Übersichtsarbeiten - OUP 05/2025
Wirksamkeit der Korsetttherapie bei akuter lumbaler SpondylolyseEin systematisches Review
Alle Titel wurden in die Software EndNote überführt, die Duplikate wurden mit der Funktion „Find Duplicates“ entfernt. Alle Titel und Zusammenfassungen wurden aus den genannten Datenbanken extrahiert und nach den Einschlusskriterien gescreent. Potenziell relevante Studien wurden anhand der folgenden Kriterien identifiziert und zur Volltextbewertung herangezogen: (1) Akute Spondylolyse; (2) Korsett-Therapie; (3) Humanstudien; (4) Englisch- oder deutschsprachige Studien.
Folgende Kriterien und Outcomes führten zum Ausschluss einer Studie in die Analyse: (i) Übersichtsarbeiten oder Meta-Analysen; (ii) Betrachtung chronischer Spondylolysen bzw. keine eindeutige Differenzierung zwischen akuter und chronischer Spondylolyse; (iii) Operative Behandlungen oder Behandlungen, die nicht die Korsett-Therapie einschließen; (iv) Kombination mit anderen Krankheitsbildern (Abb. 1).
Datenerhebung und -extraktion
Primäres Untersuchungsergebnis war die Knochenheilung bzw. -union bei akuter Spondylolyse infolge konservativer Behandlung unter Nutzung eines Korsetts. Analysiert wurden radiologische Ergebnisse, der durchschnittliche Anteil vollständiger Knochenheilung/-union (radiologisch: Kontinuität und kein sichtbares Ödem) sowie der Zeitpunkt der Heilung. Weitere zentrale Ergebnisse umfassten die Rückkehrrate zum Sport, die Zeit bis zur Wiederaufnahme und die Schmerzmanifestation, bewertet mit dem Scoliosis Research Society-24 (SRS-24) -Fragebogen [15].
Der SRS-24-Fragebogen bewertet die gesundheitsbezogene Lebensqualität spezifisch bei Patientinnen und Patienten mit Skoliose und umfasst Dimensionen wie Schmerz, Selbstwahrnehmung, psychisches Wohlbefinden und funktionelle Einschränkungen [15].
Sekundäre Ergebnisse betrafen Populationsmerkmale (Stichprobengröße, Geschlechterverteilung, Durchschnittsalter, betroffene Lokalisation und Sportart) sowie Behandlungsmerkmale (Therapieart, Behandlungsdauer, Korsetttyp, Auswertungsmethoden, Behandlungsprotokolle und Komplikationen).
Datenanalyse
Die Knochenunion wurde als durchschnittlicher Prozentsatz berechnet und differenziert nach Korsetttyp sowie nach dem Stadium der akuten Spondylolyse nach Ödem, Fissur oder Fraktur angegeben. Die mittlere Heilungsdauer sowie die Rückkehrrate zum Sport wurde in Monaten und Wochen angegeben. Zur Erfassung der Schmerzsymptomatik wurde der Schmerzteilscore (Frage 1) des SRS-24-Fragebogens herangezogen. Anschließend wurden die Ergebnisse in Abhängigkeit vom verwendeten Korsetttyp ausgewertet.
Studienqualität
Die methodische Qualität und das Verzerrungsrisiko der Studien wurden entsprechend des jeweiligen Studiendesigns anhand der Joanna Briggs Institute (JBI)-Checklisten für Fallserien und Kohortenstudien bewertet (Tab. 1, 2) [16, 17]. Zwei unabhängige Gutachter (L.R. und A.S.) führten die Bewertung der methodischen Studienqualität der eingeschlossenen Arbeiten durch. Im Falle von Diskrepanzen erfolgte Klärung durch eine dritte unabhängige Person (M.C.).
