Übersichtsarbeiten - OUP 02/2026

ESWT bei Erkrankungen der Hand

Die einmalige intraoperative ESWT verbessert die Heilungsrate der Skaphoidrekonstruktion mit einem nicht-vaskulären Knochentransplantat und beschleunigt die Knochenheilung während der ersten 12 Wochen postoperativ [45].

Rhizarthrose (Abb. 4)

Loppolo et al. [23] führten eine randomisiert-kontrollierte Studie bei 58 Patientinnen und Patienten mit Rhizarthrose durch, die entweder wöchentlich eine fokussierte ESWT (3 × 0,09 mJ/mm2 , 4 Hz, 2400 Impulse) oder eine dreimalige intraartikulären Hyaluronsäure-Injektion in wöchentlichen Abständen erhielten. Die wichtigsten Ergebnisparameter waren Schmerzen und Handfunktion, gemessen anhand der visuellen Analogskala (VAS) bzw. des Duruoz Hand Index (DHI). Sekundäre Ergebnisparameter waren Greifkraft und Kneifkraft. Die Untersuchung wurde zu Beginn der Studie, am Ende der Behandlung sowie bei den Nachuntersuchungen nach 3 und 6 Monaten durchgeführt. Gemäß den VAS- und DHI-Werten wurde im Laufe der Zeit in beiden Gruppen eine signifikante Verbesserung beobachtet (p < 0,001), wobei in der ESWT-Gruppe bei der Nachuntersuchung nach 6 Monaten eine größere durchschnittliche Verbesserung der schmerzhaften Symptomatik zu verzeichnen war. In beiden Gruppen wurde eine signifikante Verbesserung der Kraft beobachtet, aber die ESWT-Gruppe zeigte unmittelbar nach Behandlungsende bessere Ergebnisse beim Kneiftest. Die Anwendung der ESWT bei Patientinnen und Patienten mit Rhizarthrose führte somit zu einer Verringerung der Schmerzen und einer Verbesserung der Handfunktion, die mindestens 6 Monate anhält.

Im Vergleich zur Übungsbehandlung bei Rhizarthrose kann durch eine ESWT eine hochsignifikante Verringerung von VAS und DASH erreicht werden (p < 0,001) [8].

Spastik

Die Handspastik nach einem Schlaganfall erschwert die Aktivitäten des täglichen Lebens erheblich und schränkt die Wirksamkeit der Rehabilitation ein [17]. Die muskuläre Anwendung der ESWT ist u.a. mit einer Detonisierung der betroffenen Muskulatur verbunden. 2005 veröffentlichten der Handchirurg Paolo Manganotti und der Neurologe Ernesto Emilio aus Verona eine Pilotstudie an 20 Patientinnen und Patienten mit Spasmen der oberen Extremitäten nach Schlaganfall [33, 40].

Savevska et al. [51] konnten kürzlich zeigen, dass durch eine radiale ESWT die Spastik der Hand und Finger in der 2., 6. und 14. Woche nach Beginn der Rehabilitation signifikant verringert werden kann (p < 0,05). Insgesamt wurden 6 Behandlungen im Abstand von 2–3 Tagen über den spastischen Muskeln durchgeführt: 1.500 Impulse auf den M. flexor carpi radialis und M. flexor carpi ulnaris und 3.500 Impulse auf die Muskeln der Handinnenseite mit einer Energie von 2 Bar und einer Frequenz von 10 Hz. Es kam zu einer signifikanten Verringerung der Beeinträchtigungen bei der Körperpflege, beim Anziehen, bei der Handhaltung und der Schmerzen der Handspastik nach einem Schlaganfall bei (p < 0,05).

Durch die radiale ESWT kommt es zu einer Verringerung der Spastik der Flexoren der Hand und des Handgelenks und einer damit einhergehenden Verbesserung der Handfunktion und der Handgelenkskontrolle bei Patientinnen und Patienten mit chronischem Schlaganfall. Darüber hinaus führen wiederholte ESWT-Sitzungen zu einer länger anhaltenden und deutlicheren Wirkung, diese sind für die Verbesserung der funktionellen Motorik erforderlich. Drei Sitzungen mit radialer ESWT haben eine länger anhaltende Wirkung als eine Sitzung [36].

Die radiale ESWT ist im Vergleich zur TENS-Behandlung bei der Behandlung chronischer spastischer Paresen der oberen Extremität nach einem Schlaganfall überlegen [57]. Jia et al. konnten in ihrer Metaanalyse darstellen, dass durch die ESWT langfristige Effekte bei der Linderung der Spastik, bei gleichzeitiger Schmerzreduktion, Verbesserung der Beweglichkeit und der motorischen Funktion bei Schlaganfallpatienten und -patientinnen erzielt werden [25].

Akute und chronische Wunden

Die ESWT findet Anwendung bei akuten und chronischen Wunden [34, 54, 55], Verbrennungswunden, Ulcera (z.B. diabetisch [54, 55], venös [54, 55] oder bedingt durch Sklerodermie [24, 54, 55]).

Als chronische Wunden werden persistierende oder (in kurzem Abstand) wiederkehrende Wunden mit Substanzdefekt definiert, die nicht durch die konventionelle Wundtherapie zur Ausheilung gebracht werden können [54]. Die lange Persistenz bzw. das rezidivierende Auftreten der Wunde ist meist durch die regelhaft vorhandene Kolonisation, respektive Infektion gekennzeichnet, die zum großen Teil an die Komorbiditäten dieser Patientinnen und Patienten gekoppelt ist [54]. Dazu gehören Stoffwechselerkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus. Des Weiteren begünstigen chronisch venöse Insuffizienz, periphere arterielle Verschlusskrankheiten sowie Lymphödeme die Entstehung chronischer Wunden.

Die ESWT stellt ein sehr wichtiges Behandlungselement bei der Behandlung akuter und chronischer Wunden dar [43, 52, 54, 66].

Eine umfangreiche Meta-Analyse von Zhang et al. [66] zeigte, dass die ESWT die Heilungsrate von akuten und chronischen Weichteilwunden statistisch signifikant um das 2,73-fache erhöht und die Wundheilungsfläche um 30,45 % verbessert. Ebenso verkürzt die ESWT die Wundheilungszeit bei akuten Weichteilwunden um 3 Tage und um 19 Tage bei chronischen Weichteilwunden. Ebenso wurde das Wundinfektionsrisiko bei chronischen Wunden um 53 % gesenkt.

Schaden et al. [52] verzeichneten in einer prospektiven Studie an 208 Patientinnen und Patienten mit komplizierten, nicht heilenden Wunden unterschiedlicher Ätiologie in 75 % eine vollständige Epithelialisierung durch ESWT (Ulkusgröße zwischen 4 und 16 cm2 , Energie 0,1 mJ/mm2, 100 Pulse/cm2, 2 bis 4 Sitzungen im wöchentlichen Intervall).

In ihrer Metaanalyse von 345 Artikeln und 471 eingeschlossenen Fällen kommen Hitchman et al. [22] zu dem Schluss, dass die Zeit bis zur Abheilung des Geschwürs bei Patientinnen und Patienten, die mit ESWT behandelt wurden, kürzer war als bei Patientinnen und Patienten, die nur mit der Standardgeschwürbehandlung behandelt wurden. Bei Patientinnen und Patienten, die mit ESWT behandelt wurden, heilten die Wunden 20 Wochen nach der ESWT mit höherer Wahrscheinlichkeit ab als bei Patientinnen und Patienten, die mit einer Standardtherapie behandelt wurden.

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