Übersichtsarbeiten - OUP 05/2025
Wirksamkeit der Korsetttherapie bei akuter lumbaler SpondylolyseEin systematisches Review
Sportarten mit wiederholter Hyperextension und axialer Belastung der Wirbelsäule, darunter Baseball, Gymnastik, Fußball, Tennis und Gewichtheben, erhöhen bekanntermaßen das Risiko für Parsfrakturen [24]. Biomechanische Analysen mittels Finite-Elemente-Methode bestätigten, dass die Pars interarticularis auf der Rotationsrichtung entgegengesetzten Seite besonders stark belastet wird. Dies erklärt die häufige einseitige Spondylolyse in Sportarten mit wiederholter Rotation, wie Cricket [25]. Studien zur unbehandelten Entwicklung der Pathologie zeigen ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Spondylolisthesis, vor allem bei sportlich aktiven Personen unter 15 Jahren [8]. Die frühzeitige und adäquate Therapie der akuten Spondylolyse hat demnach besonders im Sport eine perspektivisch hohe Bedeutung. Sie zielt darauf ab, eine knöcherne Heilung bzw. Union zu erreichen, um uneingeschränkte körperliche und sportliche Aktivität zu ermöglichen [26]. Chronische Spondylolysen und Spondylolisthesen sind mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für wiederkehrende und chronische Schmerzen assoziiert [27]. Da insbesondere chronische Rückenschmerzen einen wesentlichen Faktor darstellen, weshalb junge Sportlerinnen und Sportler die sportliche Laufbahn in der gewählten Sportart aufgeben, kommt dementsprechend der vollständigen Heilung der akuten Spondylolyse eine wesentliche Bedeutung zu [27]. In den analysierten Studien wurde eine hohe Rate der Spondylolyse insbesondere in Baseball, Fußball und Basketball beobachtet.
Bildgebung und Diagnostik
Die Magnetresonanztomografie (MRT) gilt in der Diagnostik der akuten Spondylolyse als bildgebender Goldstandard, da sie strahlenfrei ist und eine vergleichsweise hohe Sensitivität von etwa 80 % aufweist [28]. Insbesondere T2-gewichtete, wassersensitive Sequenzen wie die Short Tau Inversion Recovery (STIR) bieten eine hohe diagnostische Aussagekraft bei der Detektion von Knochenmarködemen. Diese sind als Ausdruck einer akuten Überlastungsreaktion zu werten und ermöglichen somit die Unterscheidung zwischen symptomatischen und asymptomatischen Parsdefekten [29, 30]. Eine technische Limitation der MRT besteht jedoch in der begrenzten Schichtdicke, wodurch frühe Stressfrakturen möglicherweise nicht zuverlässig dargestellt werden. In solchen Fällen kann zum „Staging“ die ergänzende Durchführung einer Computertomografie (CT) erwogen werden [31].
In den eingeschlossenen Studien wurde die MRT mit einer CT kombiniert, um die diagnostische Genauigkeit weiter zu erhöhen. So setzten Virkki et al. (2023) sowohl T1– als auch T2-gewichtete MRT-Sequenzen ein und ergänzten diese durch CT. Asai et al. (2023) kombinierten STIR-MRT mit CT und Röntgen zur Klassifikation der Spondylolyse. Auch Nakashima et al. (2022) nutzten STIR-MRT und führten im Anschluss eine CT durch. Die SPECT gilt als besonders sensitiv in der Erkennung von lokalen knöchernen Prozessen, die bei unauffälligem Röntgen, Überlastungsreaktionen in der Pars interarticularis visualisiert und den Therapieerfolg durch veränderte Aufnahmemuster nachverfolgen kann [32, 33]. Die Strahlenbelastung stellt jedoch ein Risiko für junge Personen dar, weshalb in den vergangenen Jahren zunehmend dünnschichtige Sequenzen der MRT (z.B. sog. T1-VIBE-Sequenzen) entwickelt wurden, um CT-ähnliche Aussagen über die knöcherne Beschaffenheit im Bereich der Wirbelbögen treffen zu können [1, 34]. CT-Scans sind dennoch weiterhin von hoher Relevanz zur Klärung der Indikation operativer Maßnahmen bei chronischer Schmerzproblematik während Entwicklung einer chronischen Lyse, bei der durch weitere konservative Behandlung die knöcherne Heilung unwahrscheinlich ist [20, 35–37].
Zeitpunkt zur Rückkehr sportlicher Aktivität
Typische konservative Behandlungsansätze bei akuter Spondylolyse umfassen eine initiale Phase körperlicher Schonung über 2–6 Monate, wobei insbesondere belastende Aktivitäten für die betroffene Region vermieden werden sollen [38]. Hinsichtlich der optimalen Dauer dieser Ruhephase bis zum Beginn einer physiotherapeutischen Behandlung besteht jedoch keine einheitliche Meinung.
