Übersichtsarbeiten - OUP 02/2026

Endoprothetischer Gelenkersatz an der Hand bei Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis

Frühere Studien zeigten erhebliche Komplikations- und Lockerungsraten. Für die APH-Prothese, implantiert bei 40 Patientinnen und Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis, wurden in einer Studie bspw. nach durchschnittlich 52 Monaten operative Revisionsraten Lockerungsraten von nahezu 100 % beschrieben [20] und das bei einem ursprünglich sehr optimistischen Bericht über die kurzfristigen Ergebnisse dieses Prothesentyps [19]. Die Vergleichbarkeit der publizierten Ergebnisse des endoprothetischen Handgelenkersatzes bei rheumatoider Arthritis ist jedoch aufgrund der unterschiedlichen retrospektiven Studien schwierig. In der Regel wird auch über das präoperative Destruktionsmuster nicht berichtet, so dass man die Ergebnisse kritisch werten sollte.

Cavaliere und Chung [2] vergleichen 2008 in einer aufwendigen Metaanalyse die Ergebnisse von Handgelenksarthrodesen und Handgelenksendoprothesen bei Patientinnen und Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis und sehen nach ihrer Analyse eine Überlegenheit der Arthrodese gegenüber der Endoprothese bzgl. Schmerzreduktion und Komplikationshäufigkeit (inkl. der Prothesenlockerung), so dass sie die Arthrodese bei Patientinnen und Patienten mit RA empfehlen.

Die Handgelenksprothesen wurden jedoch kontinuierlich weiterentwickelt. Zu der sogenannten 2. Generation zählen u.a. die Universal 2, die ReMotion, die Freedom-Prothese, das Motec-Implantat und die Maestro Prothese. Diese Implantate werden in den aktuellen Studien deutlich positiver bewertet. Neben einer signifikanten Schmerzreduktion und Verbesserung der Handgelenksfunktion wird über eine durchschnittliche 5-Jahres und 15-Jahres Überlebensrate der Universal 2 von 92 %, bzw. 78 % berichtet [18]. Auch das Motec-Handgelenksimplantat zeigt in Studien eine durchschnittliche Standzeit von 86 % nach 10 Jahren, was schon näher an die 10 Jahresergebnisse von Hüft- und Kniegelenk heranreicht. Die Studien in dieser Metaanalyse beinhalten jedoch nicht ausschließlich Patientinnen und Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis, was einen großen Unterschied macht [24].

Betrachtet man ausschließlich Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis bleibt jedoch auch in aktuellen Studien eine durchaus positive Bewertung. Die Universal 2 zeigte nach durchschnittlich 53 Monaten in nur 7 % der Fälle (von 85 Patientinnen und Patienten) schwere Komplikationen mit der Notwendigkeit einer operativen Revision [1]. Deutlich verbesserte Ergebnisse der aktuellen Modelle bestätigen auch andere Autorinnen und Autoren. Es werden Komplikationsraten von 18 % für die Prothesen der 1. Generation, von 22 % für die Prothesen der 3. Generation und von nur noch 11 % für die Endoprothesen der 4. Generation beschrieben [23], so dass die Endoprothesen mittlerweile eine ernsthafte Alternative zur Arthrodese auch bei rheumatoider Arthritis darstellen.

Fingergrundgelenke

Der Kapselbandapparat an den Fingergrundgelenken wird bei Befall der Fingergrundgelenke durch die rheumatoide Arthritis recht schnell instabil. Insbesondere die radialen Seitenbänder sind frühzeitig ausgeweitet, was die Balancierung der Fingerstellung beim ungekoppelten Gelenkersatz erschwert.