Ergebnisse
Auswahl der Studien
Es wurden insgesamt 564 Treffer der Suche identifiziert. Davon wurden 27 Volltexte genauer geprüft, um deren Eignung für die vorliegende Studie zu bewerten. Die Ergebnisse von Suche, Screening sowie die Gründe für den Ausschluss von Volltexten sind im PRISMA-Flussdiagramm dargestellt (Abb. 1). Letztlich erfüllten 4 retrospektive Fallserien und 2 prospektive Kohortenstudien die Einschlusskriterien und konnten in die systematische Analyse einbezogen werden [2, 18–22] (Tab. 3). Die eingeschlossene Studie von Sutton et al. (2012) wurde aufgrund unzureichender Qualität und lediglich 2 konservativ behandelter Personen nicht in die detaillierte Ergebnisanalyse (ab Abschnitt „Merkmale der Population und Behandlung“) einbezogen (Analyse in der methodischen Qualität im Abschnitt „Methodische Qualität“).
Merkmale der Population und Behandlung
In den 5 einbezogenen Studien konnten von 211 eingeschlossenen Personen 218 akute Pars-Defekte analysiert werden, die in der Übersichtsarbeit berichtet werden (weitere n = 52 Pars-Defekte aus analysierten Subgruppen mit chronischen Lysen wurden nicht betrachtet). Die eingeschlossenen Personen waren 6–22 Jahre alt, 78 % davon männlich und 22 % weiblich [18–21]. Vier Studien bezogen sich ausschließlich auf Fälle von Kindern und Jugendlichen. Zwei der 5 eingeschlossenen Studien untersuchten Athletinnen und Athleten, die vorwiegend Mannschaftssportarten: Baseball (n = 15), Fußball (n = 11) und Basketball (n = 7) betrieben [18, 19]. Drei Studien untersuchten pädiatrische sportlich aktive Patientinnen und Patienten [2, 20, 21]. In den Studien von Sakai et al. (2017) und Asai et al. (2023) wurden Ödeme, Fissuren und Frakturen betrachtet, während sich die Studie von Nakashima et al. (2022) auf die Frühstadien der Spondylolyse fokussierte und ausschließlich Ödeme und Fissuren untersuchte. In den Studien von Virrki et al. (2023) und Sairyo et al. (2017) wurden akute Fissuren und Frakturen eingeschlossen.
Die Lokalisation der Spondylolyse betraf selten das Segment L3 (4 %), häufiger die Segmente L4 (31 %) und/oder L5 (65 %). Alle Studien kombinierten die Korsetttherapie mit Physiotherapie und Sportmodifikation bzw. Belastungsreduktion. Es wurden unterschiedliche Korsetttypen verwendet: ein halbstarres lumbosakrales Korsett [19], eine elastische lumbale Stütze (Elastic-Lumbar-Support) [20], zwei starre thorakolumbale Korsetts [19, 20] und zwei starre thoraco-lumbo-sakrale Korsetts (Trunk Brace) in den Studien von Sakai et al. (2017) und Sairyo et al. (2012). Die Behandlungsdauer betrug 12 Wochen in den Studien von Asai et al. (2023), Nakashima et al. (2022) und 16 Wochen bei Virkki et al. (2023). In den Studien von Sairyo et al. (2012) und Sakai et al. (2017) wurde keine Behandlungsdauer festgelegt.
Knochenheilung
Die Knochenheilung-/union wurden durch wiederholte bildgebende Verfahren (MRT und CT) bewertet. Die konservative Behandlung mittels Korsetts führte bei insgesamt 88 % der eingeschlossenen Personen zu einer vollständigen knöchernen Heilung. Die Studie von Nakashima et al. (2022) verzeichnete eine Knochenheilung sowie eine vollständige Rückbildung des Ödems im MRT von 94 % nach einer Kombination aus Sportmodifikation, Physiotherapie und Korsettbehandlung [19], zu 71 % wurde die Knochenunion sowie das Verschwinden des Knochenmarködems infolge von Sportkarenz, Korsett und Physiotherapie (einschließlich isometrischer Übungen des Rumpfes, Dehnung der ischiokruralen Muskulatur, flexionsbasierter Übungen und aerober Ausdauereinheiten) in den Studien von Asai et al. (2023) und Virkki et al. (2023) beobachtet. In den Studien von Sairyo et al. (2012) und Sakai et al. (2017) wurden in 91 % der Fälle eine Knochenunion und rückläufige Knochenmarködem infolge von absoluter Sportkarenz ohne physiotherapeutische Intervention erzielt [2, 21].