Übersichtsarbeiten - OUP 04/2026

Sekundäre Schultersteife
Indikationen, diverse Techniken und Prognose der arthroskopischen Revisionsoperationen

Nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion ist die Schultersteife eine häufige und klinisch relevante Komplikation. Die Prävalenz liegt je nach Definition, Nachuntersuchungszeitpunkt und Patientenkollektiv wiederum bis zu einem Viertel der Fälle [11, 13]. Hier findet sich oft ein Mischbild aus postoperativen Weichteiladhäsionen und entzündlicher Fibrosierung mit einer narbig verdickten Gelenkkapsel [7, 64]. Risikofaktoren sind v.a. die wiederum gar nicht so selten anzutreffende, sich bereits präoperativ entwickelnde Schultersteife, ein Diabetes mellitus, Sehnenverkalkungen und zusätzliche Labrumrekonstruktionen [9, 23, 55]. Eine therapieresistente, persistierende Steife kann bei deutlichem funktionellem Defizit und ausbleibender Besserung bereits nach etwa 4–6 Monaten eine Indikation zur arthroskopischen Arthrolyse darstellen [4]. Allerdings ist zu bedenken, dass sich die Befunde noch im Verlauf nach 3 Monaten auch noch verbessern können [54]. Daher sollte man mit einer allzu frühen Revision dennoch zurückhaltend sein und zumindest jeden positiven Trend einer Verbesserung aufgreifen, um die Indikation noch abzuwarten [54].

Schultersteife infolge
Kalkschulter und nach
Kalkdepotentfernung

Die Kalktendinitis ist häufig asymptomatisch. Bei einer Aktivierung löst dies allerdings starke Schmerzen aus. Dabei kann die Kalkschulter über mehrere Mechanismen zu einer sekundären Schultersteife führen. Akute resorptive Phasen verursachen starke Schmerzen, die zu Schonhaltung und Immobilisation führen können. Chronische Verläufe gehen mit Entzündungen sowohl im Bereich der Kapsel als auch im Bereich der Sehnen und des Subakromialraumes einher. Dies begünstigt entsprechende Bewegungseinschränkungen und zunehmende Fibrosierungen. Sind die Kalkdepots im Verlauf hart und trocken, steht weniger der akute Schmerz als vielmehr ein chronisches Beschwerdebild mit einer zunehmenden sekundären Schultersteife im Vordergrund [43]. Auch nach einer Kalkdepotentfernung kann eine postoperative Schultersteife entstehen. Als Ursache wird unter anderem die Irritation der Glenohumeralkapsel durch verbliebene Kalkreste diskutiert, weshalb sich stets eine gründliche Lavage empfiehlt [25].

Schultersteife nach
allgemeinem Trauma

Auch nach allgemeinen Schultertraumata ohne proximale Humerusfraktur kann eine sekundäre Schultersteife durch Schmerzen, intra- oder extraartikuläre Hämatome, Weichteilverletzungen, Immobilisation und Schonung entstehen. Auch hier ist es wichtig zusätzlich vorhandene strukturelle Ursachen wie Rotatorenmanschettenrupturen, Labrumläsionen, Bizepssehnenpathologien, Nervenverletzungen, okkulte Frakturen, etc. festzustellen und zu adressieren.

Allgemeine konservative
Behandlungskonzepte

Unabhängig von der Ursache beginnt die Behandlung in der Regel konservativ. Dies umfasst Physiotherapie, Eigenübungen, anti-entzündliche Medikamente sowie intraartikuläre oder orale Kortikosteroide [4, 6]. Ziel ist die Schmerzreduktion, die Verbesserung der Beweglichkeit und die Wiederherstellung alltags- und sportspezifischer Funktion. Bei der primären Frozen Shoulder muss die Therapie an das Stadium angepasst werden. In der schmerzhaften entzündlichen Frühphase sind forcierte Dehnungen und schmerzhafte Physiotherapie ungünstig, weil sie den Reizzustand und die Schmerzen verstärken. In dieser Phase stehen Schmerztherapie, entzündungshemmende Maßnahmen und eine vorsichtige schmerzadaptierte Mobilisation im Vordergrund. Sind die Schmerzen rückläufig, kann die Mobilisation intensiviert werden. Ziel ist dann eine zunehmende Dehnung der kontrakten Kapsel um die Außenrotation, Vorwärtshebung, Innenrotation sowie eine physiologische skapulothorakale Rhythmik wieder zu erlangen. Letztlich steht bei der primären, idiopathischen Schultersteife als selbstlimitierende kapsuläre Erkrankung eine lange konservative Behandlung im Vordergrund. Eine arthroskopische Operation ist nur bei ausgeprägter Funktionseinschränkung, persistierenden Schmerzen und fehlender Verbesserung nach mehrmonatiger konservativer Therapie indiziert. Hierbei wird häufig eine konservative Behandlungsdauer von mindestens 4–6 Monaten gefordert, wobei die entzündliche Schmerzphase abgeklungen sein sollte.

