Wir waren uns einig, dass in der Mayo Clinic das Konzept der patientenzentrierten Versorgung offensichtlich gelebt wird.
Nicht minder beeindruckt waren wir von der Atmosphäre und Professionalität in den OP-Trakten. Mit beinahe uhrwerkähnlicher Präzision sorgte eine uns ungewohnt hohe Anzahl an Personen für einen schnellen und reibungslosen Ablauf der Operationen. Neben weiteren Fellows unterstützten Physician Assistants, Neurophysiologinnen bzw. physiologen, Radiologisch-technische Assistentinnen bzw. Assistenten, Mitarbeitende der Lagerungs- und Dokumentationspflege sowie immer mindestens eine bzw. ein Firmenvertreterin bzw. -vertreter die Operateurin bzw. den Operateur. Durch diese Hilfe hatte die Operateurin bzw. der Operateur zeitlichen Freiraum, um mit uns die Patientenfälle ausführlich zu diskutieren und Fragen in Bezug auf OP-Techniken zu beantworten.
Dass sich die Mayo Clinic neben einer exzellenten Patientenversorgung und Ausbildung auch als Schwergewicht in der medizinischen Forschung behauptet, ist so sicher wie das Amen der Franziskaner-Schwestern auf dem Saint-Marys Campus. Ein Forschungsbudget von über 1 Mrd. USD und jährlich 11.000 Publikationen lassen nicht den geringsten Zweifel daran. Regelmäßige Grand Rounds, Forschungstreffen und Journal Clubs, denen wir beiwohnten, gaben uns Ideen und Motivation für neue Projekte, die wir als wertvolle Andenken an diese Zeit zurück nach Deutschland nahmen. Insbesondere durch die Einblicke in die Arbeit von Joshua Romero und Brennan Boettcher, die sowohl die Leidenschaft für die Sportmedizin als auch für die Sonografie teilen, ergaben sich neue Ideen für künftige Kooperationen bei klinischen Studien. Matthew Abdel (Abb. 3), Vorsitzender der Abteilung für orthopädische Forschung, öffnete uns die Türen zu den futuristisch anmutenden Forschungslaboren der Klinik und stellte uns Mason Carstens vor. Nicht nur der Ausblick auf die gut gefüllten Labortische und die modernen Gerätschaften in den Arbeitsräumen, die uns Mason Carstens zeigte, sondern auch der Ausblick über die Stadt durch die bodentiefen Fenster des Labors, ließen einen mit dem Gedanken an einen längerfristigen Forschungsaufenthalt zurück.
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