Übersichtsarbeiten - OUP 04/2026

Sekundäre Schultersteife
Indikationen, diverse Techniken und Prognose der arthroskopischen Revisionsoperationen

Trotz dieser insgesamt sehr guten Ergebnisse bezüglich Schmerzen, Beweglichkeit, Alltagsfunktion und sportliche Belastbarkeit ist anzumerken, dass bei Patientinnen und Patienten mit langer Beschwerdedauer, Diabetes mellitus oder ausgeprägter postoperativer Schultersteife Residualbeschwerden oder leichte Bewegungseinschränkungen bestehen bleiben können [56]. Dies erklärt die teilweise noch eingeschränkten Funktionswerte in einigen klinischen Outcomestudien. Zudem ist die Prognose bei den einzelnen Entitäten der sekundären Schultersteife ist nicht immer gleich gut. Es gilt, je stärker die Steife durch reine Kapselkontraktur geprägt ist, desto besser sind die Ergebnisse. Je mehr allerdings Fehlstellung, Implantatprobleme, Tuberkulumfehlheilung, Knorpelschaden, Rotatorenmanschetteninsuffizienz oder Rerupturen beteiligt sind, desto vorsichtiger muss die Prognose gestellt werden [51]. So sind bei einer proximalen Humerusfraktur die Ergebnisse der arthroskopischen Arthrolyse und Metallentfernung bei vorhandenen Folgeschäden der Fraktur, wie Frakturfolgen, Implantatlage, Tuberkulumstellung und Weichteilnarben zwar meist äußerst positiv, aber gelegentlich weniger “perfekt“ als bei unkomplizierten Frakturen [39, 51]. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Daten zur subjektiven Schulterbewertung (engl. Subjective Shoulder Value, SSV). In dieser Serie stieg der SSV-Wert von 46 auf 78 Punkte. Dieser Anstieg bedeutet, dass die Betroffenen ihre Schulter nach der Arthrolyse trotz nicht ganz vollständig normaler Funktion subjektiv als im Alltag gut belastbar und weitestgehend funktionsfähig einschätzten [39].

Ähnlich ist es bei der konservativ behandelten proximalen Humerusfraktur. Auch hier ist die Prognose der Arthrolyse logischerweise tendenziell günstiger, wenn die Fraktur anatomisch verheilt ist und keine relevante Fehlstellung, Arthrose, Tuberkulumfehlstellung bzw. Rotatorenmanschettenproblematik besteht [35, 51]. Daher sind bei einfachen Frakturen ohne strukturelle Frakturfolgen die Ergebnisse der Arthrolyse prinzipiell mit denen der Arthrolyse bei der primären Frozen Shoulder vergleichbar [35].

Nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion ist hingegen die Prognose der konservativen Therapie oft besser als es der frühe Verlauf vermuten lässt. Hier gehen viele frühe Steifen unter einer fortgesetzten Rehabilitation deutlich zurück [54]. So zeigten Schneider et al., dass die Steife nach 12 Wochen ihren Höhepunkt erreicht und im Weiteren stetig besser wird [54]. Dabei kann eine frühe Steife sogar prognostisch günstig für die Sehnenheilung sein, weil hier in den ersten 6–12 Wochen häufiger eine vollständig intakte Heilung erzielt wird als bei den Schultern ohne frühe Steife [41]. Hingegen sind die im späteren Follow-up sich verschlechternden oder gar neu auftretenden Steifen unter einer fortgeführten konservativen Therapie prognostisch ungünstiger. Sie sind mit einem schlechteren funktionellen Outcome aber auch mit dem Auftreten einer Reruptur assoziiert [11]. Eigene MRT-Untersuchungen zeigten, dass die Intaktheit der Rotatorenmanschette allenfalls erschwert, beurteilbar ist. Oft liegen trotz sehr guter funktioneller Befunde für Partialrupturen und sogar vollständige Rupturen falsch positive Befunde vor [61]. Dies sollte bei der Beurteilung der Patientinnen und Patienten bewusst sein. Ist die konservative Therapie frustran, kommt die arthroskopische Arthrolyse zum Einsatz. Sofern die Manschette strukturell ausreichend geheilt ist, sind die Ergebnisse der arthroskopischen Arthrolyse sehr gut [4]. Bhatia et al. berichteten hier nach einer erweiterten Arthrolyse eine Verbesserung der Vorwärtshebung von 104° auf 158° und der Außenrotation von 25° auf 59° [4]. Huberty et al. fanden nach der sekundären Arthrolyse in den meisten Fällen eine vollständige Wiederherstellung der normalen Beweglichkeit [23]. Letztlich ist auch nach der arthroskopischen Arthrolyse bei der sekundären Schultersteife nach Manschettenrekonstruktion ein erfolgreicher Return-to-Sport realistisch. Dies ist logischerweise nicht nur von der Beweglichkeit allein, sondern auch von der Vollständigkeit der Sehnenheilung, dem Kraftaufbau, etc. abhängig [4, 23].

