Übersichtsarbeiten - OUP 05/2025
Wirksamkeit der Korsetttherapie bei akuter lumbaler SpondylolyseEin systematisches Review
Die Aussagekraft der Ergebnisse wird durch mehrere Limitationen eingeschränkt. Eine zentrale Herausforderung ist die Heterogenität der Kohorten: Während Virkki et al. (2023), Sairyo et al. (2012), Sakai et al. (2017) und Nakashima et al. (2022) pädiatrische Patientinnen und Patienten untersuchten, unabhängig vom Aktivitätsniveau, fokussierte sich Asai et al. (2023) auf sportlich aktive Erwachsene unterschiedlicher Leistungsniveaus. Diese Unterschiede schränken die Vergleichbarkeit und eine Generalisierbarkeit der Ergebnisse ein. Die geringe Anzahl verfügbarer Studien führte zu kleinen Stichproben und niedriger statistischer Aussagekraft. Unterschiede bei Orthesen, fehlende Zwischenuntersuchungen sowie variierende Messinstrumente und inkonsistente Definitionen der sportlichen Rückkehr erschweren den Vergleich. Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist das Fehlen kontrollierter Studien, in denen der Einsatz eines Korsetts systematisch mit einer Kontrollgruppe ohne Korsett oder mit alleiniger konservativer Therapie (z.B. Physiotherapie und/oder Sportmodifikation) verglichen wurde. Dadurch ist eine isolierte Bewertung der Wirksamkeit der Korsettbehandlung nicht möglich, die bestehenden Studien erlauben lediglich Aussagen zur Effektivität multimodaler Therapieansätze.
Therapieempfehlungen
Die systematische Analyse legt nahe, dass die Korsetttherapie mit elastischer Orthese im Rahmen einer multimodalen Therapie mit Physiotherapie und sportlicher Belastungsreduktion eine effektive konservative Behandlungsmethode für die akute Spondylolyse darstellen kann. Dabei ist mit einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von mindestens 12 Wochen zu rechnen. Insbesondere in den ersten 4 Wochen sollte das Korsett durchgehend tagsüber getragen werden, um die Chance auf eine knöcherne Heilung zu fördern [26]. Ergänzend wird isometrisches Rumpfstabilisierungstraining sowie wöchentliche Dehnübungen der ischiocruralen Muskulatur empfohlen. Nach etwa 6 Wochen und erreichter Schmerzfreiheit ist eine schrittweise Wiederaufnahme aerober sportlicher Aktivitäten außerhalb des Korsetts möglich, wobei risikoarme Sportarten wie Schwimmen und Radfahren bevorzugt werden sollten [26]. Bei Beschwerdefreiheit nach 10 Wochen kann die Belastung gesteigert werden. Eine uneingeschränkte Sportfreigabe erfolgt, in Abhängigkeit des Befundstadiums zu Therapiebeginn, üblicherweise frühestens nach 12 Wochen [18].
Schlussfolgerung
Die Ergebnisse dieses systematischen Reviews deuten darauf hin, dass die konservative Therapie mit Korsetts bei Personen mit akuter Spondylolyse eine wirksame Behandlungsoption darstellt. Eine Knochenheilungsrate von 88 % nach durchschnittlich 3,4 Monaten und eine Rückkehrrate zum Sport von 78 % ist nach 5 Monaten zu erwarten. Trotz der festgestellten Schmerzreduktion sind die resultierenden Werte variabel, und es bleibt unklar, inwieweit die positive Entwicklung auf die Korsetttherapie oder begleitende Maßnahmen zurückzuführen ist. Zukünftige Studien sollten den Unterschied zwischen akuter und chronischer Spondylolyse stärker herausarbeiten und einheitliche Bewertungsmethoden sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen implementieren, um die Effektivität der Behandlung zu optimieren und passende Therapieansätze zu entwickeln. Der Vergleich unterschiedlicher Korsetttypen könnte zudem dazu beitragen, individuellere und wirksamere Behandlungsmöglichkeiten zu etablieren, um die Genesung und eine sichere Rückkehr zum Sport zu gewährleisten.
Interessenkonflikte:
Keine angegeben.
Das Literaturverzeichnis zu
diesem Beitrag finden Sie auf:
www.online-oup.de.
Lina-Marit Rosemann
Korrespondenzadresse
PD Dr. med. Michael Cassel
Universität Potsdam,
Hochschulambulanz
Zentrum für Sportmedizin, Potsdam
mcassel@uni-potsdam.de