Übersichtsarbeiten - OUP 03/2025
Metal-back Glenoide in der anatomischen Schulterendoprothetik bei Glenoiddefekten und StandardpfannenEine sinnvolle Möglichkeit?
Die anatomische Endoprothese ist eine etablierte Möglichkeit zur Behandlung der fortgeschrittenen Omarthrose mit reproduzierbaren, hervorragenden funktionellen Ergebnissen. Die Rotatorenmanschette und deren Muskulatur müssen dazu intakt sein. Bei der Implantation sollte die native, prä-arthrotische Gelenklinie nach Möglichkeit wiederhergestellt werden. Dabei ist die Implantationstechnik von besonderer Bedeutung: Sie muss sehr präzise erfolgen, da schon geringe Abweichungen in der Position der Komponenten zu hohen exzentrischen Belastungen auf das Glenoid führen. Dies begünstigt eine frühzeitige Lockerung. Insgesamt ist die Glenoidlockerung die häufigste Komplikation und neben der Rotatorenmanschetteninsuffizienz der häufigste Revisionsgrund bei anatomischen Schulterendoprothesen. Deshalb muss besonders bei jüngeren Patientinnen und Patienten (< 60 Jahre) eine Lockerung in der Zukunft antizipiert werden. Patientinnen und Patienten mit einer Glenoidretroversion (bikonkav bzw. B2/B3-Glenoid) und humeraler Subluxation stellen eine besonders schwer zu behandelnde Patienten-Gruppe dar. Dies liegt zum einem daran, dass sie im Rahmen der Early-Onset Arthrose häufig eine starke Retroversion des Glenoides aufweisen. Dies macht knöcherne Korrekturen am Glenoid unter Anwendung von Autografts oder anderen Augmenten erforderlich. Zum anderen muss das Risiko einer Glenoidlockerung durch eine stabile und dauerhafte Verankerung minimiert werden. Dies kann einerseits durch die generelle Vermeidung einer Pfannenimplantation bei der jungen Patientin/dem jungen Patienten erfolgen (Pyrocarbon-Hemiprothese), andererseits kann bei fortgeschrittenem Glenoidverschleiß ein modernes Implantat mit Full-metal Glenoid und Materialumkehr (Glenoid aus Metall, Humeruskalotte aus PE) verwendet werden. Dies kann sowohl die knöcherne Korrektur am Glenoid erleichtern, als auch langfristig für eine hohe Stabilität und Osteointegration sorgen.
Grundsätzlich sollten nach Möglichkeit immer knochensparende und konvertierbare Systeme zum Einsatz kommen, da Revisionseingriffe dadurch erleichtert werden. Eine präzise, präoperative 3D-Planung und die Möglichkeit zur chirurgischen Korrektur knöcherner Pfannendefekte sollte heute zum Standardrepertoire einer modernen schulterchirurgischen Versorgung gehören.
Interessenkonflikte:
R. Hudek: keine angegeben.
L.V. v. Engelhardt: Aufwandsentschädigungen für Vorträge, Einsätze als Instruktor bei Operationskursen, Hospitationskursen, dem fachlichen Austausch und Beratungen von den Firmen Corin, Microport, Fx Solutions und Arthrex.
Das Literaturverzeichnis zu
diesem Beitrag finden Sie auf:
www.online-oup.de.
Korrespondenzadresse
Priv.-Doz. Dr. med. Robert Hudek
ATOS Klinik Fleetinsel Hamburg
Admiralitätstr. 3–4
20459 Hamburg
robert.hudek@atos.de
Prof. Dr. med.
Lars Victor von Engelhardt
Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie
und Sportmedizin, Klinikum Peine
Akademisches Lehrkrankenhaus
31226 Peine &
Universität Witten/Herdecke
58455 Witten