Übersichtsarbeiten - OUP 04/2014

Flexiseq (TDT 064) zur Behandlung der schmerzhaften Kniegelenkarthrose

Diese Metaanalyse kombiniert die Resultate der WOMAC-Schmerzskala, die in allen Studien Verwendung fand, wobei die Ergebnisse einheitlich auf Werte zwischen 0 und 100 standardisiert wurden.

Die Größe des ermittelten Behandlungseffekts (pre-post effect size = ES) ist dabei die standardisierte Differenz nach Cohen [18] für die Änderung der WOMAC-Schmerzskala im Vergleich zur Situation vor Behandlungsbeginn (basierend auf der Standardabweichung der Veränderung der entsprechenden TDT 064 Gruppe). ES von 0,2, 0,5 und 0,8 werden geringen, mittelgroßen und großen Behandlungseffekten zugeordnet [18]. Das Ergebnis der Metaanalyse wird mittels 2-seitiger Tests und 2-seitiger 95,0 % Konfidenzintervalle (KI; Hedges’) dargestellt. Die Ergebnisse werden mit publizierten Resultaten von Zhang et al. [19] verglichen, welche die Placeboantwort anderer, konventioneller Studien bei der Arthrosis deformans mit dem gleichen metaanalytischen Ansatz ermittelt haben.

Ergebnisse

Die ermittelte ES für die insgesamt 1061 Patienten mit ADK, die mit TDT 064-Gel behandelt wurden, war in Woche 12 1,15 (KI: 1,09–1,21). Der entsprechende Wert für die Einzelstudien war 1,33 (KI: 1,18–1,47; [12]), 1,12 (KI: 1,03–1,21; [16]), 1,05 (KI: 0,87–1,24; [13]) und 1,12 (KI: 1,00–1,24; [14]). Die Resultate waren vergleichbar, unabhängig davon, ob eine 2-mal tägliche Dosis von 2,2 g oder 4,4 g TDT 064 Gel verwendet wurde (ES 2,2 g: 1,17 (KI: 1,07–1,28); ES 4,4 g: 1,12 (KI: 1,04–1,20). Dies ist mit einer ES von 0,51 (KI: 0,46–0,55) zu vergleichen, wie sie für alle Placebogruppen bei ADK und einer ES von 0,63 (KI: 0,47–0,80), wie sie für topische Placeboformulierungen mittels Metaanalyse von Zhang et al. [19] generell bei Arthrosis deformans berichtet wurden.

Diskussion und
Schlussfolgerungen

Der wirkstofffreie Vehikel TDT 064, zeigte eine effektive Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung bei ADK. Die Zugabe von Ketoprofen ergab keinen signifikanten Zusatznutzen gegenüber TDT 064. Die Wirkung von TDT 064 ist vergleichbar mit der täglichen Gabe von 200 mg Celecoxib und statistisch signifikant besser als die Verabreichung von oralem Placebo. Alle Behandlungen waren gut verträglich.

In 4 randomisierten, kontrollierten Doppelblindstudien bei der schmerzhaften ADK bei mehr als 1000 Patienten wurde für TDT 064 eine deutlich ausgeprägtere Schmerzreduktion gefunden als diejenige, welche in einer Metaanalyse für topische Placeboformulierungen berichtet wurde [19]. Dies unterstützt die Hypothese, dass der Effekt von TDT 064 wahrscheinlich nicht nur durch eine Placeboantwort begründet werden kann. Diese Hypothese ist Bestandteil gegenwärtiger weiterführender Untersuchungen. Vorläufige präklinische Ergebnisse deuten darauf hin, dass TDT 064 als ein “Biolubrikant” wirkt.

Die Studien CL-033-III-02 [12] und CL-033-III-06 [14] erfolgten ohne Kontrolle durch orale NSAR und involvierten daher auch Patienten mit bekannten Risikofaktoren einer NSAR-Anwendung wie z.B. ischämische Herzerkrankung, Begleittherapie mit niedrig dosiertem Aspirin oder Bluthochdruck. Eine Subgruppenanalyse der unerwünschten Ereignisse und der Laborergebnisse innerhalb der Studie CL-033-III-02 [12] zeigte, dass keine der Begleiterkrankungen oder -therapien zu einer Steigerung von Nebenwirkungen oder zu abnormalen Laborbefunden führte. Das gleiche gilt für die Kombination von TDT 064 mit Paracetamol oder NSAR, wie sie in den Studien akzeptiert war. Auch hier kam es zu keinen zusätzlichen Nebenwirkungen oder sonstigen unerwünschten Ereignissen. Die gute Verträglichkeit spricht für ein weites Einsatzgebiet bei Patienten mit arthrosis deformans und bekannten geriatrischen Komplikationen und Begleittherapien.

TDT 064 ist eine neue Behandlungsoption für Schmerzen bei arthrosis deformans und in Deutschland verfügbar.

Danksagung und Offen-
legung wirtschaftlicher
Interessen

Wir danken allen Prüfärzten und Patienten, die sich für die Studie zur Verfügung gestellt haben. Die finanzielle Unterstützung aller Studien (Sponsor) erfolgte durch die IDEA AG München. Finanzielle Unterstützung der Metaanalyse wurde durch ProBonoBio, UK, gewährt. Die Metaanalyse wurde durch idv Daten Analyse & Studienplanung, Krailling, durchgeführt. W. Bolten und W. Kneer erhielten als Prüfärzte Honorare von IDEA AG und ProBonoBio, UK. M. Rother erhält Beraterhonorare von ProBonoBio, UK und war zum Zeitpunkt der Studiendurchführung leitender Angestellter bei der IDEA AG. W. Bolten gibt Beratertätigkeit und Vorträge für Pfizer und MSD an.

Korrespondenzadresse

Dr. Matthias Rother

IMR-Partner GmbH

Lärchenstraße 3, 82166 Gräfelfing

m.rother@imr-partner.de

Literatur

1. Corti MC, Rigon C. Epidemiology of osteoarthritis: prevalence, risk factors and functional impact. Aging Clin. Exp. Res 2003; 15: 359–363

2. Arzneiverordnung in der Praxis, Band 35, Sonderheft 1, Therapieempfehlungen der Arzneimittelkomission der deutschen Ärzteschaft. Degenerative Gelenkerkrankungen. 3. Auflage 2008

3. Hochberg MC, Altman RD, April KT et al. American College of Rheumatology 2012 recommendations for the use of nonpharmacologic and pharmacologic therapies in osteoarthritis of the hand, hip, and knee. Arthritis Care & Research 2012; 64: 465–474.

4. Gore M, Sadosky A, Leslie D et al. Patterns of therapy switching, augmentation, and discontinuation after initiation of treatment with select medications in patients with osteoarthritis. Clin Ther. 2011; 33: 1914–1931.

5. O’Neil CK, Hanlon JT, Marcum ZA. Adverse effects of analgesics commonly used by older adults with osteoarthritis: focus on non-opioid and opioid analgesics. Am J Geriatr Pharmacother. 2012; 10: 331–342.

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