Übersichtsarbeiten - OUP 02/2026
Endoprothetischer Gelenkersatz an der Hand bei Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis
Guido Heers, Kathryn Hassel
Zusammenfassung:
Der endoprothetische Ersatz der Hand- und Fingergelenke hat spätestens mit der Einführung der neuesten Generation von Daumensattelgelenksprothesen wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen, die die Resektionsarthroplastik bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis als Standard verdrängen könnte. Langzeitergebnisse stehen hierzu jedoch noch aus.
Beim Ersatz des Handgelenks liegen mittlerweile langfristige Erfahrungen über Prothesen der 4. Generation vor, die aufgrund deutlich verbesserter Standzeiten mittlerweile eine echte Alternative zur Arthrodese darstellen.
Bei Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis ist die Indikation zum ungekoppelten Gelenkersatz abhängig vom Zustand des Knochens und des Kapsel-Bandapparats, was auch für den Ersatz der Fingergrund- und mittelgelenke gilt. Beim Ersatz dieser Gelenke können die ungekoppelten Prothesen bislang nicht überzeugen. Hier bleibt weiterhin die Arthrodese die Standardoption bei entsprechender Gelenkzerstörung.
Schlüsselwörter:
Rheumatoide Arthritis, Endoprothesen, Hand, Fingergelenk, Daumensattelgelenk
Zitierweise:
Heers G, Hassel K: Endoprothetischer Gelenkersatz an der Hand bei Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis
OUP 2026; 15: 74–78
DOI 10.53180/oup.2026.0074–0078
Summary: Endoprosthetic replacement of the hand and finger joints has attracted renewed interest, particularly following the introduction of the latest generation of thumb carpometacarpal joint prostheses. These implants have the potential to replace resection arthroplasty as the standard treatment in patients with rheumatoid arthritis; however, long-term outcome data are still lacking.
With respect to wrist arthroplasty, long-term experience is now available with fourth-generation prostheses. Owing to their significantly improved implant survival, these devices may have become an alternative to arthrodesis.
In patients with rheumatoid arthritis, the indication for unconstrained joint replacement depends on the condition of the bone as well as the capsuloligamentous structures; this also applies to replacement of the metacarpophalangeal and proximal interphalangeal joints. To date, unconstrained prostheses of these finger joints have not yielded convincing results in these joints. Consequently, arthrodesis remains the standard treatment option in cases of advanced joint destruction.
Keywords: Rheumatoid arthritis, endoprosthesis, hand, finger joint, carpometacarpal joint
Citation: Heers G, Hassel K: Endoprosthetic joint replacement of the hand in patients with rheumatoid arthritis
OUP 2026; 15: 74–78. DOI 10.53180/oup.2026.0074–0078
Vitos Orthopädische Klinik Kassel, Kassel
Einleitung
In der orthopädischen Sprechstunde werden aufgrund der verbesserten medikamentösen Behandlung destruktive Verlaufsformen der rheumatoiden Arthritis deutlich seltener. Genaue Zahlen sind hierzu jedoch nicht publiziert. Es gibt jedoch weiterhin Patientinnen und Patienten mit einer Progredienz der Erkrankung, die zum Verlust der Handgelenks- und Fingerfunktion führen kann. Die Vorstellung bei der Operateurin bzw. beim Operateur erfolgt häufig spät im Verlauf der Erkrankung, gelenkerhaltende Maßnahmen sind dann meistens nicht mehr möglich.
Versierte Operateurinnen und Operateure werden auch seltener. Rheumaorthopädische Operationstechniken, die früher Standardeingriffe an orthopädischen Klinken waren, sind heute meist nicht mehr Teil der Facharztausbildung. Auch werden gerade Eingriffe an der Hand zunehmend in den ambulanten Bereich verlagert, was zum einen den Weiterbildungsassistentinnen und -assistenten die Erfahrung nimmt und zum anderen die oftmals erforderliche multidisziplinäre Behandlung deutlich erschwert. Die Therapieoptionen orientieren sich weiterhin an der Klassifikation von Larsen, Dale und Eek (sog. LDE-Stadien).
Die Behandlung in den frühen Stadien besteht in einer Entfernung der Gelenkschleimhaut (Artikulosynovialektomie) oder des Sehnengleitgewebes (Tenosynovialektomie), ggf. mit Weichteilrekonstruktionen. In fortgeschrittenen Stadien (LDE 3–5) kommen rekonstruktive Eingriffe (Endoprothesen oder Arthrodesen) zum Einsatz.
An den Hand- und Fingergelenken findet die Behandlung in der Regel erst statt, wenn die untere Extremität mobilitätserhaltend versorgt ist, so dass die chirurgisch tätige Ärztin bzw. der chirurgisch tätige Arzt häufig vor einer schwierigen Aufgabe steht. Die Knochen sind klein und osteoporotisch und die stabilisierenden Bänder im besten Fall nur ausgeweitet, aber noch stabil.
Bislang gilt die Arthrodese am Handgelenk, der Swanson-Spacer im Fingergrundgelenk, die Resektionsarthroplastik am Daumensattelgelenk und die Arthrodese an den Fingermittel- und Endgelenken als Goldstandard mit den am besten voraussagbaren Ergebnissen. Die Endoprothetik an der Hand entwickelt sich jedoch immer weiter, so dass sich die Frage stellt, ob die modernen Prothesen die Standards verändern können.
Handgelenksendoprothetik
Die rheumatoide Arthritis ist neben der posttraumatischen Arthrose der häufigste Grund für die Implantation einer Handgelenksendoprothese oder alternativ für eine komplette Arthrodese, wobei die Arthrodese deutlich häufiger durchgeführt wird.
Während die Handgelenksarthrodese selbst bei fortgeschrittenen mutilierenden Verlaufsformen mit Knochenverlust, Instabilität und Fehlstellung durchführbar ist, um eine progressive Resorption des Carpus zu verhindern, ist die Indikation zur ungekoppelten Handgelenksendoprothese schwieriger zu stellen. Hier gelten im Prinzip die gleichen Voraussetzungen wie Oberflächenersatz am Kniegelenk, wobei die Frage nach der ausreichenden Bandstabilität am Handgelenk sehr viel Erfahrung bedarf. Silikon-Spacer im Handgelenk als weitere Alternative zur Fusion sind auch bereits seit langem verfügbar. Sie haben systembedingt eine deutlich eingeschränkte Funktion, brechen schnell und haben in der Regel bereits frühzeitig knöcherne Begleitreaktionen mit Synovialitis und Osteolysen. In einer Langzeitstudie zeigten sich bereits nach ca. 6–7 Jahren die Hälfte der Patientinnen und Patienten unzufrieden mit Spacerbrüchen [14].
Endoprothesen mit einem ungekoppelten Design waren frühzeitig auf dem Markt, die Wiederherstellung der komplexen Biomechanik des Handgelenks mit der Wiederherstellung der natürlichen Bewegungsachsen ist jedoch noch schwieriger als am Kniegelenk. Zudem müssen sich die Ergebnisse der Handgelenksendoprothesen mit denen der Arthrodese bzgl. Griffkraft, Schmerzreduktion und Komplikationsraten (insbesondere Infektions- und Lockerungsraten) messen.
