Übersichtsarbeiten - OUP 03/2025
Rückkehr zum Sport nach Schulterendoprothese
Die häufigste Indikation ist die Arthrose im Glenohumeralgelenk [23]. Mit 14/100.000 Personen liegt die höchste Inzidenz im Alterscluster zwischen 61–65 Jahren [7]. In absoluten Zahlen wurden im Jahr 2021 in Deutschland 5326 aTSA implantiert [7]. Damit ist es die am zweithäufigsten implantierte Prothese an der Schulter in der Bundesrepublik [20]. Bezüglich der Rückkehrrate in den Sport zeigen sich bei der aTSA die besten Raten. In der Metaanalyse von Liu et al. konnten 92,6 % der Patientinnen und Patienten mit einer aTSA in den Sport zurückkehren [10]. Auch in anderen Studien konnten die Patientinnen und Patienten mit einer aTSA zu über 90 % in den Sport zurückkehren [24, 25]. Unterstützt werden die hohen Rückkehrzahlen durch die Ergebnisse zur Range of Motion. Im direkten Vergleich zur HHA konnten Patientinnen und Patienten mit einer aTSA die Anteversion um 43° verbessern, währen das Patientenklientel mit einer HHA diese lediglich um 31° verbessern konnte [26]. Im direkten Vergleich mit der rTSA konnte jüngst in einer Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 lediglich bei der Außenrotation ein Vorteil der aTSA gezeigt werden [27]. Schaut man sich die Ergebnisse der aTSA nach 10 Jahren an, so zeigt sich leider eine Verschlechterung der Funktion im Verlauf. Dies steht am ehesten in Zusammenhang mit einer Glenoidlockerung und einer Insuffizienz der Rotatorenmanschette im Verlauf [21, 28].
Inverse Schultertotalendoprothese (rTSA)
Mit 21.718 implantierten inversen Prothesen im Jahr 2021 wird dieser Prothesentyp mittlerweile am häufigsten unter den Schulterprothesen verwendet [7]. Die Inzidenz ist im Alterscluster zwischen 81–85 Jahren mit 152/100.000 Personen am höchsten [7]. Die steigenden Zahlen der Implantation von inversen Prothesen kommen jedoch nicht nur durch die steigende Anzahl an älteren Menschen. Vielmehr wurde die Indikation in den letzten Jahren deutlich ausgeweitet. Längst werden die inversen Prothesen nicht mehr nur bei einer Cuffarthropathie und frustranen Humeruskopffrakturen implantiert [29]. Bei Patientinnen und Patienten mit einer Omarthrose und intakter Rotatorenmanschette konnte die rTSA in mehreren Studien ähnlich gute klinische Ergebnisse erreichen wie die aTSA [27, 30]. Einzig in der postoperativen Außenrotation zeigte die rTSA noch signifikant schlechtere Ergebnisse als die aTSA [27]. Betrachtet man die Standzeiten der rTSA, so zeigt sich hier sicherlich einer der größten Vorteile. Im direkten Vergleich zur aTSA bleibt die gute Schulterfunktion bei der rTSA auch nach 10 Jahren noch erhalten, während diese bei der aTSA abnimmt [28]. Bei jüngeren Patientinnen und Patienten unter 60 Jahren zeigen sich zum Teil jedoch einer erhöhte Komplikationsrate, am ehesten aufgrund der größeren Belastung des Gelenks [31]. Die Rückkehrraten in den Sport sind zufriedenstellend und rangieren hier zwischen 74–77 % [10, 24].
Sportartspezifische Rückkehrquoten
Die sportartspezifischen Rückkehrquoten nach Schulterprothesenimplantation variieren erheblich und hängen sowohl vom Prothesentyp als auch von den biomechanischen Anforderungen der jeweiligen Sportart ab. Sportarten, die die untere Extremität betreffen (Fahrradfahren, Laufen etc.) zeigen in der Regel gute Rückkehrquoten [25, 32]. Aber auch zu Überkopfsportarten gibt es durchaus erfreuliche Daten. Am besten untersucht sind hier das Schwimmen, Golf und Tennis [33, 34]. Schwimmen und Golf weisen tendenziell höhere Rückkehrquoten auf im Vergleich zu Spielsportarten wie Tennis, da sie moderate Belastungen der Schulter bei relativ kontrollierten Bewegungsmustern erfordern [5]. Studien zeigen Rückkehrquoten von bis zu 74 % für Schwimmen und 66–80 % für Golf, abhängig vom Prothesentyp und der Rehabilitation [33, 34]. Diese Sportarten profitieren am ehesten von der verbesserten Schulterstabilität und Bewegungsfreiheit, die insb. durch anatomische und inverse Prothesen ermöglicht werden. Allerdings ist das Return to sports in beiden Sportarten in der aTSA-Gruppe etwas höher. Beim Schwimmen betrug diese für die aTSA 82 % und für die rTSA 64 %, die HHA war nicht gesondert aufgeführt. Beim Golfen war die Rückkehrquote für die aTSA 78 %, für die HHA 64 % und für die rTSA 59 %. Im Gegensatz dazu zeigen Sportarten mit hohen Überkopfbelastungen wie Tennis deutlich niedrigere Rückkehrquoten, da sie größere Anforderungen an Kraft und Stabilität der Rotatorenmanschette stellen, die nach einer Prothese oft eingeschränkt bleiben. Hier sind die Rückkehrquoten für alle Endoprothesen im Mittel bei 64 %, wobei sie für die rTSA lediglich 50 % beträgt [5, 6].
Weitere Faktoren, die die Rückkehr zum Sport beeinflussen
Der Bewegungsumfang (Range of Motion, ROM) von Schulterendoprothesen und damit die Rückkehr zu bestimmten Sportarten hängten maßgeblich vom gewählten Prothesentyp sowie von Implantatdesign und -positionierung ab. Bei anatomischen Schulterendoprothesen (aTSA) ist eine weitgehende Wiederherstellung der physiologischen Kinematik möglich – vorausgesetzt, die Rotatorenmanschette ist intakt und die Gelenkgeometrie wird anatomisch korrekt rekonstruiert [35]. Schon kleine Abweichungen des Humeruskopfzentrums oder ein „Overstuffing“ (Lateralisierung) können jedoch den Bewegungsumfang deutlich einschränken [35]. Inverse Schulterprothesen (rTSA) bieten auch bei irreparabler Rotatorenmanschette eine gute Alltagsfunktion, erreichen jedoch typischerweise geringere Rotationswerte [36]. Die ursprünglichen Grammont-Designs führten durch Medialisierung und Distalisierung zu eingeschränkter Innen- und Außenrotation sowie zu Adduktionsdefiziten. Moderne rTSA-Designs mit lateralisiertem Gelenkzentrum, geringerem humeralen Inklinationswinkel und exzentrisch positionierter Glenosphäre verbessern hingegen nachweislich die impingementfreie Beweglichkeit, insb. in Abduktion und Außenrotation. Insgesamt zeigt sich, dass biomechanisch optimierte Implantatkonzepte in Kombination mit präziser Positionierung entscheidend zur Wiederherstellung eines funktionellen Bewegungsumfangs beitragen [35–37].
