Übersichtsarbeiten - OUP 05/2025

Wirksamkeit der Korsetttherapie bei akuter lumbaler Spondylolyse
Ein systematisches Review

Die Heilungsrate variierte je nach verwendetem Korsetttyp. Bei der Anwendung eines starren Korsetts betrug die Erfolgsquote 87 %, während sie bei elastischen bzw. halbstarren lumbosakralen Korsetts zu 86 % erreicht wurde (Abb. 2). Die knöcherne Heilung variierte je nach Stadium der Spondylolyse. Bei geringgradigem Pathologiebefund (isoliertem intramedullärem Knochenödem im MRT) lag die Rate bei 100 % [18, 19, 21]. Bei Vorliegen einer Fissurlinie variierte sie zwischen 75 % [18] und 100 % [20]. In den Studien von Virkki et al. (2024), Sakai et al. (2017) und Sairyo et al. (2012) wurde die Knochenunion bei vollständiger Fraktur mit 55 % [20], 64 % [2] und 80 % [21] angegeben (Abb. 3).

Die durchschnittliche Zeit bis zur Knochenheilung lag bei 3,4 Monaten (15 Wochen) [2, 18, 19, 21]. In 3 Studien kontrollierte man diese zunächst mittels MRT. Im Fall der vollständig regredienten Signalintensität erfolgte ergänzend die den Befund betätigende Computertomografie (CT) [18, 19, 21]. In der Studie von Virkki et al. (2023) wurden keine MRT-Zwischenuntersuchungen durchgeführt. Die Bewertung der Knochenheilung erfolgte in dieser Studie ausschließlich im Rahmen der Abschlussuntersuchung nach 16 Wochen mittels CT. Die Untersuchung von Sairyo et al. (2012) berichtete ebenfalls über die Verwendung von MRT und CT, jedoch ohne weitere Informationen zum spezifischen Vorgehen.

Schmerzmanifestation

Die SRS-24-Ergebnisse des Teilscores für die Schmerzsymptomatik zeigten eine Schmerzreduktion unabhängig von dem verwendeten Typ der Orthese. Vor Therapiebeginn lagen die mittleren Werte bei 3,4 (3,1–3,7) in der Gruppe mit starrem thorakolumbalen Korsett (Boston-Brace) und 3,5 (3,3–3,8) in der Gruppe mit elastischer Stütze (Elastic-Lumbar-Support). Nach 4 Monaten stiegen die Werte auf 4,3 (4,1–4,7) bzw. 4,5 (4,2–4,7) [20] mit einhergehender Schmerzreduktion.

Rückkehr zum Sport

Die Rückkehr zum Sport wurde lediglich in der Studie Asai et al. (2023) auf Basis rückläufiger Symptome angegeben ohne vorheriger Bildgebungskontrolle. Im Beobachtungszeitraum kehrten 78 % der Personen (2 professionelle Athleten und 7 Amateur-College-Sportlerinnen- und Sportler) innerhalb von 5 Monaten zum Sport zurück.

Methodische Qualität

Die methodische Qualität der Fallserien lag im Durchschnitt bei 7 von 10 Punkten (Spanne: 5–7). Es wurden fehlende demografische Angaben, unzureichende Informationen zum Studienort sowie das Fehlen statistischer Analysen dokumentiert. In der Studie von Sutton et al. (2012) wurden zudem unklare Einschlusskriterien sowie ein Drop-out von über 10 % berichtet. Alle eingeschlossenen Fallserien [2, 18, 21, 22] wiesen weder Verblindung noch Randomisierung oder Kontrollgruppen auf. Das Risiko für Selektionsbias (-verzerrung) wurde bei Asai et al. (2023) als gering, bei Sutton et al. (2012) als hoch sowie bei Sakai et al. (2017) und Sairyo et al. (2012) als moderat eingeschätzt. Das Risiko für Informationsbias war in allen Fallserien gering, während das Risiko für Attritionsbias bei Sutton et al. (2012) als hoch, bei Sairyo et al. (2012) als moderat und bei Asai et al. (2023) sowie Sakai et al. (2017) als gering bewertet wurde. Aufgrund des hohen Bias-Risikos (50 % im JBI-Score) wurde die Studie von Sutton et al. (2012) nicht in die detaillierte Analyse der Hauptergebnisse einbezogen.

