Übersichtsarbeiten - OUP 02/2026

Häufige knöcherne Verletzungen der Hand und des Handgelenks

Die palmare winkelstabile Platten-osteosynthese (Abb. 3) stellt das Standardverfahren dar [14, 15]. Diese kann in Abhängigkeit von der Frakturform auch in Kombination mit einer dorsalen Plattenosteosynthese erfolgen [3, 14, 15].

Besonderheit bei kindlichen distalen Radiusfrakturen

Frakturen des distalen Radius im Kindesalter treten nahe der hochpotenten Wachstumsfuge auf. Knöcherne Verletzungen der distalen Radiusmetaphyse sowie bei den Epiphyseolysen mit und ohne metaphysären Keil kommt es im Verlauf des weiteren Wachstums zur Spontankorrektur von Fehlstellungen, sofern die Fuge hierzu noch ausreichend Zeit hat. Hier kann von akzeptablem Malalignment innerhalb der potenziellen Spontankorrektur gesprochen werden. Als Limit für ein zuverlässiges Remodeling wird eine verbleibende Wachstumsphase von weniger als 5 Jahren angesehen; das ist bei Mädchen ab dem 10. Lebensjahr und bei Jungen ab dem
12. Lebensjahr relevant [19, 23].

Kahnbein

Skaphoidfrakturen stellen mit bis zu ca. 80 % die bei Weitem häufigsten Frakturen der Handwurzel dar. Häufig handelt es sich bei der Verletzung des Skaphoids um eine Sportverletzung, die vor allem jüngere Menschen zwischen 20 und 40 Jahren betrifft. Das Verhältnis Männer zu Frauen ist 6:1. Die Inzidenz liegt bei ca. 0,5 % pro Jahr [12, 18]. Skaphoidfrakturen werden nicht selten übersehen und dementsprechend nicht oder inadäquat behandelt [7]. Kahnbeinfrakturen verursachen häufig nur diskrete Beschwerden, so dass keine Vorstellung bei einem Arzt erfolgt [7]. Die Hauptkomplikation der Skaphoidfraktur ist die Pseudarthrose, die unbehandelt zum karpalen Kollaps und zur Handgelenkarthrose führt [18]. Skaphoidfrakturen finden sich zu 70 % im mittleren Drittel, zu 20 % im proximalen Drittel und zu 10 % im distalen Drittel [2, 4].

Bildgebung

Röntgen

Grundlegend ist die Röntgenuntersuchung des Handgelenks in 2 Ebenen (Abb. 4), um das karpale Gefüge zu beurteilen (Sensitivität: 70 %, Spezifität 70–85 %). Bei Verdacht auf eine Skaphoidfraktur wird eine dritte Aufnahme nach Stecher (ulnare Abduktion, Faustschluss) empfohlen [2, 18]. Auf die sog. Kahnbeinquartettserie und auf Vergleichsaufnahmen der Gegenseite kann verzichtet werden. Die Zahl der sog. okkulten Skaphoidfrakturen mit passender Klinik, aber negativem Röntgenbild wird in der Literatur mit 20–40 % angegeben [6].

Computertomografie (CT)

Zur Abklärung einer möglichen Kahnbeinfraktur, die in der Projektionsradiografie nicht zu erkennen ist, ist die Dünnschicht-CT mit Schichtdicken von 0,5–0,6 mm als das Verfahren mit der höchsten Spezifität von 95–100 % und einer Sensitivität von 85–95 % [7]. Darüber hinaus erlaubt die CT das Staging einer Kahnbeinfraktur hinsichtlich Lokalisation, Anzahl, Dislokation und Stabilität der Fragmente sowie die Abklärung karpaler Begleitverletzungen, was in den meisten Situationen für die Therapieplanung unabdingbar ist [2, 7, 12, 18].

Magnetresonanztomografie

Die Sensitivität der MRT für die Detektion einer Kahnbeinfraktur beträgt zwar 100 %, aber die Spezifität ist mit 80–90 % niedriger als jene der CT, da nicht nur eine Fraktur, sondern auch ein harmloser Bone-bruise den typischen Befund eines lokalen Ödems verursacht. Beweisend für eine Kahnbeinfraktur im MRT ist somit nur die Kombination aus einem Ödem und einer in der T1– und T2-Gewichtung signalarmen Frakturlinie. Bei Erguss im Frakturspalt wird der Frakturspalt signalreich in der T2-Wichtung. Das MRT lässt aber kein sicheres Frakturstaging zu, wofür eine zusätzliche CT-Untersuchung notwendig ist. Um Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden, sollte eine MRT-Untersuchung im Rahmen einer Kahnbeinfrakturabklärung entweder bei Verdacht auf eine kindliche Kahnbeinfraktur – um beim wachsenden Skelett eine Strahlenbelastung durch ein CT zu vermeiden – oder bei negativem CT, aber ausgeprägten oder anhaltenden Beschwerden, welche auf eine Kahnbeinfraktur hindeuten, durchgeführt werden [2, 7, 12, 18].

