Übersichtsarbeiten - OUP 03/2025

Rückkehr zum Sport nach Schulterendoprothese

Philipp Zehnder, Jonas Pogorzelski, Sebastian Siebenlist, Lucca Lacheta

Zusammenfassung:
Die Schulterendoprothetik – einschließlich Hemiendoprothese (HHA), anatomischer Totalendoprothese (aTSA) und inverser Schulterprothese (rTSA) – stellt eine etablierte Behandlungsoption bei degenerativen Schultererkrankungen und posttraumatischen Zuständen dar. Vor dem Hintergrund einer zunehmend älteren, zugleich aber sportlich aktiven Patientenschaft gewinnt die Frage der postoperativen Rückkehr zur sportlichen Aktivität an Relevanz.
Diese Übersichtsarbeit analysiert die sportbezogene Reintegration unter Berücksichtigung des verwendeten Prothesentyps sowie der Sportart. Die höchsten Rückkehrraten wurden für die aTSA beschrieben (bis zu 92,6 %), insbesondere auch bei Sportarten mit moderater Überkopfbelastung wie Schwimmen (82 %) und Golf (78 %). Nach rTSA lagen die Rückkehrraten zwischen 74 und 77 %, wobei bevorzugt Sportarten mit geringerem Anspruch an die Rotatorenmanschette (z.B. Radfahren, Laufen) aufgenommen wurden. Für die HHA wurden Rückkehrraten um 71 % berichtet, mit moderaten Erfolgen vor allem in Golf.
Präoperative Aktivität, biologisches Alter und der individuelle postoperativ-funktionelle Verlauf sind maßgebliche Einflussfaktoren für die sportliche Rehabilitation. Die vorliegenden Daten verdeutlichen, dass die Rückkehr zum Sport nach Schulterendoprothetik in hohem Maße vom Prothesentyp, den spezifischen Anforderungen der gewählten Sportart und patientenindividuellen Voraussetzungen abhängt.
Eine erhöhte Gefahr hinsichtlich einer aseptischen Lockerung oder erhöhten Revisionsoperationen lässt sich wissenschaftlich nicht bestätigen.

Schlüsselwörter:
Schulterendoprothetik, inverse Schulterprothese, anatomische Schulterprothese, sportliche Aktivität, Rückkehr zum Sport, degenerative Schultererkrankung

Zitierweise:
Zehnder P, Pgorzelski J, Siebenlist S, Lacheta L: Rückkehr zum Sport nach Schulterendoprothese
OUP 2025; 14: 97–102
DOI 10.53180/oup.2025.0097-0102

Summary: Shoulder arthroplasty – including hemiarthroplasty (HHA), anatomical total shoulder arthroplasty (aTSA), and reverse shoulder arthroplasty (rTSA) – is an established treatment option for degenerative shoulder diseases and post-traumatic conditions. The question of postoperative return to sporting activity is becoming increasingly relevant, given the rise in older, yet physically active, patient populations.
This review analyzes return to sports, taking into account the type of prosthesis used and the nature of the sport. The highest return rates were reported for aTSA (up to 92.6 %), particularly in sports involving moderate overhead activity, such as swimming (82 %) and golf (78 %). Following rTSA, return rates ranged from 74 % to 77 %, with a preference for sports that place lower demands on the rotator cuff (e.g., cycling, running). For HHA, return rates were approximately 71 %, with moderate success observed especially in golf.
Preoperative activity level, biological age, and individual postoperative functional recovery are significant factors influencing sports rehabilitation. Current data suggest that return to sport after shoulder arthroplasty largely depends on the type of prosthesis, the specific demands of the chosen sport, and individual patient factors.
An increased risk of aseptic loosening or higher revision surgery rates cannot be confirmed based on the available scientific evidence.

Keywords: Shoulder arthroplasty, reverse shoulder prosthesis, anatomical shoulder arthroplasty, physical activity, return to sport, degenerative shoulder disorders

Citation: Zehnder P, Pgorzelski J, Siebenlist S, Lacheta L: Return to sports after shoulder arthroplasty
OUP 2025; 14: 97–102. DOI 10.53180/oup.2025.0097-0102

Sektion Sportorthopädie, Technische Universität München

Hintergrund

Die Schulterendoprothetik, einschließlich anatomischer Hemiarthroplastiken (HHA), Totalendoprothesen (aTSA) und inverser Schulterprothesen (rTSA) hat sich in den letzten Jahrzehnten als bewährte Behandlungsmethode für eine Vielzahl von Erkrankungen und Verletzungen des Schultergelenks etabliert. Zu den Hauptindikationen gehören degenerative Erkrankungen wie die primäre und sekundäre Arthrose, Rotatorenmanschettenarthropathien und die proximale Humerusfraktur [1–4]. Während Schmerzlinderung und funktionelle Wiederherstellung primäre Ziele der Schulterprothesenimplantation bleiben, wird die Rückkehr zur sportlichen Aktivität zunehmend als wichtiger Faktor für die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten anerkannt [5, 6].

In der letzten Dekade stieg die Anzahl der Implantationen einer Schulterendoprothese in Deutschland sprunghaft an. Während die Implantationszahl der anatomischen Schulterprothese in den Jahren 2010–2021 rückläufig ist (- 55 %), stieg die Zahl der inversen Schulterprothesen (+ 308 %) überproportional an [7]. Dies führte zu einem deutlichen Anstieg der Gesamtimplantationszahlen (+ 73 %), allerdings nicht zu einem relevanten Abfall des Patientenalters bei Erstimplantation [7, 8]. Trotz des demografischen Wandels zeigt sich ein zunehmender Anteil älterer Patientinnen und Patienten, die bis ins hohe Lebensalter sportlich aktiv bleiben möchten und entsprechende funktionelle Anforderungen an das Schultergelenk stellen [9].

Die Rückkehr zum Sport nach Schulterendoprothetik variiert jedoch je nach Prothesentyp und Sportart [10].

Diese Übersichtsarbeit beleuchtet den aktuellen Stand der Forschung zur Rückkehr zum Sport nach Implantation einer Schulterendoprothese, mit besonderem Fokus auf Rückkehrraten, spezifischen Sportarten und der Rolle verschiedener Prothesentypen. Ziel ist es, eine fundierte Grundlage für die Beratung von Patientinnen und Patienten und die Optimierung der postoperativen Rehabilitation zu schaffen.

Biomechanik

Die anatomische Hemi- und Totalendoprothese (HHA, aTSA) und die inverse Schulterendoprothese (rTSA) unterscheiden sich erheblich in ihren biomechanischen Prinzipien und klinischen Anwendungen.

Bei der HHA, aTSA ahmt die Prothese die natürliche Anatomie der Schulter nach. Der Oberarmkopf wird durch ein sphärisches Implantat ersetzt. Bei der aTSA erhält die Gelenkpfanne eine Polyethylenkomponente. Dieses Design basiert auf einer intakten Rotatorenmanschette, um das Gelenk zu stabilisieren und die Bewegung zu erleichtern. Die Biomechanik der anatomischen Prothesen zielt darauf ab, die natürliche Kinematik der Schulter wiederherzustellen und das normale Rotationszentrum sowie die Muskelfunktion zu erhalten. [11, 12].

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