Übersichtsarbeiten - OUP 04/2026

Sekundäre Schultersteife
Indikationen, diverse Techniken und Prognose der arthroskopischen Revisionsoperationen

Nach Abschluss der arthroskopischen Releases kann eine vorsichtige Mobilisation unter Narkose durchgeführt werden, um verbliebene Adhäsionen zu lösen. Diese Mobilisation erfolgt am kurzen Hebel und keinesfalls als forcierte, unkontrollierte Manipulation.

Besonderheiten zur
Arthrolyse nach proximaler Humerusfraktur

Wenn eine mechanische Ursache besteht, reicht die alleinige Arthrolyse nicht aus. Hier wird die Frakturkonsolidierung, Achsstellung, Tuberkulaposition, Implantatlage, Schraubenposition, Humeruskopfdurchblutung und Gelenkdegeneration präoperativ beurteilt. Häufig ist eine Computertomographie hilfreich, um die Konsolidierung, eine Fehlheilung, Osteonekrosen, eine Schraubenpenetration oder ein Implantatimpingement zu erkennen. Die Magnetresonanztomografie (MRT) kann, sofern nicht größere artefaktanfällige Implantate einliegen, zusätzliche Informationen zur Rotatorenmanschette, Bizepssehne, aber auch zu Kapselverdickungen und extraartikulären Adhäsionen liefern. Typischerweise wird bei postfraktureller Steife eine vollständige glenohumerale Arthrolyse mit Rotatorenintervallrelease, anterior-inferiorem und gegebenenfalls posteriorem Release durchgeführt. Danach folgt ein subakromiales und subdeltoidales Release. Das weitere Vorgehen ist befundabhängig. Bei Plattenosteosynthese wird häufig eine Implantatentfernung ergänzt, wobei die Arthrolyse und Mobilisation dann vor der Implantatentfernung erfolgen sollte. Nach Entfernung einer Platte sollte wegen der Schraubenlöcher und des Refrakturrisikos keine aggressive Manipulation mehr durchgeführt werden. Zusätzlich können eine Bizepstenotomie oder Bizepstenodese, Akromioplastik, Debridements, Manschettenrekonstruktionen, etc. erforderlich sein. Mikrobiologische Probenentnahmen können zudem in gleicher Sitzung erfolgen [27]. Bei schwerer posttraumatischer Arthrose oder Humeruskopfnekrose ist eine gelenkerhaltende Arthrolyse nicht immer sinnvoll. In diesen Fällen ist eine Schulterarthroplastik zu überlegen.

Besonderheiten zur Arthrolyse nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion

Bei einer Steife nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion sollte eine initial erfolgte konservative Therapie sichergestellt sein. Sind entsprechende Maßnahmen ausgeschöpft, umfasst die Operation neben dem Kapselrelease stets eine subakromiale Adhäsiolyse. Hier sind es neben der Kapselsteife oft auch subakromiale Verwachsungen zu finden, die das Gleiten der rekonstruierten Sehne unter dem Akromion erheblich behindern. Bei mangelhaften Nahttechniken, bspw. unter schlechten Sichtverhältnissen, kann es passieren, dass vereinzelte gesetzte Nähte auch ungünstig platziert wurden. So können neben dem Rotatorenkabel auch Kapselbandstrukturen, die Bizepssehne, etc. mitgefasst sein und die Bewegung erheblich einschränken. Solche Befunde sollten selbstverständlich adressiert werden. Vor allem muss die Integrität der Rotatorenmanschettenrekonstruktion während des Eingriffs beurteilt werden. Auch kleine verbliebene Defekte bzw. Partialläsionen sollten in gleicher Sitzung genäht werden [4].

Besonderheiten zur Arthrolyse bei/nach Kalkschulter

Neben der intra- und extraartikulären Arthrolyse sollte eine sorgfältige Entfernung der Kalkdepots und eine ausgedehnte Lavage erfolgen, um eine Kapselirritation durch Kalkreste zu vermeiden. Sehnendefekte nach Kalkentfernung oder auch Auflösung eines Kalkdepots sind nicht selten; sie erfordern zusätzlich eine Rotatorenmanschettennaht [25].

Besonderheiten zur Arthrolyse nach arthroskopischer Schulterstabilisierung

Da in der MRT etwaige prominente Implantate und das Ausmaß der Chondromalazie oft unterschätzt bzw. meist gar nicht detektiert werden, sollte bei anhaltenden Schmerzen und Bewegungsverlust nach arthroskopischer Schulterstabilisierung auch bei scheinbar blander Bildgebung eine diagnostische Revisionsarthroskopie erwogen werden. Die Revisionsarthroskopie erlaubt je nach Befund die Entfernung prominenter Implantate, die Resektion prominenter Fadenknoten, die Entfernung freier Gelenkkörper, eine Synovektomie, ein Knorpeldebridement und gegebenenfalls die Behandlung rezidivierender Labrumläsionen. Bei einer fibrotischen Kapselsteife kann zusätzlich ein Kapselrelease erforderlich sein [62].

