Übersichtsarbeiten - OUP 02/2026

Rhizarthrose

Loreto C. Pulido, Libor Mada, Philipp Koehl, Alexander Schuh

Zusammenfassung:
Das knöcherne Grundgerüst des Daumensattelgelenkes bilden die Basen des Os metacarpale I sowie des Os trapeziums. Die Stabilität dieses Gelenks beruht auf dem feinen Gleichgewicht zwischen den passiven Bänderstrukturen. Die Rhizarthrose stellt mit einer Prävalenz von 7 % für Männer und 15 % für Frauen eine der häufigsten Arthrosen des Körpers und eines der häufigsten Krankheitsbilder der Handchirurgie dar. Bewegungseinschränkungen des End- oder Grundgelenkes des Daumens beeinträchtigen die Handfunktion deutlich geringer als der Verlust der Oppositionsfähigkeit bei Rhizarthrose. Insbesondere im Anfangsstadium kann eine konservative Therapie erfolgreich durchgeführt werden. Der Goldstandard der operativen Behandlung in Deutschland stellt die Resektions-(Interpositions)-Arthroplastik dar, wobei der endoprothetische Ersatz zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Entscheidung, welche Therapie durchgeführt wird, muss im Rahmen eines gemeinsamen Entscheidungsprozesses individuell getroffen werden, wobei das Alter, das Aktivitätsniveau und die Risikotoleranz der Patientin bzw. des Patienten sorgfältig gegen die jeweiligen Vor- und Nachteile der einzelnen Ansätze abgewogen werden müssen.

Schlüsselwörter:
Rhizarthrose, Diagnostik, Therapie, konservativ, operativ

Zitierweise:
Pulido LC, Mada L, Koehl P, Schuh A: Rhizarthrose
OUP 2026; 15: 58–64
DOI 10.53180/oup.2026.0058–0064

Summary: The bony framework of the thumb saddle joint is formed by the bases of the first metacarpal bone and the trapezium bone. The stability of this joint is based on the delicate balance between the passive ligament structures. With a prevalence of 7 % in men and 15 % in women, rhizarthrosis is one of the most common forms of osteoarthritis in the body and one of the most common conditions treated in hand surgery. Restricted movement of the end or base joint of the thumb impairs hand function significantly less than the loss of opposition in rhizarthrosis. Conservative therapy can be successful, especially in the early stages. The gold standard of surgical treatment in Germany is resection (interposition) arthroplasty, although endoprosthetic replacement is becoming increasingly important. The choice of therapy should be made individually as part of a joint decision-making process, carefully weighing the patient‘s age, activity level, and risk tolerance against the respective advantages and disadvantages of the individual approaches.

Keywords: Thumb carpometacarpal joint osteoarthritis, diagnosis, treatment, conservative, surgical

Citation: Pulido LC, Mada L, Koehl P, Schuh A: Thumb carpometacarpal joint osteoarthritis
OUP 2026; 15: 58–64. DOI 10.53180/oup.2026.0058–0064

L.C. Pulido, L. Mada: Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sektion Handchirurgie, Klinikum Fichtelgebirge, Marktredwitz

P. Koehl: Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Klinikum Fichtelgebirge, Marktredwitz

A. Schuh: Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sektion für Muskuloskelettale Forschung, Klinikum Fichtelgebirge, Marktredwitz

Anatomie

Das knöcherne Grundgerüst des Daumensattelgelenkes bilden die Basen des Os metacarpale I sowie des Os trapeziums. Die Stabilität dieses Gelenks beruht auf dem feinen Gleichgewicht zwischen den passiven Bänderstrukturen (Lig. carpometacarpale obliquum anterius, Lig. carpometacarpale obliquum posterius, Lig. carpometacarpale dorsoradiale, Lig. trapeziometacarpale und Lig. metacarpale dorsale I) und den aktiven Muskel-Sehnen-Strukturen (Abduktion: M. abductor pollicis longus und M. abductor pollicis brevis. Adduktion: M. extensor pollicis longus und M. adductor pollicis. Extension: M. extensor pollicis brevis. Flexion: M. flexor pollicis brevis. Opposition: M. opponens pollicis, M. flexor pollicis brevis, M. flexor pollicis longus und M. adductor pollicis. Reposition: M. abductor pollicis longus, M. extensor pollicis longus, M. extensor pollicis brevis) [4, 6]. Evolutionstechnisch gesehen ist der Daumen kein Finger, er unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht. Einzigartig ist hierbei die Fähigkeit zur Opposition – das Gegenüberstellen des Daumens –, welche für die präzise Greiffunktion von großer Bedeutung ist. Bewegungseinschränkungen des End- oder Grundgelenkes beeinträchtigen die Handfunktion deutlich geringer als der Verlust der Oppositionsfähigkeit [23]. Diese spezielle Bewegung wird durch die funktionelle Anatomie des Daumensattelgelenkes ermöglicht. Biomechanisch besitzt das Gelenk 2 Freiheitsgrade: Extension/Flexion und Abduktion/Adduktion. Die Greifbewegungen erfordern jedoch meist eine Zirkumduktionsbewegung, d.h. die Kreiselung des Daumens. Der Daumen ist für mehr als 40 % der Funktion der Hand verantwortlich, da die Fähigkeit zu greifen und zu drücken ohne seine Oppositionsfähigkeit nicht effektiv wäre [6]. Der Daumenstrahl ist aufgrund seiner Funktionalität somit essenziell für nahezu alle alltäglichen Aktivitäten [9, 13]. Das Daumensattelgelenk – so einzigartig es ist – ist somit durch die Anforderungen, die der Alltag an es stellt, besonders gefährdet [23].