Der gekoppelte Gelenkersatz als mögliche Lösung dieses Problems zeigte bereits nach kurzer Zeit enttäuschende Resultate [20], so dass sich der Ersatz mit Swanson-Spacern anbietet, welche als „gekoppelte“ Implantate in der Lage sind, die Finger, ggf. zusammen mit einer Seitenband- und Streckerhaubenraffung zu rezentrieren, was alleine schon optisch und auch funktionell den Patientinnen und Patienten hilft (Abb. 1). Neben den bekannten Nachteilen wie der Siliconsynovialitis und dem Spacerbruch zeigen die Grundgelenke nach Spacerimplantation systembedingt ein leichtes Streckdefizit bei verminderter Beugung, so dass dieser Eingriff nur bei guter Beugefähigkeit der PIP-Gelenke durchgeführt werden sollte.

Auch neuere Silikon-Prothesen zeigen in einigen Studien bereits nach durchschnittlich 3,4 Jahren zwar eine Schmerzfreiheit bei nahezu allen Patientinnen und Patienten, aber bei 13 % einen Bruch des Implantates [13]. Positiver sind da die Erfahrungen von anderen Autorinnen und Autoren, die nach durchschnittlich 11 Jahren nur in 9 % der Fälle gebrochene Implantate und eine anhaltende Korrektur der präoperativ bestehenden Fehlstellung aber eine weiterhin schlechte Funktion mit einem durchschnittlichen Streckdefizit von 32°% und einer durchschnittlichen Beugung von 56° beschreiben [9].

Bei Patientinnen und Patienten mit einer degenerativen Gelenkerkrankung und erhaltenem Kapsel-Band Komplex sind ungekoppelte Prothesen, wie z.B. die häufig untersuchten Pyrocarbonprothesen eine Option mit einer Implantatüberlebensrate von 88 % nach durchschnittlich 10 Jahren, einer hohen Patientenzufriedenheit und einem durchschnittlichen Bewegungsumfang von 52° [6]. Die Ergebnisse bei Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis zeigen leider schlechtere Ergebnisse mit erwartbar höheren Komplikationsraten.

Ersten Erfolgsmeldungen mit Pyrocarbonprothesen [3] stehen die Ergebnisse anderer Autorinnen und Autoren [13] entgegen, die nach durchschnittlich 4 Jahren eine hohe Rate an Lysesäumen um die Prothese herum beobachteten und 18 % der Implantate bereits in diesem Zeitraum entfernen mussten. Eine erwartete Verbesserung des Bewegungsumfanges wurde postoperativ zudem nicht beobachtet.

In einer aktuellen Langzeitstudie bewerten die Autorinnen und Autoren die Ergebnisse von Pyrocarbonprothesen bei rheumatoider Arthritis positiver. Sie finden eine Standzeit von immerhin 81 % nach 10 Jahren und eine operative Revisionsrate von 15 % nach 5 +/- 3 Jahren. Der Bewegungsumfang verbesserte sich aber postoperativ leider nur gering; von durchschnittlich 37° auf 43° [4] und auch die Griffkraft konnte durch die Endoprothesenimplantation nicht gesteigert werden, was aber auch mit Silikon-Spacern nicht erreicht wird. Die radiale Raffung der Seitenbänder, ggf. mit einer Raffung, der zuvor am radialen Rand der Strecksehne abgetrennten Streckerhaube, wie bei Das Gupta und Haussmann [5] beschrieben, wird sowohl bei Swanson-Spacern als auch bei ungekoppelten Pyrocarbonprothesen empfohlen. Ob diese Zentrierung langfristig bei ungekoppelten Prothesen anhält, ist nach Studienlage unklar. Ein tatsächlicher Vorteil der ungekoppelten Prothesen gegenüber den Silastik-Spacern kann somit bislang nicht belegt werden. Bei ausgeprägter Gelenkzerstörung oder bei insuffizienten Bandstrukturen bleibt der endoprothetischen Gelenkersatz mit Silastik-Spacern von Swanson in Kombination mit einer Synovialektomie und Strecksehnenrezentrierung die beste Option. Die Resektionsinterpositionsarthroplastik bleibt als letzte Rückzugsmöglichkeit nach mehrfachem Spacerwechsel oder nach Infektion.

Fingermittelgelenke

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