Übersichtsarbeiten - OUP 02/2026

ESWT bei Erkrankungen der Hand

Mehrere aktuelle Arbeiten weisen darauf hin, dass sowohl die fokussierte, als auch radiale ESWT zu Symptomlinderung, Funktionsverbesserung und elektrophysiologischer Parameterverbesserung bei Patientinnen und Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Karpaltunnelsyndrom zu jedem Zeitpunkt der Nachuntersuchung führt [2, 15, 41, 42, 67].

Tendovaginitis de Quervain (Abb. 2)

Die ESWT ist eine nicht invasive, sichere und wirksame Behandlungsmethode bei der Behandlung der Tendovaginitis de Quervain [1, 7, 28, 46].

Haghighat et al. [18] untersuchten 26 Patientinnen und Patienten prospektiv randomisiert mit einer Tendovaginitis de Quervain, die entweder mit radialer ESWT (1000 Impulse, 2 bar, 15 Hz) bzw. einer Scheinbehandlung behandelt wurden. Nach der Behandlung sanken der DASH-Score und die VAS-Werte, während die Handgriffstärke in den Gruppen signifikant zunahm. Die DASH- und VAS-Werte waren in der Interventionsgruppe nach der Behandlung signifikant niedriger als in der Scheingruppe (p < 0,05). Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die ESWT eine sichere und einfache Methode zur Schmerzlinderung und Verbesserung der Funktionen der oberen Extremitäten sowie der Handgriffstärke bei Patientinnen und Patienten mit Tendovaginitis de Quervain darstellt.

Durch eine ESWT bei Tendovaginitis de Quervain kann eine signifikante und kontinuierliche Verbesserung der Schmerzen und Druckempfindlichkeit der behandelten Patientinnen und Patienten unmittelbar nach der letzten Sitzung erzielt werden, die bis zu 6 Monate nach der Behandlung anhält. Sowohl die Parameter VAS-Score, die Ritchie-Druckempfindlichkeitsskala, der DASH-Score als auch der allgemeine Gesundheitszustand, gemessen anhand des SF-36, verbessern sich signifikant [1, 46].

Schnellender Finger (Abb. 3)

In einer randomisiert-kontrollierten Studie verglichen Yildirim et al. [65] bei A1-Ringbandstenosen der Hand die radiale ESWT (2,1 bar, 1000 Impulse, n = 40) mit der peritendinösen Kortikosteroid-Injektion. Zu den Nachuntersuchungszeitpunkten nach 1, 3 und 6 Monaten zeigten beide Gruppen signifikante Verbesserungen des Schmerzes und des Quick-DASH als Funktions-Score – ohne, dass sich die Gruppen in der Effektivität unterschieden.

In einer doppelblinden randomisierten Studie wurden 60 Patientinnen und Patienten mit schnellendem Finger Grad II nach der Quinnell-Klassifikation zufällig und gleichmäßig auf 3 Behandlungsgruppen verteilt. Die 3 Behandlungsgruppen umfassten eine Gruppe mit hochenergetischer ESWT (HS) (Energieflussdichte von 0,01 mJ/mm2 , 5,8 bar, 1500 Impulse, einmal pro Woche über 4 Wochen), eine Gruppe mit niederenergetischer ESWT (LS)-Gruppe (Energieflussdichte von 0,006 mJ/mm2, 3 bar, 1500 Impulse, einmal pro Woche über 4 Wochen) und eine Scheininterventionsgruppe (Scheingruppe). Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden nach der Intervention 6 Monate lang nachbeobachtet, wobei nur Schmerzmittel als Begleitbehandlung erlaubt waren. Die HS-Gruppe zeigte ein höheres Ausmaß an Verbesserung als die LS- und die Scheingruppe. Darüber hinaus berichtete die HS-Gruppe 6 Monate nach den Interventionen über signifikant geringere Schmerzen
(p = 0,01) und niedrigere DASH-Werte (p = 0,008) als die Scheingruppe. In den HS- und LS-Gruppen wurden innerhalb von 6 Monaten nach der Nachuntersuchung keine Nebenwirkungen berichtet [6].

Durch die ESWT können im kurz- und mittelfristigen Verlauf sowohl die Schmerzen als auch das Schnappen vollständig, zumindest deutlich reduziert (94 %) werden [70]. In der Arbeit von Zyluk et al. [70]. waren nach 3 Monaten 30/32 Patientinnen und Patienten vollkommen symptomfrei, 2 zeigten keine Verbesserung und wurden als Versagen der Behandlung gewertet. In einer weiteren Arbeit hielten diese Effekte bis zur 18. Woche nach der Behandlung an [60].

Malliaropoulos et al. [39] veröffentlichte 2016 eine Kohortenstudie mit 44 Patientinnen und Patienten mit A1-Ringbandstenose zum Einfluss der radialen ESWT (2000 Impulse, 5–6 Hz, 1–3 bar je nach Schmerz). Dabei war die durchschnittliche Behandlungssequenz 6 ± 1,3 radialen ESWT-Behandlungen mit im Mittel 1,4 ± 0,3 bar Behandlungsdruck und 5 ± 0,4 Hz bei 2000 Impulsen. Er konnte auch eine Beziehung herstellen zwischen der Beschwerdedauer bei A1-Ringbandstenose und der Anzahl der notwendigen radialen ESWT-Sitzungen: Je länger die Beschwerdedauer bei A1-Ringbandstenose vorab vorhanden war (< 3 Monate, 3–6 Monate, 6–12 Monate, > 12 Monate), desto mehr radiale ESWT-Sitzungen waren nötig (von 4,8 Sitzungen bei < 3 Monaten bis 7,5 Sitzungen bei > 12 Monaten Beschwerdedauer) [33, 39].

Morbus Kienböck

Die ESWT wird angewendet bei der Osteochondrosis dissecans, der Osteonekrose, und dem Knochenmarködem [2, 12, 20, 33, 38, 50, 56]. Während es für die ESWT bei der Hüftkopfnekrose eine Vielzahl an Veröffentlichungen gibt, existiert bislang nur eine Arbeit für die ESWT bei Morbus Kienböck [9]. D’Agostino et al. untersuchten 22 Patientinnen und Patienten mit Morbus Kienböck in verschiedenen Stadien, die mit hochenergetischen Stoßwellen behandelt wurden. Es konnte ein positiver Effekt auf Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen des Handgelenks nachgewiesen und eine chirurgische Behandlung verzögert werden [9].

Morbus Dupuytren

Die lokale Fibromatose der Handfläche als Morbus Dupuytren und die dorsal über dem PIP-Gelenken gelegenen Knuckle Pads als Fingerknöchelpolster sind durch die fokussierte ESWT in bestimmten Stadien behandelbar. Ein Morbus Dupuytren beginnt häufig im Knotenstadium Tubiana N (nodulär), und sollte auch hinsichtlich der Therapieoptionen vom strangförmigen Dupuytren mit Gelenkkontraktur (entsprechend Tubiana Grad 1–4) differenziert werden. Beim frühen Knotenstadium Tubiana N, wenn Schmerzen vorliegen, kann die dreimalige fokussierte hochenergetische Stoßwellentherapie diese Schmerzen um bis zu 60 % nach 6 Monaten reduzieren [33].

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