Pathophysiologie

Die Rhizarthrose stellt mit einer Prävalenz von 7 % für Männer und 15 % für Frauen eine der häufigsten Arthrosen des Körpers und eines der häufigsten Krankheitsbilder der Handchirurgie dar [27]. Die Rhizarthrose wurde erstmals 1937 von Forestier [3, 14] beschrieben. Epidemiologische Studien haben ergeben, dass etwa ein Drittel der über 50-Jährigen eine radiologisch nachweisbare Arthrose des Daumensattelgelenkes aufweisen, wobei dieser Anteil bei den über 80-Jährigen auf bis zu 91 % ansteigt; allerdings besteht hier nur eine geringe Korrelation mit der klinischen Symptomatik [5]. Die Rhizarthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung des Daumensattelgelenks, die durch den fortschreitenden Verlust des hyalinen Knorpels und die Schädigung der Gelenkoberflächen gekennzeichnet ist. Dieser Prozess führt zu subchondraler Sklerose, Osteophytenbildung und einer deutlichen Instabilität des Gelenks [26]. Die Arthrose des Daumensattelgelenkes betrifft vorwiegend Frauen ab dem 40. Lebensjahr und wird meist mit Schmerzen beim Spitzgriff erstmals symptomatisch [35]. Die Prävalenz steigt ab der 6. Lebensdekade kontinuierlich an [22, 28]. Die großen Spitzenbelastungen des Daumensattelgelenkes mit bis zu 200 kg und die spezielle sattelförmige Anatomie mit nur 50 % Kongruenz der Gelenkflächen bewirken eine Ligamentinstabilität und verursachen mit 10 % die höchste, operationswürdige Arthroserate an der Hand, wobei in 20–30 % beide Seiten betroffen sind [35]. Bei Fortschreiten der Veränderungen kommt es zur Subluxation der Metakarpale (MC) I-Basis und damit einhergehend häufig zur Adduktionskontraktur der ersten Kommissur (Forestier-Zeichen), siehe unten. In fortgeschrittenen Stadien kann eine Überstreckung des Grundgelenkes auftreten bis hin zur Z-Deformität. Dies führt bei anhaltenden Belastungsschmerzen zur weiteren Funktionseinschränkung des Daumenstrahles und damit der ganzen Hand [35]. Als prädisponierender Faktor für eine Rhizarthrose wird die Bandlaxizität der Verbindungen zwischen dem ersten und zweiten Mittelhandknochen diskutiert. Es kommt zu einer dorsalen Translation der Mittelhandbasis mit einer Inkongruenz der Gelenkflächen [6]. Einige Berufe, die mit einer höheren manuellen Aktivität verbunden sind, sind aufgrund der größeren Belastung des Daumensattelgelenkes anfälliger für die Entwicklung einer Rhizarthrose. Zudem kann auch eine vermehrte familiäre Häufigkeit vorliegen oder Erkrankungen, die mit einer Hyperlaxität einhergehen wie bei einigen Bindegewebserkrankungen (z.B. Marfan-Syndrom oder Ehlers-Danlos-Syndrom) und allmählich zu einer Rhizarthrose führen [6]. Die Rhizarthrose kann auch sekundär nach einem Trauma auftreten oder in Verbindung mit einer rheumatologischen Erkrankung (z.B. rheumatoide Arthritis oder Chondrokalzinose) folgen. Einige anatomische Varianten des Os trapeziums, insbesondere wenn dieses flach oder schräg ist, begünstigen durch eine erhöhte Gelenkinstabilität das Auftreten einer Rhizarthrose [6, 25].

Beschwerden

SEITE: 1 | 2 | 3 | 4 | 5