Nachbehandlung der

arthroskopischen Arthrolyse

Die postoperative Rehabilitation ist für den Erfolg der Revisionsarthroskopie wesentlich. Ziel ist es, den intraoperativ gewonnenen, meist physiologischen Bewegungsumfang zu erhalten. Die Physiotherapie beginnt am Operationstag idealerweise unter Nutzung einer Regionalanästhesie mittels Schmerzblock. Zudem ist eine suffiziente orale und ggf. intravenöse Schmerztherapie essenziell, weil Schmerzen die Compliance reduzieren und erneute Schonhaltungen begünstigen. Wenn gleichzeitig eine Rotatorenmanschettenrekonstruktion durchgeführt wurde, muss das Rehabilitationsprotokoll angepasst werden, wobei zunächst nur passive Übungen erfolgen und erst später eine aktive Kräftigung sowie Seilzugübungen begonnen werden. Erfolgte eine Revisionsarthroskopie mit einer gleichzeitigen erneuten Labrumstabilisierung, so erfolgt die postoperative Mobilisation entsprechend vorsichtig bzw. stabilitätsorientiert [62].

Der Return-to-Sports nach einer erfolgreichen arthroskopischen Arthrolyse ist meist gut möglich, wobei der Zeitpunkt anhand funktioneller Kriterien entschieden wird. Für nicht überkopflastige Sportarten wie Joggen, Radfahren oder allgemeines Fitnesstraining ist die Rückkehr häufig sehr früh möglich. Für Schwimmen, Tennis, Volleyball, Handball, Krafttraining über Schulterhöhe oder Wurfsportarten sind Außenrotation, Elevation, Kraftausdauer und neuromuskuläre Kontrolle hingegen entscheidend, um den richtigen Zeitpunkt empfehlen zu können. Hier sind neben einer weitestgehend seitengleichen passiven und aktiven Beweglichkeit, eine ausreichende Rotatorenmanschettenkraft, sowie die Schmerz- und Entzündungsfreiheit nach Belastung von Interesse.

Prognose der konservativen und operativen Therapie einschließlich Return-to-Sports

Die konservativ therapierte primäre Schultersteife hat insgesamt eine günstige Prognose. Hier bessern sich sowohl die Schmerzen als auch die Beweglichkeit bei den meisten Patientinnen und Patienten. Die Erholung kann jedoch ein bis sogar mehrere Jahre dauern, und ein Teil der Betroffenen behält Restbeschwerden oder Bewegungseinschränkungen [49]. Ein Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen, eine lange Symptomdauer, starke initiale Schmerzen und ausgeprägte Bewegungseinschränkungen können die Prognose verschlechtern [15]. Für sportlich aktive Patientinnen und Patienten bedeutet der konservative Verlauf, dass ein Return-to-Sports häufig möglich ist, jedoch oft erst nach einem äußerst langwierigen Verlauf. Liegt eine im Verlauf therapieresistente primäre Schultersteife vor, zeigt die arthroskopische Kapselrelease-Operation wiederum sehr gute Ergebnisse. So wird die arthroskopische Arthrolyse bei schwerer Frozen Shoulder mit erheblichem Bewegungsverlust als zuverlässige Methode beschrieben [12, 26]. Beweglichkeit, Schmerz und Funktion verbessern sich dann umgehend, insbesondere wenn eine intensive postoperative Rehabilitation konsequent durchgeführt wird.

Bei einer sekundären Schultersteife zeigt eine Vielzahl an Studien, dass nach einem therapieresistenten konservativen Behandlungsversuch die arthroskopische Arthrolyse äußerst erfolgreich ist. Schmerzen, Beweglichkeit und Schulterfunktion bessern sich effektiv und nachhaltig [16, 33]. In einer Studie von Lafosse et al. verbesserte sich der Schmerz auf der visuellen Schmerzskala von 7 auf 1,6 VAS-Punkte, der Constant Score stieg von 21 auf 72 Punkte, die Abduktion von 40° auf 165°, die Elevation von 55° auf 175° und die Außenrotation von 6° auf 58° [33]. Auch Ebrahimzadeh et al. berichteten sehr überzeugende postoperative Verbesserungen. Die Patientinnen und Patienten erreichten ihre beste Beweglichkeit innerhalb von weniger als 4 Monaten, die Außenrotation verbesserte sich von durchschnittlich 10° auf 65° und der Constant Score stieg von 36 auf über 86 Punkte [16]. Eine Metaanalyse mit 18 Studien, 629 Patientinnen und Patienten und 811 Schultern bestätigte ähnliche, signifikante Verbesserungen von Schmerz, Beweglichkeit, Constant Score und Schulterfunktion nach arthroskopischem Kapselrelease [56]. Wichtig ist, dass insbesondere für die erweiterten Arthrolysen frühe und langanhaltende Verbesserungen der Elevation und Außenrotation nachgewiesen werden konnten [56]. Klinisch bedeutet dies, dass Überkopfbewegungen, Greifen in hohe Regale, Haarewaschen, Anziehen, Autofahren oder Schlafen auf der betroffenen Seite, etc. wieder möglich werden [13, 33]. Die erreichten Bewegungswerte von bis zu 175° Elevation, 165° Abduktion sowie 58° bis 65° Außenrotation sprechen dafür, dass viele Patientinnen und Patienten wieder ein im Prinzip normales Bewegungsmuster erreichen können [16,33]. Diese nahezu normalen Funktionswerte sind für viele Alltags- und Sportbewegungen als hochfunktionell anzusehen [16]. Hier bessert sich die sportliche Belastbarkeit so deutlich, dass entsprechend Studien von Lafosse et al. auch Sportarten mit Wurfbewegungen, Schwimmen, Schlagbewegungen oder Überkopfdrücken wieder möglich werden [33]. So wurden in mehreren Studien für die Elevation, Abduktion und Außenrotation klinisch hochrelevante Verbesserungen nachgewiesen, so dass auch Sportarten wie Tennis, Schwimmen, Volleyball, Handball, Klettern oder Krafttraining durchführbar waren [33, 56].

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