Übersichtsarbeiten - OUP 03/2025
Rückkehr zum Sport nach Schulterendoprothese
Andere Faktoren, die die Rückkehr zum Sport beeinflussen sind bspw. das Level an Sport, das in den 3 Monaten vor der Implantation der Endoprothese durchgeführt wird. In dem systematischen Review von Aim et al. wiesen alle Patientinnen und Patienten, die in den Sport zurückgekehrt sind, eine Gemeinsamkeit auf. Sie haben alle 3 Monate vor der Operation ihren Sport noch ausführen können [5]. Bei der rTSA scheint insb. das Einheilen der Tuberositas in der Fraktursituation oder eben die erhaltende Rotatorenmanschette zu einem signifikant besseren Outcome zu führen. Diese Patientinnen und Patienten zeigen eine deutlich bessere Range of Motion nach der Implantation der Schulterprothese [38, 39]. Letztlich ist das Alter zum Operationszeitpunkt ein entscheidender Faktor. Hinsichtlich der Rückkehr zum Sport haben Patientinnen und Patienten nach aTSA unter 55 Jahren die besten Chancen in den Sport zurückzukehren [40]. Patientinnen und Patienten jenseits des 70. Lebensjahrs zeigen wiederum deutlich geringere Return to sports Raten [41].
Wesentlich ist folgender Zusammenhang: Eine erhöhte Gefahr hinsichtlich einer aseptischen Lockerung durch das Betreiben von Sport mit einer Endoprothese lässt sich wissenschaftlich nicht bestätigen. Bei Patientinnen und Patienten nach Schulterendoprothese zeigen sich in sportlich aktiven Gruppen zwar signifikant häufiger inkomplette radioluzente Linien um die Humeruskomponente, jedoch ohne Zunahme kompletter Lockerungen oder Revisionsoperationen [18, 40, 42].
Schlussfolgerung
Die Schlussfolgerung aus der Analyse der Rückkehrquoten und den sportartspezifischen Ergebnissen nach Schulterprothesenimplantation zeigt, dass der Prothesentyp, die Art der Sportart sowie patientenspezifische Faktoren entscheidend für die postoperative sportliche Aktivität sind. Während anatomische Schulterprothesen (aTSA) die höchsten Rückkehrquoten insb. für Schwimmen und Golf aufweisen, ermöglicht die inverse Schulterprothese (rTSA) gute Ergebnisse bei Sportarten mit geringeren Überkopfbelastungen. Faktoren wie präoperative sportliche Aktivität, das Alter der Patientinnen und Patienten und der Heilungsverlauf beeinflussen die Ergebnisse maßgeblich. Für den einzelnen Prothesentyp lässt sich sagen, dass die HHA die engste Indikationsstellung aufweist. Die Ergebnisse sind stark schwankend und zum Teil kann man nur eine schlechte präoperative Prognose abgeben. Sollte die Standzeit von 2 Jahren ohne Komplikationen überschritten sein, so zeigt sie jedoch ähnliche Ergebnisse wie die aTSA. Die aTSA zeigt für die Rückkehr zum Sport die besten Ergebnisse. Es sollte jedoch bedacht werden, dass die Funktion nach 10 Jahren aufgrund von fortschreitender Rotatorenmanschettendegeneration oder einer aseptischen Glenoidlockerung abnehmen kann. Die rTSA zeigt eine gute präoperative Vorhersagbarkeit hinsichtlich des Schmerzes und der Range of Motion. Die klinischen Standzeiten sind gut und die Indikation wird zunehmend ausgeweitet bis hin zu primären Omarthrosen. Dies führt zu soliden Rückkehrquoten in den Sport. Bei jüngeren Patientinnen und Patienten zeigt sich jedoch eine höhere Komplikationsrate und die Außenrotation ist im direkten Vergleich zum anatomischen Design reduziert.
Interessenkonflikte:
S. Siebenlist: Berater Fa. Arthrex, Fa. Medi, Fa. KLS Martin
J. Pogorzelski: Berater Fa. Arthrex
L. Lacheta, P. Zehnder: keine angegeben
Das Literaturverzeichnis zu
diesem Beitrag finden Sie auf:
www.online-oup.de.
Korrespondenzadresse
Prof. Dr. med. Sebastian Siebenlist, MHBA
Sektion Sportorthopädie
Technische Universität München
Ismaninger Straße 22
81675 München
sebastian.siebenlist@mri.tum.de
PD Dr. med. Lucca Lacheta, MHBA
Klinik für Orthopädie und
Sportorthopädie
Sektion Sportorthopädie
TUM Universitätsklinikum
Rechts der Isar
Ismaninger Straße 22
81675 München
Lucca.Lacheta@tum.de
