Übersichtsarbeiten - OUP 04/2026

Gescheiterte inverse Prothese und Glenoidaufbau im Revisionsfall

Während Femurkopf-Allografts in der Literatur gute Heilungsraten zeigen, raten Ozgur et al. von der Verwendung überwiegend kortikal abgestützter femoraler Transplantate ab. In ihrer retrospektiven Untersuchung von 24 Wechseloperationen mit Glenoidaufbau bei medialisiertem Glenoid bei Knochenverlust erfolgte die Rekonstruktion meist einzeitig. Zur Unterstützung der Knochenheilung wurde rekombinantes humanes Knochenmorphogenetisches Protein-2 (BMP2) eingesetzt. Bis auf einen Fall versagten jedoch alle überwiegend kortikal abgestützten Femur-Allografts frühzeitig; als mögliche Ursache wurden Infraktionen an den Bohrungen der peripheren Schrauben festgestellt [29].

In einer retrospektiven Analyse von Gupta et al. [30] konnte auch bei exzentrischer Defektkonfiguration in 93 % der Fälle der Aufbau einzeitig vorgenommen werden. Eine frühzeitige Lockerung der Basisplatte wurde hier auf einen zu kurzen zentralen Zapfen zurückgeführt. Die Gesamtkomplikationsrate lag dort bei 13 %. Auch Gohlke et al. [5] berichten über hohe Einheilungsraten der Transplantate. In ihre Auswertung gingen insgesamt 145 Fälle mit großen Glenoiddefekten (58 % Typ 2 und 3) sowie sehr großen Defekten (42 % Typ 4 und 5) ein. In 56 Fällen wurde autologer Beckenkamm, in fünf Fällen ein Allograft verwendet. Bei 25 % der Patientinnen und Patienten erfolgte das Vorgehen zweizeitig. Die Erfolgsrate, definiert als Einheilung des Transplantats ohne Lockerung der Glenoidkomponente, lag sowohl nach einzeitigem als auch nach zweizeitigem Vorgehen bei über 90 %. Ob ein strukturelles autogenes (Beckenkamm) einem allogenen Transplantat überlegen ist, untersuchten Mahylis et al. [7]. Auch wenn in den Fällen mit strukturellem Autograft die Defekte signifikant größer waren, zeigten sich nach mindestens zwei Jahren keine Unterschiede hinsichtlich Transplantatintegration und -resorption, Glenosphärenposition sowie Notching-Rate. Auch bei den klinischen Ergebnissen gab es keinen Unterschied. Eine deutlich höhere Resorptionsrate zeigte sich hingegen in einer retrospektiven Studie von Ho et al. mit 44 Patientinnen und Patienten [31]. Davon waren nur sieben Revisionsindikationen. Während 25 % der autologen Späne nach einem Median von 20 Monaten lockerten, waren es bei den Allografts mit 50 % doppelt so viele. Die Autoren vermuten, dass Korrekturen zu großer Retroversionen ungünstig auf die Resorptions- und Lockerungsrate einwirkt [31]. Dass eine biologische und metallische Augmentation gut kombiniert werden kann, berichten Nabergoj et al. [32]. Sie verglichen die Ergebnisse einer rein knöchernen Augmentation und kombinierter knöcherner mit metallischer Augmentation, wobei der auszugleichende Defekt bei der kombinierten Gruppe größer war. Weder in der rein knöchernen, noch in der kombinierten Gruppe kam es nach 2 Jahren zu einer signifikanten Spanresorption. Die Flexion war sogar in der kombinierten Gruppe besser. Bei 37,5 % der Fälle mit alleinigem Knochenaufbau war eine partielle inferiore Spanresorption zu beobachten [32].

Gute Ergebnisse werden auch bei individuell gedruckten Implantaten berichtet. Rangarajan et al. untersuchten nach 1 Jahr 19 Patientinnen und Patienten, die mit einem individuellem Glenoid versorgt wurden über eine gute Einheilung und Funktion, aber auch über eine Komplikationsrate von 21 % von denen aber keine in Zusammenhang mit dem Glenoidimplantat stand [33]. Bei Ortmeier et al. gab es 12 Monate postoperativ bei einer Untersuchung von 9 Patientinnen und Patienten mit individuell gedrucktem Glenoid keine Komplikationen, weder eine Lockerung, noch inferiores Notching oder ein Revisionseingriff waren nötig [34].

Zusammenfassung

Die Rekonstruktion knöcherner Glenoiddefekte nach gescheiterter inverser Prothese stellt zählt zu den komplexesten Eingriffen in der Schulterchirurgie. Eine sorgfältige präoperative Planung und ein geschultes Team sind unerlässlich, um die Defektmorphologie zu verstehen und um eine geeignete Behandlungsstrategie zu bestimmen. Ist das verbleibende glenoidale Knochengewebe ausreichend stabil, kann eine einzeitige Rekonstruktion mit strukturellen Knochentransplantaten erfolgen. Sowohl autologes als auch allogenes Knochengewebe zeigt eine zuverlässige Einheilung, selbst bei ausgedehnten Glenoiddefekten. Die Kombination aus knöchernem Wiederaufbau des Glenoides und Inverser Prothese führt in der Regel zu guten Ergebnissen. Auch wenn die klinischen Erfolge bei knöchernen Aufbauten überzeugend sind, erreichen sie nicht die Ergebnisse Inverser Prothesen ohne strukturellen Knochenaufbau. Bei schweren Defekten bieten metallische, patientenindividuell gedruckte Glenoidkomponenten eine alternative Lösung. Die kurzfristigen Überlebens- und klinischen Nachbeobachtungsdaten sind derzeit vielversprechend, jedoch müssen aufgrund der fehlenden Rückzugsmöglichkeiten und möglichen Komplikationen die Ergebnisse im Langzeitverlauf abgewartet werden.

Interessenkonflikte:

Beide Autoren geben an, dass kein Interessenskonflikt besteht. Die Präsentation des Themas ist unabhängig und die Darstellung der Inhalte produktneutral.

R. Hudek weist auf folgende Beziehung hin: Aufwandsentschädigungen für Vorträge, Einsätze als Instruktor bei Operationskursen, Hospitationskursen, dem fachlichen Austausch und Beratungen von den Firmen Conmed und Permedica.

L.V. von Engelhardt weist auf folgende Beziehung hin: Aufwandsentschädigungen für Vorträge, Einsätze als Instruktor bei Operationskursen, Hospitationskursen, dem fachlichen Austausch und Beratungen von den Firmen Corin, Microport, Fx Solutions und Arthrex.

Korrespondenzadressen

Priv.-Doz. Dr. med. Robert Hudek

Sektion Schulter- und

Ellenbogenchirurgie

ATOS Klinik Fleetinsel Hamburg

20459 Hamburg

robert.hudek@atos.de

Prof. Dr. med. Lars Victor

von Engelhardt

Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sportmedizin am Klinikum Peine

Akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover

31226 Peine &

Universität Witten/Herdecke

58455 Witten

larsvictor@hotmail.de

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