Bei sekundärer Schultersteife infolge Kalkschulter ist die Prognose meist günstig, wenn das Kalkdepot und die kapsuläre Steife gemeinsam adressiert werden [10]. Hier berichteten Chen et al. nach der arthroskopischen Arthrolyse und Behandlung des Kalkdepots bei 30 von 32 Patientinnen und Patienten äußerst zufriedenstellende Ergebnisse nach 2 Jahren [10]. Für Sportarten wie Schwimmen, Tennis, Krafttraining oder Volleyball ist die Prognose günstig, sofern eine etwaige Rotatorenmanschettendefektbildung nach Kalkentfernung nicht unversorgt bleibt [10, 30].

Nach arthroskopischer Schulterstabilisierung oder Labrum-Repair ist die Datenlage zur sekundären Arthrolyse deutlich dünner. Bei der Indiktion zur Arthrolyse sollte man hier generell sehr vorsichtig vorgehen, weil hier die Wiederherstellung der Beweglichkeit mit einer aggressiven Kapsellösung die Stabilität gefährden kann. Daher muss eine evtl. notwendige Arthrolyse stets gegenüber einer etwaigen Verschlechterung der Stabilität abgewogen werden [40, 45]. Somit sollte die postoperative Steife in diesen Fällen zunächst physiotherapeutisch behandelt werden. Eine operative Arthrolyse ist nur bei persistierender, funktionell relevanter Steife nach ausgeschöpfter konservativer Therapie sinnvoll [40].

Letztlich ist ein Return-to-Sport nach arthroskopischen Arthrolyse bei sekundärer Schultersteife äußerst wahrscheinlich, aber nicht in allen Entitäten gleich. Am günstigsten erscheint die Prognose bei der rein kapsulären Steife, Kalkschulter-assoziierter Steife und der abgeheilten Rotatorenmanschettenrekonstruktion ohne Reruptur [4,10,54]. Vorsichtiger anzusehen ist die Prognose bei schwerwiegenden Begleitpathologien und etwaigen Auslösern der sekundären Schultersteife wie bspw. Fehlstellungen, fehlerhafter Tuberkulumheilung bei Frakturen, Arthrose, avaskuläre Nekrosen, etc. [39, 51]. Wird hier neben der Arthrolyse auch Begleitpathologie konsequent adressiert, desto wahrscheinlicher der erfolgreiche Return-to-Sports.

Fazit

Ein Verständnis der genauen Ursachen und der Begleitpathologien der sekundären Schultersteife ist wertvoll, um die Schultersteife erfolgreich zu behandeln. Meist ist eine genaue klinische und bildgebende Abklärung erforderlich. Die bildgebenden Befunde können heterogen sein und sollten mit den klinischen Befunden korreliert werden. Bei richtiger Indikation und konsequentem Adressieren der Begleitpathologien zeigt die arthroskopische Revisionsoperation sehr gute Ergebnisse mit einem äußerst geringen Komplikationsprofil, einer hohen Patientenzufriedenheit, guten klinischen und funktionellen Ergebnissen und hohen Return-to-Sports-Raten. Eine konsequente frühfunktionelle Nachbehandlung, die idealerweise am OP-Tag startet, ist ebenso wichtig, um zu einem sehr guten Ergebnis zu kommen.

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