Übersichtsarbeiten - OUP 02/2026
Morbus Dupuytren
Libor Mada, Philipp Koehl, Alexander Schuh
Zusammenfassung:
Der Morbus Dupuytren hat weltweit eine Prävalenz von etwa 8 %. Die Veränderungen der Palmaraponeurose wurden klinisch erstmals 1614 von Felix Platter in Basel beschrieben. Beim Morbus Dupuytren bilden sich durch Umwandlung (Metaplasie) von Fibroblasten in Myofibroblasten aus diesen Faszienstrukturen zunächst Knoten und später Stränge. Die Proliferation der Myofibroblasten führt zu einer Verkürzung der Dupuytren-Stränge, wodurch Kontraktionskräfte auf das umgebende Gewebe wirken. Diese Proliferation wird durch verschiedene Zytokine wie z.B. TGF-?, PDGF und IL-1 vermittelt. Innerhalb der Myofibroblasten interagiert ?-Aktin mit dem extrazellulären Fibronektinkomplex. Genetische Einflüsse erhöhen die Prädisposition, aber verursachen nicht allein die Erkrankung. Daneben existieren weitere Risikofaktoren, bspw. körperliche Arbeit, vorausgegangene Handverletzungen, Diabetes mellitus, Rauchen und Alkoholkonsum. Das Ausmaß der Kontrakturen wird mithilfe der Tubiana-Klassifikation eingeschätzt. Die konservative Therapie umfasst Infiltrationen, Handtherapie, Radiatio bzw. Stoßwellentherapie. Minimalinvasive Therapien beinhalten Injektion mit Kollagenase oder die perkutane Nadelaponeurotomie. Die am häufigsten angewendete und als Goldstandard geltende chirurgische Therapie ist die partielle Aponeurektomie.
Schlüsselwörter:
Morbus Dupuytren, Ätiologie, Therapie, Kollagenase, Operation
Zitierweise:
Mada L, Koehl P, Schuh A: Morbus Dupuytren
OUP 2026; 15: 51–56
DOI 10.53180/oup.2026.0051–0056
Summary: Dupuytren‘s disease has a prevalence of approximately 8 % worldwide. The changes in the palmar aponeurosis were first described clinically in 1614 by Felix Platter in Basel. In Dupuytren‘s disease, the transformation (metaplasia) of fibroblasts into myofibroblasts initially forms nodules and later strands in these fascial structures. The proliferation of myofibroblasts leads to a shortening of the Dupuytren‘s cords, causing contractile forces to act on the surrounding tissue. This proliferation is mediated by various cytokines such as TGF-?, PDGF, and IL-1. Within the myofibroblasts, ?-actin interacts with the extracellular fibronectin complex. Genetic influences increase predisposition, but do not independently cause the disease. There are also other risk factors, such as physical labor, previous hand injuries, diabetes mellitus, smoking, and alcohol consumption. The extent of contractures is assessed using the Tubiana classification. Conservative therapy includes infiltrations, hand therapy, radiation, and shock wave therapy. Minimally invasive therapies include collagenase injection or percutaneous needle aponeurotomy. The most commonly used surgical therapy, considered the gold standard, is partial aponeurectomy.
Keywords: Dupuytren’s contracture, etiology, therapy, collagenase, surgery
Citation: Mada L, Koehl P, Schuh A: Dupuytren’s contracture
OUP 2026; 15: 51–56. DOI 10.53180/oup.2026.0051–0056
L. Mada: Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sektion Handchirurgie, Klinikum Fichtelgebirge, Marktredwitz
P. Koehl: Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Klinikum Fichtelgebirge, Marktredwitz
A. Schuh: Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sektion für Muskuloskelettale Forschung, Klinikum Fichtelgebirge, Marktredwitz
Geschichte
Die Veränderungen der Palmaraponeurose wurden klinisch erstmals 1614 von Felix Platter in Basel beschrieben, wobei er fälschlicherweise eine Schrumpfung der Beugesehne als Ursache annahm [22]. Die Erkrankung wurde nach Baron Guillaume Dupuytren (1777–1835) benannt. Er beschrieb 1831 Bündel von Fasziengewebe, die sich bis in die betroffenen Finger erstreckten, und schlug vor, dass jedes dieser Bündel bei der Freilegung durchtrennt werden müsse, wobei Nerven und Arterien neben diesen Bündeln erhalten bleiben müssten. Er erkannte den progressiven Verlauf der Erkrankung und nannte ein lokales Trauma als ursächlich [25]. Astley Cooper erkannte bereits 1822 die Verdickung der Palmarfaszie als Ursache der Krankheit und beschrieb die erfolgreiche Therapie mit Durchtrennung der schmalen Stränge (Fasziotomie). Sein Lehrer Henry Cline erkannte bereits 1777 im Rahmen einer Sektion die Beteiligung der Palmarfaszie und Verdickung der Palmarfaszie als Ursache für eine Beugekontraktur des Fingers [25].
Epidemiologie
Der Morbus Dupuytren (MD) hat weltweit eine Prävalenz von etwa 8 % [22, 25]. In Deutschland wurde bei einer epidemiologischen Untersuchung von 566 Patientinnen und Patienten aus dem Raum Hannover mit Morbus Dupuytren eine Inzidenz von 2,5 % angegeben [25]. Am häufigsten sind ältere Männer nordeuropäischer Abstammung betroffen. Männer sind etwa sechsmal häufiger betroffen als Frauen. Asiaten oder Menschen mit schwarzafrikanischer Abstammung erkranken seltener [25]. Betrachtet man isoliert die Prävalenz für den europäischen Raum, so zeigt eine Metastudie eine sehr weit gestreute Prävalenz zwischen 0,6 und 31,6 %. Für die Niederlande weist eine randomisierte Studie eine Prävalenz von 22,1 % nach. Hierbei zeigten sich bei 17,9 % der Patientinnen und Patienten Knoten und bei 4,2 % Gelenkkontrakturen [8]. Großbritannien weist eine Prävalenz von 34,3/100.000 auf. Man kann davon ausgehen, dass eine Vielzahl von Patientinnen und Patienten im Laufe ihres Lebens Knoten oder Stränge entwickeln, aber nicht alle Stränge Probleme verursachen und einer Therapie bedürfen. Die Inzidenz steigt bei Männern im 5. Lebensjahrzehnt und bei Frauen im 6. Lebensjahrzehnt sprunghaft an. Im 9. Lebensjahrzehnt ist die Prävalenz der Erkrankung bei beiden Geschlechtern gleich hoch. Entsprechend nimmt die Prävalenz des Morbus Dupuytren mit zunehmendem Alter zu [25]. In einer Metastudie von 19 Arbeiten ermittelten Lanting et al. [14] eine Prävalenz von ca. 12 % im Alter von 55 Jahren, die auf 29 % im Alter von 75 Jahren ansteigt. Die Prävalenz ist für Männer höher als für Frauen, sie erkranken früher als Frauen [8]. Die höchste Prävalenz der Dupuytren-Krankheit wurde in der Studie von Rajendran et al. [21, 22] mit 84 % festgestellt, die niedrigste Prävalenz in der Studie von Weinstein et al. [22, 29] mit 0,3 %. In einer Metaanalyse von Lanting et al. [14, 22] wurde die Prävalenz von Dupuytren in den westlichen Ländern mit 6,0–6,31 % angegeben. Das durchschnittliche Erkrankungsalter von Patientinnen und Patienten mit positiver Familienanamnese beträgt 49 Jahre [25].