In einer retrospektiven Untersuchung an 196 Jugendlichen zeigte sich, dass eine kürzere initiale Ruhezeit mit einer schnelleren Rückkehr zur sportlichen Aktivität assoziiert war, wohingegen einige Behandelnde längere Ruhephasen bevorzugen, um potenziellen Komplikationen wie bspw. einer Progression der Spondylolyse oder einem Übergang zur Spondylolisthesis vorzubeugen [39]. Auch in der Studie von Nakashima et al. (2022) wurden sehr gute klinische Ergebnisse berichtet, insbesondere eine hohe Rate an knöcherner Heilung (94,3 %). Die Rückkehr zur sportlichen Aktivität erfolgte dort bereits nach 10 Wochen, unabhängig vom radiologischen Nachweis einer vollständigen Knochenheilung. Eine konkrete Rückkehrrate zum Sport wurde in dieser Arbeit jedoch nicht angegeben. Im Gegensatz dazu verfolgte die Studie von Asai et al. (2023) einen konservativeren Ansatz mit einer Sportkarenz, gefolgt von einer Rückkehr zum Sport nach eigenem Ermessen innerhalb von 5 Monaten. Trotz dieser restriktiveren Vorgehensweise wurde mit 78 % keine höhere Rückkehrrate zum Sport erreicht [18].
Wirksamkeit der Korsetttypen
Die in der systematischen Analyse betrachteten Studien zeigen, dass verschiedene Korsetttypen unabhängig von ihrem Anwendungsbereich oder ihrer Elastizität wirksam sein können. Darüber hinaus erscheint es eindeutig, dass eine frühzeitige Diagnose mit einer höheren Erfolgsrate der Behandlung assoziiert ist. Sairyo et al. (2012) berichteten, dass in über 90 % der Frühstadien-Fälle eine vollständige knöcherne Heilung innerhalb von 3 Monaten mithilfe eines starren Korsetts erreicht wurde. Ibiebele et al. (2022) betonten hingegen, dass eine lumbosakrale Orthese eine vergleichbare Wirksamkeit wie eine thorakolumbosakrale Orthese zeigt, jedoch möglicherweise besser toleriert wird. Obwohl Korsetts in der klassischen Behandlung eingesetzt werden, ist ihre alleinige Wirksamkeit nicht eindeutig belegt [39]. In der Übersicht wurde die Korsetttherapie häufig in Kombination mit Physiotherapie, Sportmodifikation oder Sportkarenz als erfolgversprechender konservativer Therapieansatz bei akuter Spondylolyse dargestellt. Allerdings bleibt unklar, ob das Tragen eines Korsetts allein vergleichbare Behandlungserfolge erzielen kann. Die Metaanalyse von Klein, Mehlman und McCarty (2009) untersuchte die Wirksamkeit nicht-operativer Behandlungsansätze bei Kindern und jungen Erwachsenen mit Spondylolyse oder Grad-I-Spondylolisthesis [40]. Die Erfolgsrate hinsichtlich klinischer Parameter lag bei 84 %. Ein Vergleich zwischen Personen, die mit einem Korsett behandelt wurden, und solchen ohne Korsett ergab keinen signifikanten Unterschied im Behandlungserfolg. Auch in der prospektiven, randomisierten Studie von Virkki et al. (2024), die über einen Zeitraum von 2 Jahren den Einsatz einer starren thorakolumbalen Orthese (Boston-Brace) mit einer elastischen Lendenstütze (Placebo) bei Jugendlichen mit akuter Spondylolyse verglich, konnte kein signifikanter Unterschied in der knöchernen Heilungsrate festgestellt werden. Auch hinsichtlich der Schmerzreduktion fanden sich keine erheblichen Differenzen zwischen den Gruppen. Diese Ergebnisse wurden durch die Anwendung des SRS-24-Teilscores für Schmerzen analysiert. (Boston-Brace: 4,6 vs. Placebo: 4,5 nach 24 Monaten). Der SRS-24 (Scoliosis Research Society-24) ist ein validiertes Instrument zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei Wirbelsäulenpatientinnen- und patienten. Er umfasst mehrere Subskalen, darunter Schmerz, Funktion, Aktivität, Selbstbild und Zufriedenheit. Durch die differenzierte Bewertung einzelner Dimensionen wie des Schmerz-Subscores erlaubt er eine gezielte Einschätzung patientinnen- und patientenbezogener Therapieergebnisse [15]. Diese Befunde werfen die Frage auf, ob die beobachteten Therapieeffekte primär durch die Reduktion körperlicher Aktivität bedingt sind oder ob das Korsett einen eigenständigen therapeutischen Nutzen besitzt [20, 23].