Übersichtsarbeiten - OUP 02/2026
ESWT bei Erkrankungen der Hand
In einer Phase-3-Zulassungsstudie untersuchten Ishii et al. 60 Patientinnen und Patienten mit Sklerodermie mit digitalen Geschwüren, die nach mehr als 4 Wochen bestehender Behandlung nicht verschwunden waren [24]: 30 Patientinnen und Patienten wurden mit ESWT und 30 mit konventioneller Therapie behandelt. Die nach einem 8-wöchigen Behandlungszeitraum beobachtete Verringerung der Ulkuszahl wurde zwischen der Stoßwellentherapie und der konventionellen Behandlungsgruppe verglichen. Nach einem 8-wöchigen Behandlungszeitraum betrug die durchschnittliche Verringerung der Anzahl der Geschwüre 0,83 (SD 2,79) in der konventionellen Behandlungsgruppe gegenüber einer stärkeren Verringerung von 4,47 (SD 2,65) in der Stoßwellentherapiegruppe. Die Ergebnisse der Studie weisen auf die Wirksamkeit der ESWT bei refraktären digitalen Ulzera im Zusammenhang mit Sklerodermie hin. Djedovic et al. [11] konnten bei zweitgradigen Verbrennungen im Rattentiermodell eine signifikante Verbesserung der Reepithelialisierungsrate am Tag 15 nach einmaliger ESWT (p <0,05) nachweisen. Der Wundscore zeigte einen signifikanten Anstieg in der ESWT-Gruppe. Die ESWT verbessert die Hautregeneration von tiefen Verbrennungen bei Ratten.
Ottomann et al. [48] stellte 2012 dar, dass sich durch die ESWT die durchschnittliche Zeit bis zur vollständigen (? 95 %) Epithelialisierung signifikant verbesserte, diese betrug bei den Patientinnen und Patienten, die sich einer ESWT unterzogen, 9,6 ± 1,7 und bei den Patientinnen und Patienten, die sich keiner ESWT unterzogen, 12,5 ± 2,2 Tage (p <0,0005).
Die Ergebnisse einer Meta-Analyse von Yang et al. [64] zeigten, dass die ESWT bei Verbrennungsnarben in Kombination mit einer umfassenden Rehabilitationstherapie im Vergleich zu einer alleinigen Therapie wirksamer bei der Linderung von Schmerzen (p < 0,0001), Juckreiz im Zusammenhang mit pathologischen Narben (p = 0,004), Verbesserung des Aussehens der Narben (p < 0,00001), der Verringerung der Narbendicke (p = 0,04) und der Förderung der Narbenreifung (p < 0,00001) ist.
Die ESWT kann die Heilungszeit tiefer Hautverbrennungswunden an den Händen wirksam verkürzen; gleichzeitig kann die ESWT Wundschmerzen wirksam lindern und die Ausbreitung von Entzündungen in der akuten Phase kontrollieren [63].
Narben
Hypertrophe Narbenbildung nach Verbrennungen ist eine häufige Komplikation bei Verbrennungen an den Händen, die oft mit einer Beeinträchtigung der Handfunktion einhergeht [27]. Nach 6 Monaten kommt es durch die ESWT zu einer statistisch signifikanten Verbesserung der Elastizität (p = 0,011) der hypertrophen Verbrennungsnarbe, nicht jedoch zu signifikanten Auswirkungen auf Rötung und transepidermalen Wasserverlust [44].
Des Weiteren konnte gezeigt werden, dass es durch ESWT zu einer Verbesserung der Handfunktion bei Patientinnen und Patienten mit Nervenverletzungen und hypertrophen Narben infolge von Verbrennungen kommt. Es wurden signifikante Verbesserungen für Schmerzen für den VAS-Score (p = 0,004), der Beweglichkeit der Handgelenke (p = 0,02), des Handfunktionstests Jebsen-Taylor Hand Function Test- (p < 0,001) und der Hautmerkmale (Melanin, Hautdehnbarkeit und Hautelastizität) (p = 0,004, P < 0,001 und P < 0,001) festgestellt [35].