Frakturklassifikation

Die Einteilung der Skaphoidfrakturen erfolgt anhand der nativradiologischen Bildgebung nach der Einteilung von Herbert. Da routinemäßig zur exakten Frakturbeurteilung eine CT-Untersuchung parallel zur Längsachse des Skaphoids erfolgen sollte, wurde die ursprünglich beschriebene Klassifikation nach Herbert mit zusätzlicher CT-Beurteilung nach Krimmer/Herbert modifiziert. Die Klassifikation unterscheidet dabei zwischen stabilen Frakturen (Typ A) und instabilen Frakturen (Typ B) (Tab. 3) [7, 10, 12, 19].

Therapie

Konservativ

Eine konservative Therapie unverschobener Skaphoidfrakturen des mittleren Drittels sollte nur innerhalb der ersten 4 Wochen nach Unfall begonnen werden [4]. Stabile Skaphoidfrakturen (Typ A1–A2 in der CT-Klassifikation nach Krimmer/Herbert) können in einem Kahnbeingips ausbehandelt werden. Der Skaphoid-Cast reicht vom Daumengrundgelenk bis zum proximalen Unterarm. Dabei wird das Handgelenk in 15°-Extension und der Daumenstrahl in 60° palmarer sowie 15° radialer Abduktion eingestellt, so dass die Daumenkuppe die Zeigefingerkuppe leicht berühren kann [4, 18]. Je nach Frakturlokalisation ist bei Typ-A1-Frakturen eine Retention von 4 Wochen ausreichend, während Typ-A2-Frakturen 6–8 Wochen ruhiggestellt werden sollten. Bevor die Ruhigstellung beendet ist, sollte abhängig von der klinischen Untersuchung, spätestens jedoch nach 4–8 Wochen, die Frakturheilung radiologisch kontrolliert werden. Eine Retentionszeit von 12 Wochen sollte nicht überschritten werden, um Einsteifungen und einen damit einhergehenden drohenden Funktionsverlust des Handgelenks vorzubeugen [2, 4, 12, 18]. Eine Vollbelastung kann bei knöcherner Konsolidierung nach 10–12 Wochen nach Therapiebeginn erfolgen [12].

Operativ

Operiert werden sollten Frakturen mit einer relevanten Dislokation (Frakturspaltweite ? 2 mm, Dislokation > 1 mm, Frakturtyp B1 und B2) sowie alle Frakturen des proximalen Pols (B3) und alle Skaphoidfrakturen im Rahmen einer perilunaren Luxationsfraktur (B4). Darüber hinaus kann die Osteosynthese auch bei stabilen, undislozierten Frakturen (A2) sinnvoll sein, um die Ruhigstellungszeit zu verkürzen und die sozioökonomischen Gesamtkosten der Behandlung zur reduzieren [12, 18]. Die Standardversorgung besteht aus der minimal invasiven anatomischen Rekonstruktion mithilfe einer kanülierten Doppelgewindeschraube (Abb. 5), welche gänzlich intraossär platziert wird. Grundsätzlich ist für Frakturen des mittleren Drittels eine Einbringung der Schraube antegrad von dorsal oder retrograd von palmar möglich, während Frakturen des proximalen Drittels von antegrad versorgt werden sollten. Aktuelle Daten zeigen hinsichtlich Non-union-Raten (Nicht-Konsolidierungsraten) (3–4 %), funktionellem Outcome und Komplikationen keine Überlegenheit der Zugangswege untereinander. Eine navigierte Versorgung zur Optimierung der Schraubenplatzierung konnte bisher das Outcome nicht verbessern [12, 16, 18]. Grundsätzlich sollte die operative Behandlung zeitnah nach dem Unfall, aber stets erst nach Abklärung der morphologischen Frakturmerkmale und der Operationsindikation mithilfe des CT erfolgen. Bereits innerhalb weniger Wochen nach dem Unfall nimmt die Wahrscheinlichkeit der Resorption der Fragmentflächen und der Ausbildung eines knöchernen Defekts zu. Dadurch kann statt einer minimalinvasiven Osteosynthese ein offenes Vorgehen mit Anfrischung der Fragmentflächen und knöcherner Defektfüllung erforderlich werden. Ebenso besteht beim Vorliegen einer primären traumatischen Defektzone gelegentlich die Notwendigkeit zur Durchführung einer Knochentransplantation. In den ersten 3–6 Wochen nach dem Unfall ist eine operative Versorgung ohne vermehrten Aufwand möglich. Die operative Behandlung ist bei allen instabilen Frakturen angezeigt. Favorisiert wird die Osteosynthese mit einer kanülierten Doppelgewindeschraube [12, 16, 18].

Mittelhandknochen (2–5)

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