Die Kohortenstudien von Virkki et al. (2023) und Nakashima et al. (2022) erreichten 9 von 11 bzw. 7 von 9 Punkten. Virkki et al. (2023) berichtete über das Fehlschlagen einer Randomisierung und keine Verblindung. Nakashima et al. (2022) implementierte Verblindung, jedoch keine Randomisierung. In beiden Studien wurde ein hohes Risiko für Attritionsbias aufgrund unvollständiger Nachbeobachtungen festgestellt. Das Risiko für Confounding- und Informationsbias war in beiden Arbeiten gering.

Diskussion

Ergebnisse der Studien

In die systematische Analyse zu Studien mit Korsetttherapie bei akuter Spondylolyse konnten 5 Untersuchungen, bestehend aus 3 retrospektiven Fallserien und 2 prospektiven Kohortenstudien, eingeschlossen werden. Randomisiert-kontrollierte Untersuchungen wurden bislang nicht durchgeführt, sodass die Evidenz in der Korsettbehandlung bei akuten Spondylolysen als eingeschränkt zu betrachten ist. Die Rate der Knochenheilung bzw. -union betrug über alle eingeschlossenen Studien durchschnittlich 88 % nach im Mittel 3,4 Monaten (15 Wochen). Mit steigendem Schweregrad der Spondylolyse nimmt die Heilungsrate ab. Demgegenüber ist derzeit anhand der eingeschlossenen Studien unklar, inwiefern der Korsetttyp die Rate der knöchernen Durchbauung positiv beeinflussen kann. Hinsichtlich der Schmerzreduktion zeigte sich die Wirksamkeit der thorakolumbalen Korsetts mit der der elastischen lumbalen Stützen vergleichbar.

Bewertung der
Knochenheilung

In der systematischen Übersicht wurde ausschließlich die akute Spondylolyse betrachtet, bei der das sehr frühe Stadium der knöchernen Stressreaktion (ausschließlich Ödem), das frühe Stadium mit beginnender kortikaler Unterbrechung (entsprechend einer Stressfissur) und das progressive Stadium mit vollständiger Stressfraktur differenziert werden [1, 10]. Für die in den Studien erhobenen Befunde mittels CT-Bildgebung wurde ein analoges dreistufiges Bewertungsschema angewendet, um eine entsprechende Befundgraduierung in Stressreaktion (Ödem), Fissur oder Fraktur vornehmen zu können [21]. Während Virkki et al. (2024), Sakai et al. (2017) und Sairyo et al. (2012) sowohl Ödeme, Fissuren als auch vollständige Frakturen einbezogen, beschränkten sich Asai et al. (2023) und Nakashima et al. (2022) auf Frühstadien der Spondylolyse, bei denen lediglich Knochenmarködeme und Fissuren vorlagen. Über alle Untersuchungen zeigte sich eine Heilungssrate von durchschnittlich 88 % nach im Mittel 3,4 Monaten. Die höheren Raten in den Studien mit Korsetttherapie deuten auf einen potenziellen therapeutischen Nutzen der Orthesenbehandlung hin. In den eingeschlossenen Studien wird deutlich, dass isolierte Ödeme zu 100 % ausheilen. Mit zunehmendem Läsionsgrad waren die knöchernen Konsolidierungsraten hingegen erniedrigt (< 60 % im Fall von Fraktur). Der Einfluss des Korsetttyps erscheint auf Basis der gewonnenen Daten weniger relevant. In einer der eingeschlossenen Studien konnte kein signifikanter Vorteil bei der Verwendung eines starren Korsetts verglichen zu einer elastischen Stütze bezüglich der Rate und des Zeitpunkts der knöchernen Heilung gesehen werden [20]. Demgegenüber zeigte sich in einer kürzlich publizierten randomisierten Studie an 57 Personen mit akuter Spondylolyse kein Vorteil der Korsetttherapie gegenüber einer Placebobehandlung die Heilungsraten betreffend [23].

Sportliche Belastung und
akute Spondylolyse

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