Übersichtsarbeiten - OUP 04/2026
Die gescheiterte RotatorenmanschettennahtUrsachen und Revisionsstrategien
Bei Patientinnen und Patienten mit irreparabler RM-Reruptur, bei welchen ein Partial Repair oder Muskel-Sehnen-Transfer aufgrund von Alter, biologischen Risikofaktoren, fehlendem Antagonisten für einen Transfer oder weiterer Kontraindikationen nicht in Frage kommt, ist ein gelenkerhaltendes Verfahren nicht mehr indiziert. Die inverse Schulterprothese (RSA) hat sich bei irreparablen RM-Rupturen mit und ohne Defektarthropathie etabliert, wobei die Defektarthropathie, erstmals 1983 von Neer beschrieben und durch das Klassifikationssystem nach Hamada erfasst, die klassische Indikation darstellt [22–24]. Vor operativer Intervention sollten konservative Maßnahmen ausgeschöpft, zumindest jedoch ein strukturierter Therapieversuch über mindestens 12 Wochen durchgeführt werden. Insbesondere ältere, gering aktive Patientinnen und Patienten mit erhaltener passiver Beweglichkeit, intaktem SSC und kompensatorischer Teres-minor-Hypertrophie zeigen dabei die günstigsten Ergebnisse [22, 23, 25]. Das Grundprinzip der RSA beruht auf der Umkehrung der normalen Gelenkgeometrie, wodurch die Funktion der insuffizienten RM auf den intakten Deltamuskel übertragen wird, der so als primärer Elevationsmotor fungiert [22, 23]. Bei irreparabler Ruptur (auch ohne begleitende Omarthrose) stellt die RSA insbesondere für ältere, weniger aktive Patientinnen und Patienten mit Pseudoparalyse und klinisch oder radiologisch nachweisbarem anterosuperiorem Escape des Humeruskopfes eine zuverlässige Option dar. Als absolute Kontraindikation gilt ein nicht-funktioneller Deltamuskel, etwa infolge einer Axillarisläsion oder einer zervikalen Radikulopathie [22, 23]. In der Literatur sind signifikante Verbesserungen von Flexion, Abduktion und subjektiven Scores bei einer Implantatüberlebensrate von über 90 % nach 10 Jahren beschrieben, wenngleich nach 6 bis 8 Jahren ein gradueller Rückgang der funktionellen Scores beobachtet wird [22, 26, 27]. Die Gesamtkomplikationsrate liegt in größeren Serien zwischen ca. 9 und 20 %, wobei Skapulanotching, Glenosphärenlockerung und Instabilität zu den häufigsten Revisionsursachen zählen [22, 23, 28]. Patientinnen und Patienten mit vorausgegangener fehlgeschlagener RM-Rekonstruktion erzielen nach RSA weitgehend vergleichbare Ergebnisse wie Patientinnen und Patienten mit primärer RSA, weisen jedoch ein erhöhtes Risiko für Komplikationen und Revisionen auf [22, 29]. Für ein optimales Ergebnis wird die Wiederherstellung der nativen Anatomie empfohlen, mit lateralisiertem Rotationszentrum und Vermeidung einer Distalisierung der Humeruskomponente [27]. Unter sorgfältiger Patientenselektion bietet die RSA eine gut prognostizierbare und langfristig stabile Lösung für Patientinnen und Patienten, bei denen gelenkerhaltende Verfahren nicht mehr in Frage kommen (Abb. 3).
Interessenkonflikte:
P. Rab, L. Lacheta: Keine angegeben.
S. Siebenlist: Beratungstätigkeiten für die Firmen Arthrex GmbH, KLS Martin Group und medi GmbH & Co. KG
Einhaltung ethischer Richtlinien:
Dieser Beitrag beinhaltet keine Studien an Menschen oder Tieren.
Das Literaturverzeichnis zu
diesem Beitrag finden Sie auf:
www.online-oup.de.
Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. Lucca Lacheta
Sektion Sportorthopädie
TUM Universitätsklinikum
Rechts der Isar
81677 München
lucca.lacheta@mri.tum.de