In einer prospektiv-randomisierten, einfach verblindeten Studie an 46 Patientinnen und Patienten (Versuchsgruppe mit ESWT, n = 23; Scheinstimulationsgruppe ohne ESWT, n = 23) mit stark juckenden Verbrennungsnarben (Juckreiz mit Werten zwischen 5 und 10 auf der visuellen Analogskala) zeigten Joo et al. [26] eine signifikante Verbesserung der Juckreizwerte. Die Dauer, der Schweregrad und die Folgen des Juckreizes auf der Leuven Itch Scale nach der dritten ESWT waren in der Versuchsgruppe im Vergleich zur Scheinstimulationsgruppe signifikant geringer (p = 0,033, p = 0,007 bzw. p = 0,009).
Der 5-D-Juckreiz-Skala-Wert verbesserte sich nach der dritten ESWT in der experimentellen Gruppe im Vergleich zur Scheinstimulationsgruppe signifikant geringer (p = 0,033).
Es gibt Hinweise, dass die ESWT den verbrennungsbedingten Juckreiz bei Verbrennungsnarben im Vergleich zur Scheinstimulation verringert [58]. Zudem gibt es Hinweise, dass die ESWT im Vergleich zur Scheinstimulation bei Verbrennungsnarben Schmerzen reduziert [58]. Durch die ESWT-Behandlung hypertropher Narben bei Handverbrennungen kommt es zu einer Verbesserung des Schmerzscores (p = 0,001), der Narbendicke (p = 0,018), der Narbenvaskularität (p = 0,0015) und der Handfunktion (simuliertes Kartenumdrehen, p = 0,02; Aufnehmen kleiner Gegenstände, p = 0,004) [58].
ESWT bei Keloiden
Keloide sind gutartige Wucherungen, die durch Narbengewebe an verletzten Stellen entstehen, zum Beispiel durch Verbrennungen, Operationen oder Infektionen. Keloide stellen eine abnorme Reaktion auf den Wundheilungsprozess dar und haben eine Prävalenz von bis zu 16 % [55].
Die Behandlung von Keloidnarben mit ESWT führt zu einer signifikanten Abnahme von Kollagenfasern und einem Anstieg des MMP-13-Enzyms. Durch ESWT kommt es zu einer signifikanten Verringerung der Keloidhöhe [16, 61]. Als Monotherapie bei Keloiden zeigt die ESWT analoge Verbesserungen der funktionellen und ästhetischen Ergebnisse im Vergleich zur intraläsionalen Steroidtherapie. Keloide, die mit einer Kombinationstherapie aus ESWT mit intraläsionalen Steroiden behandelt wurden, zeigten bessere Ergebnisse als solche, die nur mit intraläsionalen Steroiden behandelt wurden. Durch die ESWT kommt es zu einer Verbesserung der Kosmetik, der Beschwerden und der Funktion hypertropher Narben [16].
Fazit für die Praxis
- 1. Bei der extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) handelt es sich um eine akustische Welle mit einer extrem hohen Amplitude in einer kurzen Anstiegszeit, gefolgt von einer längeren negativen Kavitationswelle. Die Erzeugung von Stoßwellen kann elektrohydraulisch, piezoelektrisch oder elektromagnetisch erfolgen.
- 2. Es wird zwischen der radialen und der fokussierten ESWT unterschieden.
- 3. Der mechanische Impuls durch die ESWT führt zu einer Mechanotransduktion, der zellulären Übersetzung eines mechanischen Reizes in eine biologische Antwort (Initialisierung der Gefäßneubildung, Rekrutierung von mesenchymalen Stammzellen, Stimulation der Zellproliferation und -differenzierung, entzündungshemmende Wirkung und Unterdrückung der Nozizeption) und damit zu regenerativen Effekten.
- 4. Umfangreich untersuchte Indikationen für die ESWT bei Erkrankungen der Hand sind das Karpaltunnelsyndrom, die Tendovaginitis de Quervain, der schnellende Finger, die Rhizarthrose, die Knochenheilungsstörungen, die Handspastik, Wunden und Narben.
- 5. Wenngleich nur eine Studie zur Osteonekrose des Os lunatum existiert, stellt der M. Kienböck ebenfalls eine gute Indikation für die ESWT dar.