Bei sekundärer Schultersteife ist die konservative Therapie ebenfalls der erste Schritt, allerdings weitaus häufiger unzureichend. Zudem ist das konservative Konzept anders. Hier muss zusätzlich differenziert werden, ob eine reine kapsuläre Arthrofibrose oder weitere Bewegungslimitierungen vorliegen [62]. Eine stadiengerechte Therapie steht nicht im Vordergrund. Allerdings könnten orale und/oder lokale Kortikosteroidtherapien insbesondere bei entzündlich geprägten Verläufen die Schmerzen und die Beweglichkeit verbessern. So kann die konservative Therapie über mehrere Monate effektiv unterstützt werden [28].

Gut behandelbare Ursachen wie Rotatorenmanschettenrupturen, ein Implantatversagen, relevante Bizepssehnenpathologien, verbliebene Kalkreste, Schraubenpenetrationen, Humeruskopfnekrosen, Pseudarthrosen, etc. sollten vorab ausgeschlossen werden. Bei den sekundären Schultersteifen nach Versorgung einer Schulterinstabilität sollten wir versuchen, soweit möglich, etwaige prominente Fadenanker oder -knoten, gelockerte Implantate, freie Gelenkkörper, rezidivierende Labrumläsionen, zu erkennen. Liegen wesentliche Ursachen vor ist zu beachten, dass eine fortgeführte Physiotherapie es nicht ermöglicht relevante mechanische Ursachen, wie anhaltende strukturelle Schäden, wie Manschettenrupturen, Fehlheilungen, Implantatprobleme, etc. zu beseitigen. Auch vor diesem Hintergrund ist die Schwelle zur operativen Ursachenbehandlung der sekundären Schultersteife sinnvollerweise niedriger. Sobald mechanische Hindernisse oder ausgeprägte extrakapsuläre Adhäsionen vorliegen, kann die intra- und extraartikuläre Arthrolyse, die befundabhängig mit weiteren Verfahren wie bspw. einer Implantatentfernung, einem Bizepseingriff, einer Manschettennaht, etc. kombiniert wird, zu raschen und vor allem sehr guten Ergebnissen führen.

Technik der arthroskopischen Arthrolyse

Eine isolierte Manipulation unter Narkose ist bei sekundärer, aber auch im Rahmen einer primären Schultersteife kritisch zu sehen. Frakturen, Luxationen, Plexusverletzungen und Gelenkschäden etc. sind hier häufig [36,63]. Das Prinzip der weitläufig anerkannten arthroskopischen Arthrolyse besteht in der kontrollierten Lösung und Entfernung der verkürzten oder vernarbten Gelenkkapsel und der Resektion intra- und extraartikulärer Adhäsionen. Je nach Kapselmuster wird gezielt behandelt. Eine vordere Kapselkontraktur limitiert vor allem die Außenrotation, eine inferiore Kapselkontraktur die glenohumerale Abduktion und eine dorsale Kapselkontraktur die Innenrotation (Abb. 1). Bei der generalisierten Schultersteife wird häufig ein vollständiges Release der anterioren, inferioren und posterioren Kapselanteile durchgeführt (Abb. 3). Bei der sekundären Schultersteife darf die Arthrolyse keinesfalls isoliert als Kapseloperation verstanden werden. Bspw. muss nach arthroskopischer Schulterstabilisierung auch eine systematische Beurteilung der Implantatposition, der Fadenknoten, des Labrums, des Humeruskopfknorpels, des Glenoidknorpels und möglicher freier Gelenkkörper erfolgen [62].

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